Schlaglicht

Wie Banken mithilfe von Insurtechs Check24 bekämpfen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ob Kredite oder Versicherungen – der Vertrieb für beide Produkte wird zunehmend digitaler und wird von den übermächtigen Vergleichsportalen Check24 und Verivox beherrscht. Doch mithilfe von Versicherungs-Startups holen die Banken nun zum Gegenangriff aus. Wie Bancassurance durch Insurtechs wie GetSafe, Clark und Friendsurance sein Comeback feiert.
Immer mehr Filialen werden geschlossen. Bankgeschäfte werden längst überwiegend online getätigt. Banken und Versicherer haben damit immer mehr den gleichen Vertriebsweg, denn auch die Versicherungsabschlüsse wandern immer stärker in den Online-Bereich ab. Im März 2018 wies eine Studie des von den Versicherungsforen Leipzig ins Leben gerufene "New Players Network" 80 auf dem Markt aktive auf Versicherungen spezialisierte Fintechs aus. Aber nur ein kleiner Teil kooperiert mit Banken.
"Banken sind daran interessiert Versicherungsprodukte in ihre digitalen Dienste zu integrieren", heißt es beim Insurtech Getsafe. Mitte 2016 machte das Unternehmen, dass als Versicherungsmakler und -vertreter agiert, Nägel mit Köpfen und kooperiert seither mit der 1822direkt, einer Tochter der Frankfurter Sparkasse. Der digitale Versicherungsservice des Online-Maklers sollte für Bankkunden in das Online-Banking eingebunden werden. Durch den Zusammenschluss haben Kunden der 1822direkt einfachen Zugriff auf den digitalen Versicherungsmanager von Getsafe. "Das weltweit erste Insurtech-Start-up zu sein, das eine so umfängliche Integration mit einem Finanzdienstleister realisiert, ist ein tolles Signal", sagte Christian Wiens, Gründer und CEO von Getsafe anlässlich des Starts der Kooperation.

Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen

Elektronische Versicherungsordner von Versicherungsmaklern erleben derzeit einen regelrechten Boom. Die Kunden profitieren durch eine automatische Digitalisierung ihrer bestehenden Versicherungsverträge. Sie können ihrem Versicherungsmakler dann per App online Schäden melden. Gleichzeitig versprechen die Anbieter, dass der persönliche Versicherungsschutz optimiert werden kann. So könnten mit "wenigen Klicks Versicherungslücken geschlossen und unpassende oder überteuerte Verträge gewechselt werden." Ob aber die Kooperation von Bank und Getsafe nach  fast zwei Jahren erfolgreich war, ist ungewiss. Fragen nach Kundenvolumen, Provisionen oder Erfahrungen mit dem Makler wollte die 1822direkt nicht beantworten. "Ihre Fragen betreffen geschäftspolitische Themen, zu denen wir grundsätzlich keine Stellung beziehen oder konkrete Zahlen veröffentlichen", teilte Jan Weilbacher vom Vertriebsmanagement der Bank mit.
Offen bleibt so auch, ob die Kooperation im Lager der Öffentlich-Rechtlichen Versicherer, zu dem die Sparkassentochter gehört, Unruhe ausgelöst hat. Noch immer bewirbt 1822direkt die Kooperation mit Getsafe, bei der man angeblich bis zu 1.000 Euro sparen kann, vor den Partnern ÖRAG oder SV Sparkassenversicherung. Auch die im Netz geäußerte Kritik, dass die Werbung für einen "kostenlosen Versicherungsmanager" problematisch ist, da Getsafe sein Geld mit Provisionen der Assekuranzen verdient, blieb von Seiten der Bank unkommentiert.
Etwas kommunikativer gibt sich der digitale Versicherungsmakler Clark und die ING-DiBa Onlinebank. Die gemeinsame Kooperation gibt es seit April 2017. Durch die Zusammenarbeit mit Deutschlands größter Direktbank wird der Online-Makler den über acht Millionen Kunden der Bank angeboten – bis jetzt. Seit Mitte Juni gehört dieser exklusive Zugang der Vergangenheit an. ING-DiBa hat eine Kooperation mit Axa geschlossen. Aus insgesamt sechs Ländern will der französische Versicherer Schaden- und Unfall-Policen über den Bankschalter der holländischen Konzernmutter der ING-DiBa in Zukunft anbieten.
Dennoch setzt Clark weiterhin auf Kooperationen im Bankenbereich. So wurden nach der ING-DiBa und der N26 auch die PSD Bank Hannover, die NIBC Direct und die Deutsche Kreditbank (DKB) gewonnen. Aktuell steht das Unternehmen vor seinem größten Coup im Bankenbereich: So konnte im Mai die Versicherungskammer Bayer (VKB) als Vertriebspartner gewonnen werden. Mit dem öffentlichen Versicherer wurde eine Whitelabel-Lösung vereinbart. Die Kooperation überrascht, denn eigentlich setzen die Öffentlichen Versicherer traditionell auf ihre Ausschließlichkeit. Tatsächlich erhalten die Kunden der VKB aber nicht den Zugriff auf die volle Versicherungsmaklerfunktion von Clark, sondern können lediglich auf eine maßgeschneiderte App und Webseite zugreifen, die den Anforderungen des Multikanalvertriebs der Assekuranz und vor allem auf die kooperierenden Sparkassen angepasst ist.

Kundenzahlen sind Geheimsache

Auf die Kooperation mit dem Berliner Versicherungsmakler Alecto, besser bekannt als Friendsurance, setzt nun auch die Deutsche Bank. Die Zusammenarbeit soll im Sommer starten. Deutsche Bank und Friendsurance gehen davon aus, dass sich Kunden in den kommenden Jahren verstärkt von digitalen Maklern betreuen lassen möchten. Sie könnten Recht behalten – doch möglicherweise heißt der Versicherungsmakler gar nicht Friendsurance. Denn, ob das Angebot eines Maklermandats für die Freischaltung eines elektronischen Versicherungsordners von Bankkunden in großer Zahl angenommen wird, muss noch bezweifelt werden.
So veröffentlicht Clark ebenso wie Getsafe keinerlei Kundenzahlen, die aus den Bankkooperationen entstanden sind. Doch insgesamt erreicht Clark derzeit gerade ein Kundenvolumen von 100.000. Angesichts der kostenlosten Werbung auf den Bankseiten mit Millionen von Kunden, erscheint das als ein mageres Ergebnis. So hat auch das Insurtech Wefox, das unter dem Namen Financefox, startete, mit dem digitalen Versicherungsordner Schiffbruch erlitten, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einem Beitrag feststellt. Mittlerweile sei Ernüchterung eingekehrt. "Dieses Geschäftsmodell ist gecrasht", zitiert der GDV den Gründer von Wefox, Julian Teicke. Die Kunden hätten kein Interesse gehabt. Daher hätte man das Geschäftsmodell bei Akquisekosten von 300 bis 400 Euro pro Kunden nicht durchhalten können. Mittlerweile habe sich Wefox umorientiert und bietet anderen Maklern an, seine Plattform für die Betreuung ihrer Kunden zu nutzen.

Vergleichsgiganten sind nur schwer einzuholen

Zwar verhält sich Check24 hinsichtlich der abgerufenen Vergleiche nicht weniger intransparent, über alle Bereiche gibt der Online-Versicherungsmakler aber eine Zahl von 15 Millionen Kunden an. Wer ein Kundenkonto beim Münchener Vergleichsportal eröffnet, um beispielsweise auch künftig auf die persönlichen Daten aus einem Kfz-Versicherungsvergleich zugreifen zu können, kann das Konto mit allen seinen Versicherungsverträgen füllen lassen. Check24 besorgt die Daten beim Versicherer. "Dafür brauchen wir eine Einwilligung aber keine Maklervollmacht", erläutert Pressesprecher Daniel Friedheim. Mit einer "Einverständniserklärung" erlaubt der Kunde Check24 Vertragsdetails und Dokumente beim Versicherer abzurufen und entbindet den Versicherer soweit es notwendig ist von seiner Schweigepflicht.
Gleichzeitig hat das Vergleichsportal auch einen Kontomanager im Angebot, der alle Finanzen „an einem Ort“ verwalten kann sowie ein "Kreditcenter" mit dem die Kunden Kreditanfragen und Kreditzusagen verwalten können. Eine klassische Kooperation mit Banken hat das UniversalVergleichsportal somit gar nicht nötig.  Ähnlich stark aufgestellt ist mit rund acht Millionen Kunden der Universalvergleicher Verivox. Dort gibt es neben dem Vergleichsbereich "Versicherungen" einen umfassenden Bereich "Finanzen". Für einzelne Versicherer und Banken dürfte es schwer werden, die Transformation zur Service-Plattform so zu vollziehen, wie sie die Kunden wünschen. Einzelunternehmen haben es immer schwerer, sich für Kunden unverzichtbar zu machen und ein umfassendes digitales Ökosystem aufzubauen. Hier haben Check24 oder Verivox, die gleichzeitig eine individuelle Beratung anbieten, derzeit die Nase deutlich vorne. (usk)
Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Bild: Deutsche Bank / www.flickr.com
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