Köpfe & Positionen

Stefan Pohl zum Buch "The ABC Of Reinsurance"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es gibt einfachere Themen wie Rückversicherung. Stefan Pohl und Joseph Iranya haben mit "The ABC Of Reinsurance" dennoch ein kompaktes, leicht verständliches Buch zur Rückversicherung vorgestellt. Der Autor erklärt im Interview, warum das Buch Not tut und warum es auf Englisch erscheint.
VWheute: Herr Pohl, die Rückversicherung auf 200 Seiten – kann man ein umfassendes Themenfeld so abdecken?
Stefan Pohl: Rückversicherung wird von vielen als ein sehr komplexes Aufgabengebiet angesehen, das nur von Experten beherrscht werden kann. Mit diesem Vorurteil wollten wir aufräumen. Wir waren und sind weiterhin der Auffassung, dass rückversicherungsrelevante Themen nicht so komplex sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Der Schlüssel liegt darin, die Grundlagen der Rückversicherung zu verstehen.
VWheute: Wie kam es zu der Idee, ihren Co-Autor Joseph Iranya einzubinden?
Stefan Pohl: Joseph lebt und arbeitet bei einem Rückversicherer in Uganda. Er begann im Dezember 2016, einen Blog auf LinkedIn über die Grundlagen der Rückversicherung zu schreiben. Mir hat es gefallen, wie einfach er Konzepte aus dem Bereich der traditionellen aktiven Rückversicherung beschreiben konnte. Da ich mich selbst verstärkt mit Themen der passiven Rückversicherung beschäftige, war sehr schnell die Idee geboren, gemeinsam an einem Rückversicherungsbuch für Einsteiger zu schreiben.
VWheute: Sie kennen sich nicht persönlich, ist das richtig?
Stefan Pohl: Das stimmt, obwohl Joseph und ich uns nie persönlich kennengelernt haben, waren wir trotzdem sehr schnell in der Lage, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Das gemeinsame Interesse an der Rückversicherung und der Wunsch, möglichst alle Facetten dieses Themengebietes von Grund auf zu verstehen, haben uns verbunden. Zum Großteil waren wir auch einfach an der anderen fremden Kultur interessiert.
VWheute: Wie unterscheidet sich ihr Buch von anderen auf dem Markt befindlichen Titeln?
Stefan Pohl: Wir haben uns als Ziel gesetzt, eine kompakte und leicht verständliche Einführung in die Rückversicherung zu schreiben. Dabei verzichteten wir bewusst auf eine mathematisch saubere formale Herleitung von Sachverhalten und legten stattdessen besonderen Wert auf eine klare Struktur. Der Leser sollte sich sehr schnell in unserem Buch zurechtfinden. Ferner sollte ein selektives Erarbeiten von einzelnen Themengebieten sehr leicht möglich sein. Zur Veranschaulichung haben wir unsere verbalen Ausführungen auch immer mit einzelnen Beispielen und Graphiken angereichert. Wir haben unser Buch ausschließlich auf Englisch veröffentlicht, um weltweit interessierte Leser anzusprechen. Um das Buch auf der ganzen Welt vermarkten zu können, war es für uns unverzichtbar, dass neben dem Taschenbuch auch eine E-Book-Variante angeboten wird.
VWheute: Was waren die Herausforderungen, die Sie gemeinsam mit Ihrem Co-Autor meistern mussten?
Stefan Pohl: Das Schreiben an sich war für uns beide weniger problematisch. Joseph kümmerte sich im Wesentlichen um Themen aus dem Bereich der traditionellen aktiven Rückversicherung. „Aktiv“ bedeutet, dass ein Risikoträger Risiken gemäß dem vereinbarten Rückversicherungsvertrag übernimmt. Ich befasste mich schwerpunktmäßig mit fortgeschrittenen Aspekten wie Methoden des alternativen Risikotransfers über Kapitalmärkte und Anwendungsgebieten der passiven Rückversicherung. „Passiv“ heißt in diesem Zusammenhang, dass der Zedent (d.h. die risikoabgebende Partei) Rückversicherungsschutz bei einem anderen Risikoträger einkauft und für diese Leistung im Gegenzug eine Rückversicherungsprämie bezahlen muss. Durch diese Aufteilung kamen wir uns nicht in die Quere, da unsere Rollen als Schreiber und Korrektor klar geregelt waren.
VWheute: Wie gestaltete sich die Verlagssuche?
Stefan Pohl: Es war eine große Herausforderung, den passenden Verleger für unser Buch zu finden. Zunächst wollten wir unser Buch im Eigenverlag über Books on Demand anbieten, entschieden uns dann aber dagegen, weil über diesen Vertriebsweg unsere Werbung auf unsere eigenen Kontakte auf LinkedIn und Xing beschränkt gewesen wäre. Da wir aber ein internationales Publikum ansprechen wollten, sollte besser auch unser Verleger international aufgestellt sein.
Schlussendlich publizierten wir unser englischsprachiges Buch mit einem auf den deutschsprachigen Raum fokussierten Verlag, nämlich dem Verlag Versicherungswirtschaft (VVW GmbH). Uns gefiel zum einen die Bereitschaft des Verlages, neue Wege zu gehen, unter anderem der. Aufbau eines Wissensportals mit dem Namen "be.in.VALUE", zum anderen die Möglichkeit, durch das Drucken on Demand schnell Korrekturen und Änderungen auch noch nachträglich vornehmen zu können, ohne eine komplett neue Auflage des Buches auflegen zu müssen. Ausschlaggebend für unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem VVW war aber, dass der Verlag uns versprach, dass unser Buch sowohl als Taschenbuch als auch als elektronisches Buch auf Amazon.com geführt werden wird.
Im März 2018 erschien dann unser Buch zunächst auf Amazon.de und dann auf Amazon.com, zunächst nur als Taschenbuch und dann auch als E-Book.
VWheute: Im Herbst beginnt wieder die große Rückversicherungszeit, auch und gerade in Monte Carlo, was erwarten Sie als Experte?
Stefan Pohl: Der Wettbewerb auf dem Rückversicherungsmarkt dürfte bei weiterhin sehr hohen traditionellen Kapazitäten hart bleiben. Das gilt selbst für schadenbelastetes Geschäft.
Ich persönlich gehe davon aus, dass das alternative Kapital auch in 2018 weiter anwachsen wird, nachdem es bereits in 2017 trotz der sehr hohen Naturkatastrophen im dritten Quartal signifikant angestiegen ist. Die Investoren scheinen es zu schätzen, dass Katastrophenbonds relativ attraktive und mit anderen Assetklassen nicht korrelierte Erträge über die Zeit liefern.
Außerdem bin ich der Meinung, dass die im ersten Quartal 2018 stattgefundenen Fusionen von AIG und Validus beziehungsweise Axa und XL Catlin nur der Anfang einer Konsolidierungswelle auf dem Rückversicherungsmarkt sind. Zu den Beweggründen zählen dabei insbesondere das Streben nach Wachstum, die Optimierung von Kosten- und Kapitalstrukturen sowie der externe Druck von Investoren und Ratingagenturen.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Link: The ABC Of Reinsurance (Online-Shop)
Bild: Stefan Pohl (Quelle: privat)
Rückversicherungsschutz · Pohl Stefan · The ABC Of Reinsurance · Joseph Iranya
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