Politik & Regulierung

Mann betrügt Versicherer mit absurden Rechnungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein offenbar verschuldeter Mann betrügt seine (private) Krankenversicherung. So weit, so bekannt, so tragisch. Doch dieser Herr hatte eine besondere Methode entwickelt, mit der er immerhin neun Jahre lang seinen privaten Krankenversicherer erfolgreich an der Nase herumführen konnte. Dennoch gilt: Nicht für die Nachahmung empfohlen.
Beginnend im Jahr 2006 erfand der Mann Erkrankungen, fälschte Arztrechnungen und reichte die bis zum Dezember 2015 bei seiner Krankenversicherung ein. Die stolze Summe von 55.638 Euro wurde so ergaunert. Die Sache fiel erst dann auf, als die Krankenversicherung feststellte, dass der ausstellende Arzt bereits verstorben war.
Zudem ähnelten sich die Erkrankungen auffällig oft, der Geisterarzt entfernte in regelmäßigen Zeiträumen, alle zwei Wochen, 25 Mal im Jahr, eitrige Karbunkel. Zu den Eingriffen gehörende Arzt- oder Laborberichte existierten nicht, wodurch es noch bizarrer erscheint, dass der Angeklagte bis zuletzt bestritt, die Arztrechnungen, die vor dem Tod des Arztes entstanden, tatsächlich gefälscht zu haben. Die gefälschten Post-Mortem-Rechnungen räumte er ein.
Der 52-Jährige Fälscher wurde angezeigt und schließlich in diesem Jahr wegen gewerbsmäßigen, schweren Betruges und Urkundenfälschung zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das ergaunerte Geld muss er natürlich zurückzahlen. Hier könnte die Geschichte enden, aber es wäre schade.
Vor dem Langericht Bonn erklärte der Angeklagte nämlich, dass der behandelnde Arzt seine Praxis im Jahr 2012 schloss und in ein anderes Bundesland umzog, jedoch regelmäßig nach Bonn kam, um die Geschwüre im Haus des vermeintlichen Patienten zu entfernen. Ebenso hätte der Arzt einen Container besessen, der alle Hygienevorschriften erfüllte, und in dem er den Arzt bei seinen Besuchen für die Eingriffe aufsuchte. Überraschenderweise hatte das Gericht so seine Zweifel an dieser Geschichte.
Zweifel sind auch an der Leistungsbearbeitung des Versicherers angebracht, denn der fiel neun Jahre lang nicht auf, dass die Befunde keinen Sinn ergeben (Az.: 9 O 66/17). (vwh/mv)
Bild: Justitia (Quelle: www.pixelio.de / PIXELIO)
PKV · Betrug · Recht
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