Politik & Regulierung

Altersarmut nimmt bis 2030 zu, aber lässt sich steuern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Über eine massive Zunahme von Altersarmut in Deutschland wird viel spekuliert. In manchem Bericht wird bei der Grundsicherung gleich ein Tsunami erwartet. Die Deutsche Rentenversicherung Bund hat jetzt einmal untersuchen lassen, wie die Entwicklung der Altersarmut bis zum Jahr 2030 sein könnte. Ja, mehr alte Menschen werden auf Grundsicherung angewiesen sein.
Im Vergleich zum Problem der Kinderarmut kann aber fast Entwarnung gegeben werden, wie es auf einem Pressefachseminar der Rentenversicherung in Berlin hieß. Der Wirtschaftsforscher Bruno Kaltenborn stellte dabei seine im Auftrag der Rentenversicherung aus den bereits vorliegenden Daten abgeleiteten Projektionen bis 2030 vort Die Grundsicherung im Alter war im Jahr 2003 eingeführt worden. Damals bezogen 1,7 Prozent oder 258.000 Personen Grundsicherung im Alter, wobei es Anfangs wohl noch eine größere Dunkelziffer gegeben habe, erläuterte Kaltenborn.
Ende 2016 lag die Quote mit 3,1 Prozent um 1,4 Prozentpunkte höher. Betroffen waren 526.000 ältere Menschen. Für seine Projektionen unterstellte Kaltenborn zwei Entwicklungswahrscheinlichkeiten. In der Variante "Anstieg" wird eine Zunahme der Hilfequote um 0,26 Prozentpunkte bei Männern und von 0,18 Prozentpunkte von Frauen je Geburtsjahrgang unterstellt. Nach der Variante "Konstanz" haben alle Geburtsjahrgänge die gleiche Hilfequote (Männer 4,77 Prozent, Frauen 4,62 Prozent) wie der jüngste Geburtsjahrgang 1950 mit Rentenzugang Ende 2016.
Hochgerechnet würde dies bedeuten, dass sich Zahl der Grundsicherungsempfänger von rund 526.000 Im Jahr 2016 bis 2030 in der Variante Anstieg auf gut 1.050.000 und in der Variante Konstanz auf 834.000 erhöhen könnte. In Prozent ausgedrückt würde in der ungünstigen Variante die Grundsicherungsquote bei Männern bis 2030 auf 5,9 (von 2,9 Prozent in 2016) und bei Frauen auf 5,2 (3,2) Prozent steigen. Im günstigeren Fall würde die Quote bei Männern auf 4,4 (2,9) Prozent und bei Frauen auf 4,3 (3,2) Prozent ansteigen.

Die Politik kann in die wachsende Altersarmut steuernd eingreifen

Für Kaltenborn wäre der Anstieg in der Altersarmut nicht wirklich dramatisch. Man müsse sehen, dass die Hilfequote für erwerbsfähige Personen im Jahr 2017 bereits bei 8,0 Prozent gelegen habe. Bei Kindern unter 15 Jahren lag diese Quote sogar bei 14,9 Prozent. Hinzu komme, dass die Politik immer neue Rentenpakete schnüre. Insbesondere bei der Erwerbsminderungsrente könnte es mit weiteren Verbesserungen beim Neuzugang zu Entlastungen bei der Grundsicherung kommen. Auch die geplante Grundrente für langjährig Versicherte könnte ebenso helfen wie eine weitere Verbesserung bei der Mütterrente. (brs)
Bild: Bruno Kaltenborn (Quelle: brs)
Altersarmut · Rentenversicherung
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