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Dürre kostet Milliarden und Bauern wollen sich nicht versichern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es ist zu trocken – in Deutschland drohen in diesem Jahr in der Landwirtschaft Milliardenschäden wegen ausbleibendem Regen. Doch im Gegensatz zu weiten Teilen der EU gibt es hierzulande keinen Versicherungsschutz gegen Dürre. Dass gerade die versicherungsaffinen Deutschen mit dem Schutz fremdeln, hat gute Gründe, wie die Vereinigte Hagel erklärt.
Bei Begriffen wie Dürre dürften viele Menschen eher an Regionen im Nahen Osten, Afrika oder Teilen Asiens denken, doch auch in Europa ist die Gefahr bei vielen Menschen stetig präsent, wie diese statistische Auswertung zeigt:
Dass es für diese Furcht gute Gründe gibt, zeigt die aktuelle Lage in Deutschland. Die Trockenheit wird die Landwirte hierzulande Milliarden kosten, wie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied feststellt: "Wir werden erneut eine Ernte haben, die weit unter dem Durchschnitt liegt. Einige Betriebe haben wegen der Dürre nicht geerntet, sondern den Bestand direkt gehäckselt."
Im folgenden Video erklärt er, dass es schwierig werden könnte, die Existenz einiger Höfe zu sichern und welche Möglichkeit er sieht, den finanziellen Gefahren zu begegnen.
Rainer Langner, Vorstandschef der Vereinigte Hagel nennt Zahlen zum Ernteausfall: "Ich fürchte, dass wir die Summe von zwei Mrd. Euro überschreiten werden." Der bisherige Höchststand betrug 2,3 Mrd. Euro.
Was die Versicherung tun könnte
Seit Jahren fordert die Branche einen Schutz gegen Dürre, doch sowohl Bauen wie auch Landwirte stemmen sich gegen den Schutz, natürlich liegen der Weigerung monetäre Bedenken zu Grunde.
Tatsächlich gibt bereits einen Schutz gegen Dürre, wie die Vereinigte Hagel erklärt. Es ist der eine Index-Lösung, bei der im Schadenfall die durchschnittlichen Erträge der Landwirte in einem Kreis ermittelt und mit den aktuellen Erträgen verglichen werden. Die ermittelte, monetäre Differenz wird, minus dem vereinbarten Selbstbehalt, an die betroffenen Landwirte ausbezahlt. Ein Sprecher der Vereinigte Hagel bestätigt im Gespräch, dass es in ganz Deutschland fünf Abschlüsse gebe.
Eine Handvoll Abschlüsse sind nicht viel, besonders bei 267.800 landwirtschaftlichen Betrieben. Die Ursache liegt für den Sprecher darin begründet, dass der Bauer seine eigenen Felder und Besitz zum tatsächlichen Wert absichern möchte. An einer Lösung in der andere Landwirte und deren Besitz (indirekt) beteiligt sind, haben viele Landworte kein Interesse.
Der Grund für die Ablehnung sind die unterschiedlichen Böden. "Ein guter Boden kann eine Trockenheit besser verkraften als ein schlechter, bei der Indexlösung wird aber ein ganzer Kreis zur Ermittlung herangezogen." Der Schutz ist also nur bedingt ein individueller Schutz, wie ihn die Bauer fordern, was sich in den Verbreitungszahlen spiegelt.
Erschwerend kommt hinzu, dass eine Dürre in der Regel ganze Landstriche heimsucht, während Gefahren wie Hagel regional, manchmal nur partiell vorkommen, was die Prämien einer Trockenheitsversicherung steigen lässt, sodass der Landwirt sie alleine nicht stemmen könnte. "Der Staat müsste die Prämien mit Zuschüssen fördern" erklärt der Sprecher der Vereinigte Hagel, da wäre aber bisher nicht zu Stande gekommen.
Es scheint günstiger zu sein, wenn der Staat im Fall der Fälle eingreift und einzelne Bauern entschädigt, wie es Rukwied im Video fordert. Eine Entschädigung muss aber auch begründet sein und überprüft werden, ob das der Staat besser und günstiger kann als ein spezialisierter Versicherer, ist diskutabel – teuer ist es auf jeden Fall. (vwh/mv)
Bild: Dürre (Quelle: johnny / www.pixelio.de / PIXELIO)
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