Unternehmen & Management

Allianz-Chef versetzt Seitenhieb gegen Generali

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Oliver Bäte fühlt sich ungerecht behandelt, wenn von einer Krise in der Lebensversicherung gesprochen wird. Aus seiner Sicht gebe es keinen Grund zur Panik, vor allem die Allianz Leben sei "Weltklasse". Indes zeigt der Top-Manager Verständnis, dass sich Verbraucher verschaukelt fühlen, wenn Rivalen wie die Generali Policen verkaufen und in die Hände von Finanzinvestoren legen. Seine Empfehlung: "Bitte bringt das Geld zu seriösen Unternehmen."
"Ja, die Bafin schaut hin, aber wir dürfen deshalb nicht die Lebensversicherung totreden", erklärt Bäte im Interview mit dem Handelsblatt. "Es gibt auch in der Autoindustrie Firmen, die Geld verdienen – und andere, die aus dem Wettbewerb ausscheiden. Auch im Bankensektor mussten einige Anbieter abgewickelt werden. Aber würden Sie deshalb sagen: Ich mache kein Konto mehr auf oder ich eröffne kein Sparbuch mehr, weil es ein paar Banken gibt, die zugemacht werden mussten? Das habe ich noch nie gehört. Deshalb verstehe ich die Debatte überhaupt nicht."
Bäte legt Lebensversicherungskunden ans Herz, ihr Geld zu seriösen Unternehmen zu bringen. Mit Blick auf die Generali zeigt der Allianz-Chef Verständnis, dass sich Verbraucher verschaukelt fühlen. "Aber in den USA würde niemand auf die Idee kommen, wenn ein einzelner Lebensversicherer ausscheidet, dafür eine ganze Branche in Sippenhaft zu nehmen."
Dahinter stecke das Denken, dass Papa Staat doch bitte aufpassen solle, dass so etwas nicht passiere. Das habe aber mit Marktwirtschaft nicht viel zu tun. "Vielleicht waren wir in der Vergangenheit allerdings nicht offen genug, darüber zu sprechen, dass es auch in der privaten Altersvorsorge Risiken gibt, die unterschiedlich sind", erklärt Bäte im Handelsblatt.
Einfach von den Banken zu sprechen, von der Versicherungsindustrie allgemein sei falsch. Es gebe gut geführte Häuser, und es gebe nun mal nicht so gut geführte Häuser. "Wir machen ja nicht alles immer nur gut, aber die Kollegen der Lebensversicherung in Stuttgart sind Weltklasse, glauben Sie mir", versichert der Manager.
Die komplexe Situation im Lebengeschäft führt Bäte auf die europäische Zinspolitik zurück. "Wenn Sie auf einmal die Grundlagen einer Industrie verändern, weil eine Zentralbank sagt, Volkswirtschaft interessiert mich nicht, dann ist darauf auch ein einigermaßen gut geführtes Unternehmen nicht immer vorbereitet. Der normale Zinssatz wäre heute ja anderthalb bis zwei Prozent höher, als er ist. Das Geschäftsmodell der Versicherer ist nicht für künstlich erzeugte Zinsen gemacht. Das ist die wichtigste Nachricht. Darum bitte nicht auf der Industrie herumhauen." (vwh/mst)
Bild: Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender Allianz (Quelle: Allianz)
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