Politik & Regulierung

Jubiläum kurz vor dem Tod: Großbritanniens Gesundheitssytem wird 70

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Fast 40 Prozent der Mitarbeiter des nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) hatten laut einer Personalumfrage im vergangenen Jahr bei der Arbeit so viel Stress, dass sie davon selbst krank geworden sind. Die Arztpraxen und die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind in Großbritannien chronisch überfüllt. Heute feiert das NHS seinen 70. Geburtstag. Premierministerin Theresa May will nun die Steuern erhöhen, um mit einer Finanzspritze das Gesundheitssystem irgendwie am Leben zu halten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlief Großbritannien eine Periode sozialistischer Errungenschaften. Bei gleichzeitigem Abbau des Empire (Indien/Pakistan wurden 1948 in die Unabhängigkeit und einen Bürgerkrieg entlassen, der Suezkanal entglitt den Briten im Zuge der 1956er Krise, Malaya folgte 1957) galt es in ideologischer Verbohrtheit die Schwerindustrie und Eisenbahnen zu verstaatlichen, die Einkommenssteuerprogression auf über 90 Prozent zu schrauben, vermittels einer bis 85-prozentigen betragenden Erbschaftssteuer die großen Vermögen faktisch zu enteignen  und das Gesundheitssystem zu verstaatlichen.
70 Jahre später feierte die dem National Health Service (NHS) trotz all seiner Ineffizienz und dem Verschlingen von 127 Mrd. Pfund. (ca 10 Prozent des BSP, bei 3,4 Prozent jährlicher Wachstumsrate) an staatlichen Ressourcen die 70. Jährung der sozialistischen Segnung. Bei den vielen tea parties wurden die immer länger werdenden Wartezeiten für Operationen und sonstige Behandlungen ignoriert.
Diese Einstellung ist ein Indiz dafür, dass in Großbritannien im Fall eines Wahlsiegs des Radikalsozialisten Jeremy Corby eine erneute sozialistische Ära beginnen könnte, diesmal vielleicht auch mit einigen romantisch-venezuelanisch-kubanischen Einflüssen. In wirtschaftlicher Hinsicht würde dies den ohnehin zu erwartenden Brexit-Dämpfer noch verschlimmern.
Im Rahmen einer offiziellen Vote Leave-Kampagne vor zwei Jahren tourte ein Bus durch das Land mit der Aufschrift: "Wir schicken der EU jede Woche 350 Millionen Pfund. Lasst uns stattdessen unseren NHS finanzieren". Nach dem Leave-Votum der Briten im Juni 2016 distanzierten sich selbst führende Brexit-Unterstützer von der 350-Millionen-Pfund-Behauptung. Kritiker warfen den Anführern der Vote Leave-Kampagne vor, die höhere Zahl bewusst irreführend eingesetzt zu haben. (cpt)
Bildquelle: Tim Reckmann / PIXELIO / www.pixelio.de
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