Köpfe & Positionen

Rath: "Digitale Transformation in zwei Geschwindigkeiten"

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Die digitale Transformation hat auch in den heiligen Hallen der Signal Iduna Einzug gehalten. Ob "Sijox", "ZUP" oder "VISION2023" - der Versicherer setzt dabei auf ein Modell der zwei Geschwindigkeiten: Das Kerngeschäft als "Tanker" sowie Geschäftsmodelle und Beteiligungen als wendige Beiboote. VWheute hat exklusiv mit Johannes Rath, Chief Digital Officer der Signal Iduna Gruppe gesprochen.
VWheute: Sehr geehrter Herr Rath, wie läuft der digitale Umbau und das Investment bei der Signal Iduna?
Johannes Rath: Wir haben bereits 2011 mit der Gründung der jungen Marke "Sijox" begonnen, Produkte und Services für die digitale Generation zu entwickeln. Ein weiterer Schritt für unseren digitalen Umbau war das Zukunftsprogramm "ZUP", mit dem wir zwischen 2014 und 2017 unsere IT komplett modernisiert, den Vertrieb neu aufgestellt und zugleich unsere Strukturen und Prozesse vereinfacht haben.
Mit den rund 300 Einzelmaßnahmen und 100 Teilprojekten aus "ZUP" haben wir die Grundlage für die weitere digitale Transformation der Gruppe gelegt. Anfang 2018 haben wird "VISION2023" gestartet. Dabei handelt es sich um eine konzernweite Strategie für eine digitalere Welt. Unser Ziel ist es durch umfassende Lösungen mehr Lebensqualität zu schaffen. Dazu setzen wir unter anderem auf die Zusammenarbeit mit Start-ups als auch auf agile Arbeitsweisen, in denen ressortübergreifend Teams an neuen Lösungen und Produkten arbeiten.
VWheute: Was heißt das konkret für Ihre digitale Strategie?
Johannes Rath: Die Grundlage unserer digitalen Transformation ist das Modell der zwei Geschwindigkeiten. Einfach gesagt bedeutet es, dass wir unser Kerngeschäft beschleunigen und gleichzeitig nach neuen Geschäftsmodellen und -feldern suchen. Sie können sich das wie bei Schiffen vorstellen: Das eine ist der Tanker - unser Kerngeschäft – der sehr stabil unterwegs ist, bei dem Kursänderungen aber naturgemäß etwas länger dauern.
Das andere sind die Beiboote – unsere neuen Geschäftsmodelle und Beteiligungen –, die sehr viel schneller und beweglicher sind, und wenn nötig rasch den Kurs ändern können. Beides sind Pfeiler unserer digitalen Transformation und beide Bereiche befruchten sich gegenseitig. Für die Investitionen und Kooperationen mit Start-ups und jungen Gründern haben wir vergangenes Jahr die Marke "Signals" als eigenes Ökosystem gegründet.
Ziel ist, uns in neuen, zukunftsweisenden Geschäftsfeldern zu positionieren, indem wir Verbindungen mit interessanten Partnern aus der Technologieszene eingehen und zugleich in Unternehmen investieren. Dazu haben wird im November 2017 in Berlin "Signals Open Studios" eröffnet. Auf über 500 Quadratmetern bieten wir hier jungen, digitalen Unternehmen aus verschiedensten Branchen ein Umfeld, um ihre Expertise zu bündeln, digitale Plattformen aufzubauen und gemeinsam neue Märkte zu kreieren. Gleichzeitig nutzen wir die Studios für digitale Trainings für unsere Konzernmitarbeiter.
VWheute: Welche Start-Ups werden wie finanziert?
Johannes Rath: Perspektivisch wollen wir in den nächsten Jahren um die 100 Mio. Euro in Start-ups und neue Geschäftsmodelle investieren. Unser Fokus liegt dabei auf technologiegetriebenen, branchenübergreifenden Start-Ups, deren Geschäftsmodelle vor allem auf neuen Formen der Datenerhebung, -auswertung, und -interpretation basieren. Hier spielt künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Außerdem investiert wird in kreative Unternehmen, die unser Kerngeschäft unmittelbar beschleunigen. Ein Beispiel für ein solches Investment ist der neue Versicherer Element.
VWheute: Welche messbaren Erfolge kann Ihr Haus schon vorweisen?
Johannes Rath: Ein erster Erfolg unserer digitalen Strategie ist das neue Produkt "Versicherung09", dass wir innerhalb weniger Monate zusammen mit Element entwickelt haben. "Versicherung09" ist ein spezielles Paket, für Fans des 1909 gegründeten Fußballvereins Borussia Dortmund (BVB). Das Angebot kombiniert einen vollwertigen Hausrat- und Haftpflichtschutz mit speziell auf BVB-Fans zugeschnittenen Leistungen. Grundlage für diese erfolgreiche Zusammenarbeit ist unser Investment in den Company Builder FinLeap, zu dem die Ausgründung Element gehört. Das Insurtech besitzt eine Bafin-Lizenz für die Schaden- und Unfallversicherung und bietet "Insurance-as-a-service" mit einem B2B-Ansatz.
Dadurch können wir gemeinsam innerhalb kürzester Zeit passgenaue Versicherungsprodukte für diverse Zielgruppen entwickeln. Mit dem Start-up Perseus haben wir einen digitalen Schutzschild, eine Cyber-Deckung, für Gewerbekunden auf den Markt gebracht. In der Elektromobilität kooperieren wir mit dem Unternehmen Chargery und haben hier eine individuelle Versicherung für mobile Ladeinfrastruktur entwickelt. Mit Jovoto, einer Plattform aus 80.000 Innovatoren und Kreativen aus über 150 Ländern, arbeiten wir an neuen digitalen Lösungen für unsere Kunden. Wird sind damit auf dem Weg vom reinen Versicherungsanbieter zu einem Lösungsanbieter. Wir erhöhen mit Hilfe digitaler Technologien die Lebensqualität unserer Kunden.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Uwe Schmidt-Kasparek.
Bild: Johannes Rath (Quelle: Signal Iduna)
Signal Iduna · Johannes Rath
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