Politik & Regulierung

Buchtipp: Krimi um die Münchener Rück mit NS-Vergangenheit

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Die meisten Krimiautoren sind noch dem Stereotyp des verbeamteten Ermittlers verhaftet, der verbissen versucht einen von einem Plot zum nächsten skurriler werdenden Mord aufzuklären. Anders im Fall des im März verstorbenen schottischen Autors Philip Ballantyne Kerr, dessen von schwarzem Nihilismus geprägte Krimis ein Bild der jeweiligen Epoche vermitteln. Der 13. Roman spielt im Jahr 1957, ein Schadenspezialist der Münchener Rück deckt ein großes Geheimnis auf.
Schadenspezialist Bernie Gunther wird von seinem Vorstandsvorsitzenden Alois Alzheimer (eine reale Figur) wird nach Athen geschickt, um näheres zu den Umständen zu erfahren, unter denen ein bei seiner Gesellschaft versicherter Frachter gesunken war. Das von einem unsympathischen Deutschen versicherte Schiff hatte, wie sich herausstellt, eine Vorgeschichte.
Es gehörte einem nach Auschwitz deportierten Juden aus Thessaloniki. Unter Einbindung des Schiffs sollte unter Vorgaukelung einer archäologischen Tauchoperation ein durch SS-Schwergen jüdischen Bürgern Salonikas‘ abgepresster Schatz wieder gehoben werden, der zu Ende des Krieges in den Fluten versunken war. Hieraus ergibt sich für Gunther die Notwendigkeit sich in die Historie des im zweiten Weltkrieg durch das 3. Reich weitgehend ausgelöschten sephardischen Juden Thessaloniki’s auseinanderzusetzen.
Aber auch Gunther’s Weste ist alles andere als lupenrein. Zu Beginn des Romans schlägt er sich nach einigen Jahren brauner Vergangenheit beim Sicherheitsdienst SD in München unter falschem Namen untergetaucht als Leichenwäscher durch, verstrickt sich gar selber noch in einen Raubmord im Zusammenhang mit einer deutschen Parteienfinanzierung. Gegen Ende scheint er sich jedoch zu verpflichten im Sinne der persönlichen Busse dem Mossad zu dienen.
Kerr beschreibt ein Bild von post 1945-Seilschaften, zu denen im Sinne der "Kontinuität der Verwaltungseliten" einstige SS-Mitglieder und auch der unter Adenauer dienende Kanzleramtsminister Hans Globke gehören. Kerr erzählt entlang der Zeitschiene, Vor- oder Rückblicke kommen nicht vor. In stilistischer Hinsicht stört das Überwiegen direkter Rede, fast als hätte Kerr gleich ein Drehbuch verfassen wollen.
Der Romantitel "Greeks Bearing Gifts" (erscheint 2019) erklärt sich aus dem geflügelten Wort von den Danaergeschenken, d.h. der Warnung Kassandras an die Trojaner das von den Griechen zurückgelassene und eine bewaffnete Gruppe beherbergende Pferd nicht in die Stadt zu lassen. Die britische Aufforderung „beware Greeks bearing gifts“ versteht sich in dem ironisierenden Sinne dass angeblich Geschenke überbringenden Griechen nicht zu trauen sei. Laokoon’s und Kassandra’s Warnungen waren seinerzeit verhallt. (cpt)
Bildcover: Greeks Bearing Gifts; Bernie Gunther Thriller 13; Philip Kerr; 464 Seiten
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