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Kritik am GDV: Verrentung der Lebensversicherung für Kunden nachteilig?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Lebenslange Rente oder Einmalzahlung – vor dieser Frage stehen jedes Jahr Millionen von Menschen. Im Jahr 2017 betrug der LV-Bestand hierzulande stolze 84,1 Mio. Stück. Der GDV spricht sich für die Rente aus, um das Langlebigkeitsrisiko auszugleichen, doch das ist nicht immer zum Besten des Kunden, wie Kritiker bemängeln.
Jochen Ruß vom Ulmer Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften hatte für den GDV eine Studie angefertigt, die die positive Ansicht des Verbandes zur lebenslangen Rente stützt. "Das Risiko, länger zu leben, als das angesparte Geld reicht, ist eines der am meisten unterschätzten finanziellen Risiken", erklärte Ruß.
In der Wirtschaftswoche erschien ein Artikel, der die lebenslange Rente kritisch sieht. Das lebenslange Einkommen könne auch über eine Einmalzahlung gesichert werden, besonders, "wenn man vom aktuell niedrigen Niveau der Garantierenten ausgeht". Drei Prozent Zinsen bei Anlage der Lebensversicherungssumme würden häufig genügen, um die Rente zu finanzieren – in manchen Fällen wäre dabei sogar ein kleiner Zugewinn drin. Zudem sei die Einmalzahlung bei Altverträgen komplett steuerfrei ist, bei Neuverträgen die Hälfte, während auf die Rente komplett Steuern anfallen.
Kritik an der Branche
Darüber hinaus würden die Versicherer die Auszahlungssummen auch deswegen gerne einbehalten, weil sie damit die "Rentner querfinanzieren", die mehr Rente bekommen, als sie eingezahlt haben. Diesen Aspekt bestätigt auch die zitierte GDV-Studie: "Die verbleibenden Mittel derjenigen, die früher sterben, werden an das Versichertenkollektiv vererbt und finanzieren die Renten derjenigen, die länger leben." Die Frage muss erlaubt sein, ob das bei einer privat abgeschlossenen Absicherung das Ziel des Sparers sein kann oder sollte. Ebenso ist unklar, wie oft der Kunde über diesen Umstand aufgeklärt wird.
Den GDV ficht diese Ansicht nicht an, auf Anfrage wird auf eine Studie verwiesen, in der es heißt, dass es für die meisten Menschen besser wäre, "deutlich mehr Geld zu verrenten, als dies in der Realität beobachtet wird".
In dem bereits zitierten Beitrag der Wirtschaftszeitung kann dagegen gelesen werden, dass der Verbraucher "genau durchrechnen" sollte, ob sich die Auszahlung oder die Rente lohnt, denn "bei vielen dürfte die Einmalzahlung deutlich rentabler sein".
Das widerspricht der These des GDV, dass die Verrentung für die meisten Menschen "deutlich besser" wäre. (vwh/mv)
Bild: Rente (Quelle: I-vista www.pixelio.de / PIXELIO)
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