Schlaglicht

Wie man moderne Technik versicherbar macht

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da kann sich kein Gebild gestalten", dichtete einst Friedrich von Schiller in seinem berühmten Gedicht "Das Lied von der Glocke". Diese Textzeile wäre durchaus auch als Motto geeigent für das 1932 als "Materialprüfanstalt" der Allianz gegründete, heute unter dem Label Allianz Zentrum für Technik (AZT) wirkende, Test- und Forschungslabor für große und kleine Schäden der Allianz Global Corporate & Speciality (AGCS).
Damit die Kräfte eben nicht nur "sinnlos walten", sondern in Zukunft sinnvoll zum Einsatz kommen, hat man sich in Münchens ganz der Ursachenforschung - wieso, weshalb, warum ist der Schaden entstanden -, und ganz der Prophylaxe verschrieben. Aus aktuellem Anlass.
Kein anderen Versicherer leistet sich eine Einrichtung wie die Allianz mit ihrem AZT, welches aufgeteilt in die Sparten Automotive der Allianz Deutschland und als Labor zur Untersuchung großer Industrieschäden dem Industrieversicherer AGCS angegliedert ist.
Hier im Gewerbegebiet Zorneding/München Ost geht man dem Schaden auf den Grund, hier landen die geborstenen Rohre, die gesprengten Motoren und Turbinen, Zeugen kleinerer Malheurs oder Relikte großer Unglücksfälle die manchmal auch in den Nachrichten berichtet werden.
Wie in jüngster Zeit z.B. auch beschädigte Getriebezahnkränze aus gigantischen Windkraftanlagen oder fehlgezündete Airbag-Kartuschen des inzwischen insolventen Autozulieferers Takata. Mehr als 20 Mio. Fahrzeuge waren damals von Rückrufaktionen betroffen.
Geborstene Gasgeneratoren hatten Autofahrer mit Schrapnellen verletzt. Und dass, obwohl die Generatoren alle geforderten Qualifizierungsprüfungen bestanden hatten. Als Ursache wurde die hohe Temperatur und Feuchtigkeit in bestimmten Klimazonen der Erde identifiziert, ein Produktionsfehler lag nicht vor. Stefan Loibl von der GWP Gesellschaft für Werkstoffprüfung mbH gab Einblicke in die Materie.
Wesentlich komplexer als es von außen scheint, ist auch der Betrieb immer größerer Windkraftanlagen. Die Experten des AZT untersuchen diese de facto seit Beginn der kommerziellen Nutzung in Deutschland. Schäden an Wälzlagern, Getrieben und Strukturkomponenten sind hier besonders häufig. Viele Ausfälle von mechanischen Komponenten ereignen sich nach fünf bis 12 Jahren, obwohl die Lebensdauer der gesamten Anlage 20 Jahre betragen soll.
Anfallende Kosten sind erheblich und drücken die Marge der staatlichen subventionierten Energieform. Zur Aufklärung von Ursache und Wirkung führt das AZT umfangreiche Analysen durch, dabei kommen Rasterelektronenmikroskope zum Einsatz und in Laboren werden chemische Analysen durchgeführt.
Ziel ist, moderne Technik zukunftsfest und überhaupt versicherbar zu machen, gleichzeitig dabei zu lernen und im Idealfall sogar das Produkt in der Herstellung zu verbessern und möglichen Schäden von Beginn an vorzubeugen.
Im Videointerview mit VWheuteTV gibt Johannes Stoiber, Geschäftsführer der Allianz Risk Consulting GmbH, anhand konkreter Beispiele Einblicke in 86 Jahre Materialprüfung und einen Ausblick auf die zu erwartenden Schäden der Zukunft.
(vwh/ak)
Bild: Zerstörtes Getriebezahnrad einer Windkraftturbine. (Quelle: Alexander Kaspar)
Allianz · AZT