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Munich Re: Nat-Cats so niedrig wie zuletzt vor 13 Jahren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Unwetter, Stürme, Erdbeben und andere Naturkatastrophen haben in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich weniger Schäden verursacht als bislang üblich. So lagen die Gesamtschäden durch entsprechende Ereignisse im ersten Halbjahr 2018 bei rund 33 Mrd. US-Dollar. Etwa die Hälfte davon war versichert und schlug mit etwa 17 Mrd. US-Dollar zu Buche. Teuerstes Schadenereignis war das Wintersturm "Friedrike" mit rund 2,2 Mrd. US-Dollar.
Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum registrierte der Münchener Rückversicherer noch eine Gesamtschadenbelastung durch Naturkatastrophen von rund 65 Mrd. US-Dollar, von denen etwa 25,5 Mrd. versichert waren. Damit lag die Schadenbelastung im ersten Halbjahr dieses Jahres auch deutlich unter dem 30-Jahres-Durchschnitt von rund 68,3 Mrd. US-Dollar und 17,5 Mrd. US-Dollar an versicherten Schäden. Zudem kamen in den ersten sechs Monaten rund 3.000 Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch 5.540.
Allerdings registrierte die Munich Re insgesamt 430 relevante Naturkatastrophen, was deutlich über dem langfristigen Durchschnitt (250) und im Vorjahr (380) liegt. Dabei haben vor allem Stürme und Kältewellen in Europa und Nordamerika im Winter haben die Statistik der ersten Jahreshälfte geprägt: Neben "Friedrike" ereigneten sich in Nordamerika von Ende Februar bis Mitte März gleich mehrere großflächige Schneestürme - auch "Nor'easter" genannt. Neben "Friedrike" sorgte schon der Wintersturm "Burglind" für einen Gesamtschaden von 1,2 Mrd. US-Dollar (960 Mio. Euro) verursacht. Davon waren 900 Mio. US-Dollar (720 Mio. Euro) versichert.
Eine besonders ungewöhnliche Wettersituation registrierte der Rückversicherer auch im Mai und Juni dieses Jahres in Mitteleuropa. Im Süden und Westen Deutschlands sowie in Frankreich bildeten sich in feuchtwarmen Luftmassen Serien von sehr langsam ziehenden Gewittern, die vielerorts Sturzfluten auslösten. Verantwortlich waren extreme Niederschläge, die häufig die Kanalisation überlasteten. Der Gesamtschaden durch die Unwetter belief sich nach Angaben des Rückversicherers auf rund 1,6 Mrd. Euro, auf die Versicherer entfielen gut 900 Mio. Euro.
Schwerwiegendstes Ereignis in Nordamerika war ein Blizzard in der ersten Märzwoche mit einem Gesamtschaden von 2,2 Mrd. US-Dollar. Nach Angaben der Munich Re waren davon rund 1,6 Mrd. US-Dollar versichert. Insgesamt verursachten die Winterstürme in Europa einen Gesamtschaden von rund 3,9 Mrd. Euro (4,8 Mrd. US-Dollar). Davon waren laut Munich Re etwa 2,9 Mrd. Euro (3,6 Mrd. US-Dollar) versichert. In Nordamerika brachte die Bilanz des Winters in der ersten Jahreshälfte einen Schaden von 3,8 Mrd. US-Dollar mit einem versicherten Anteil von 2,7 Mrd. US-Dollar.
In China sorgten Winterschäden im Januar und April mit langen Frostperioden und heftigen Schneefällen für Schäden in Höhe von rund zwei Mrd. US-Dollar. Zudem sorgte Zyklon Mekunu im Jemen und Oman für großräumige Verwüstungen, die vermutlich mit einem höheren dreistelligen Millionenbetrag zu Buche schlagen wird. Mitte Juni verursachte ein Erdbeben in der japanischen Großstadt Osaka Schäden an mehreren tausend Häusern sowie Infrastruktureinrichtungen. Die Schadenschätzungen sind hier allerdings noch nicht abgeschlossen.
Auf dem südamerikanischen Halbkontinent registrierte die Munich Re vor allem in Peru, Ecuador und Kolumbien sowie eine Vielzahl von Unwettern, gefolgt von Sturzfluten und Erdrutschen, bei denen insgesamt 77 Menschen ums Leben kamen. In Afrika verursachten großräumige Niederschläge in Kenia zwischen März und Mai verheerende Überschwemmungen, bei denen mehr als 100 Menschen ums Leben kamen. Die Schäden reichen dabei laut Rückversicherer weit in die Millionen hinein. Über 100.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Zudem verzeichnete die Munich Re gleich vier größere Tropenstürme: Im Mai Zyklon "Sagar" in Ostafrika, Zyklon "Ava" und "Eliakim" auf Madagaskar sowie Zyklon "Berguitta" auf Mauritius und Réunion.
Im Frühjahr erschütterten zudem mehrere Erdstöße die pazifischen Inselstaaten Indonesien und Papua-Neuguinea, bei denen fast 100 Menschen dabei zu Tode gekommen sind. Die Gesamtschäden lagen bei etwa 300 Millionen US-Dollar. Desweiteren verursachte Zyklon "Gita" im Februar auf Tonga, Samoa, Amerikanisch-Samoa, Fidschi und Neuseeland einen Gesamtschäden von 230 Mio. US-Dollar, rund 25 Mio. waren davon versichert. Im australischen Bundesstaat New South Wales verursachten Trockenheit, geringe Luftfeuchte, hohe Temperaturen und hohe Windgeschwindigkeiten für großflächige Brände, bei denen fast 100 Häuser und Gebäude durch die Flammen beschädigt oder sogar zerstört wurden. Der Gesamtschaden dürfte sich laut Munich Re auf etwa 100 Mio. US-Dollar belaufen, von dem ein Großteil wohl versichert sein dürfte.
"Es ist gut, dass nach extremen Katastrophen mit Rekordschäden wieder eine Phase mit geringen Schäden zu verzeichnen war. Bei Betrachtung eines kurzen Zeitraums ist das natürlich stark zufallsbedingt. Wichtig ist, langfristige Entwicklungen zu kennen. Wir müssen deshalb weiter jede Anstrengung unternehmen, die Hintergründe von Naturkatastrophen zu verstehen und mit klugen Präventionsmaßnahmen Schäden vorzubeugen. Wie sinnvoll das ist, zeigen Statistiken zu Hochwasserschäden in Europa, die durch Investitionen in Schutzmaßnahmen tendenziell zurückgegangen sind", kommentiert Torsten Jeworrek, Vorstand der Munich Re, die Halbjahresbilanz für 2018. (vwh/td)
Bildquelle: Stefan Heerdegen / PIXELIO (www.pixelio.de)
Grafikquellen: Statista
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