Politik & Regulierung

"Alle Risiken müssen gesondert berücksichtigt werden"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Warum haben Finanzierungen von Autobahnen und Windrädern an Bedeutung gewonnen? Weil Versicherer und ihre Asset-Manager angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase nicht nur ihre Risiken breit diversifizieren, sondern dabei auch die Chancen aller relevanter Renditequellen an den Kapitalmärkten nutzen müssen. Ein Kommentar von Thomas Kabisch, Vorsitzender der Geschäftsführung, Meag.
Versicherer praktizieren ein striktes Asset-Liability-Management. Sie streben danach, die Cash-Flows der Kapitalanlagen mit ihren versicherungstypischen Zahlungsverpflichtungen zu harmonisieren. Infrastrukturinvestitionen stellen in diesem Geschäftsmodell eine geeignete Anlageklasse dar und bieten bei richtiger Auswahl langfristig berechenbare und stabile Rückzahlungen zur Bedeckung der Zahlungsverpflichtungen im Kerngeschäft der Versicherung. Die Überrenditen von Infrastrukturkrediten gegenüber korrespondierender Staatsanleihen bestimmen sich aus dem zugrundeliegenden Kreditrisiko sowie der inhärenten Illiquidität der einzelnen Projekte.
Bei einem Neuengagement müssen mit dem Investment verbundene Risiken sehr genau identifiziert, abgeschätzt und gewürdigt werden. Auch zur Durchdringung der Komplexität ist eine ausgeprägte Risikokompetenz notwendig. Hinsichtlich der Illiquidität müssen Investoren außerdem für sich exakt bestimmen, ob sie derartige Kapitalanlagen auch entsprechend langfristig halten wollen. Der Schlüssel, um erfolgreich in diese Assetklasse zu investieren, ist das Verständnis aller relevanter Risiken, besonders der infrastruktur- und vertragsspezifischen, die von Projekt zu Projekt variieren und bei jeder Investition gesondert berücksichtigt werden müssen. Es gilt die Devise: Investiere nur in Kapitalanlagen, die du wirklich verstehst.

Qualität vor Quantität

Die MEAG investiert seit vielen Jahren für Versicherungsgesellschaften in illiquide Investments, seit 2010 auch in erneuerbare Energien, 2012 auch in Infrastruktur. Es gilt der Grundsatz: Qualität vor Quantität. Investiert wird nur, wenn unsere anspruchsvollen Investitionskriterien als konservativer Vermögensmanager von Versicherungen auch erfüllt werden. Als anlageklassenübergreifender Vermögensmanager verfügt die MEAG über umfangreiches Spezialwissen, das in diesen Investmentprozess mit eingebracht werden kann. Erfahrungen aus anderen illiquiden Assetklassen, Eigenkapitalinvestitionen in Erneuerbare Energien und Infrastruktur sowie Private Equity, lassen sich genauso nutzen wie auch Expertise im Immobilienbereich etwa hinsichtlich der Standortbeurteilung oder der Bauqualität.
Branchen oder Sektoren können darüber hinaus durch Experten auf der Versicherungsseite analysiert werden. Erfahrung und Kompetenz im Portfoliomanagement ist notwendig, um eine Investition unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten zu beurteilen und diese unter Berücksichtigung aller Due Diligence Aspekte zu strukturieren. Eine unabhängige zweite Meinung (Second Opinion), die streng funktionsgetrennt erarbeitet wird, ist im Investmentprozess wichtig. Im Mittelpunkt stehen dabei die Einschätzung von Risiken, die Angemessenheit des geplanten Kaufpreises sowie ggf. resultierende Abschreibungsrisiken.
Für die zu prüfenden Investments werden alle bewertungsrelevanten Aspekte und Risiken entsprechend den jeweiligen Geschäftsplänen und Finanzmodellen beurteilt. Neben einem Basisszenario werden auch Risiko-Szenarien berechnet. Kompetenzen der Versicherung bilden für den Asset Manager einen wesentlichen Werttreiber. In einem sogenannten "interlocked business model" wird das vorhandene Wissen bei Versicherung und Asset-Manager je nach Projekt effizient geteilt und zielgerichtet gebündelt. Je nach Investitionsvorhaben werden unterschiedliche Experten hinzugezogen, die den Investmentprozess effizient, flexibel und interdisziplinär unterstützen. So wird die für ein erfolgreiches Investieren benötigte Kompetenz maßgeschneidert und in der für kompetitive Bieterprozesse erforderlichen Geschwindigkeit bereit gestellt.
Bild: Thomas Kabisch, Vorsitzender der Geschäftsführung, Meag (Quelle: Meag)
Meag · Thomas Kabisch
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