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Ist die Branche fit für mobiles Payment?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
GooglePay ist in Deutschland angekommen. Das ist folgerichtig, denn sogar die bargeldliebenden Deutschen greifen verstärkt zu mobilen Bezahlsystemen, allerdings zögerlich. Doch in der Versicherungsbranche scheint dieser Umstand noch nicht angekommen zu sein. Verschlafen die Versicherer den Trend des mobilen Bezahlens, ein Unternehmen liegt weit vorne.
Die mobilen Bezahlsysteme sind in Ländern wie China (Alipay) oder in Afrika (M-Pesa/Kenia) so normal wie ein Regenschirm in London. Wer einen sichtbaren Beweis haben möchte, dass das Begleichen von Rechnungen über Internetdienste immer stärker wächst, der kann sich die Zahlen von Paypal ansehen.
In Deutschland ist es nach wie vor so, dass rund75 Prozent aller Einkäufe mit Scheinen und Münzen bezahlt werden. Dabei ist Bargeld in der Her- und Bereitstellung sehr teuer. Den Bargeldtrend will Google mit seinem bargeldlosen Bezahlsystem brechen – und natürlich Geld verdienen.
Zur Nutzung des neuen Dienstes benötigt man die Kreditkarte einer teilnehmenden Bank und ein Smartphone mit Android-Software. Die dazugehörige App muss installiert und die Kartendaten hinterlegt werden. Das Handy wird beim Bezahlvorgang dann einfach an das Bezahlterminal des Händlers gehalten, für Beträge bis 25 Euro reicht es, das Handy zu aktivieren, ab einem höheren Betrag muss es entsperrt werden. Wie so oft scheint das Unternehmen einen Trend erkannt zu haben, denn junge Menschen vertrauen den mobilen Diensten und ihrem Smartphone.
Die Banken haben die Nase vorn
Das System ist brandneu, doch vier Banken nutzen es bereits – unter andrem die Commerzbank. Verschiedene Händler wie Aldi, Lidl und Hornbach akzeptieren die mobile Zahlweise. Mit dem Angebot des Zahlungsdienstleisters Wirecard können auch Nutzer den Dienst anwenden, deren Banken nicht direkt mit Google Pay kooperiert. Das sind gesamtwirtschaftlich betrachtet die sprichwörtlichen Peanuts, doch die Bankenlandschaft ist aufgeschreckt. Sparkassen und Volksbanken folgen zum 30. Juli mit einer eigenen Lösung, die der von Google ähnelt, allerdings auch mit der Giro- statt der Kreditkarte funktioniert.
Und die Versicherungsbranche?
Es ist wie früher in der Schule, es gibt immer den einen, der bereits vorgearbeitet hat und dem Rest der Klasse zwei Schritte voraus ist. In diesem Fall ist das die Deutsche Familienversicherung. Deren Chef und Gründer Stefan M. Knoll erklärt, dass sein Haus den Kunden die Zahlungsabwicklung per Amazon-Log-In, Amazon Pay und Paypal anbietet. "Die Deutsche Familienversicherung ist das erste Versicherungsunternehmen der Welt, welches die Bezahlung über Amazon-Log-In und AmazonPay anbietet."
Angesprochen auf den neuen Dienst erklärt er: "In den kommenden Wochen wird die Deutsche Familienversicherung ebenfalls GooglePay einführen. ApplePay wird für uns dann ein Thema, sobald Apple in den deutschen Markt eintritt."
Die Frankfurter wollen dranbleiben und den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, denn moderne Bezahlsysteme "entsprechen den Bedürfnissen der Kunden". Heutzutage wäre es normal "überall im Web mit Paypal und Co." zu zahlen, "warum soll das nicht auch für Versicherungen gelten", fragt Knoll.
Eine gute Frage, die VWheute direkt an weitere Insurtechs weitergereicht hat. Friendsurance schreibt: "Bei uns können Kunden entweder per Lastschrift oder per Kreditkartenzahlung bezahlen. Das System sei etabliert, sodass "derzeit keine Umstellung auf andere Bezahlsysteme geplant" sei. Es bleibe abzuwarten, "was sich langfristig bewähren" wird. Auch der digitale Krankenversicherer Ottonova setzt auf den bewährten Bankeinzug.
Wefox äußert sich nicht direkt dazu, welche Bezahlsysteme angewandt werden und schreibt: "Junge Kunden nutzen immer öfter moderne Bezahlmethoden. Diese werden sich in den nächsten Jahren noch stärker etablieren. Der Vorteil für uns ist, dass die neuen Bezahlsysteme zur Identifikation und zum Bankeinzug genutzt werden können."
Einige Versicherer nutzen das mobile Bezahlen bereits partiell. Die Axa beispielsweise ermöglicht das Bezahlen der Haftpflicht mit Paypal. Die Allianz hat gemeinsam mit Visa eine App für mobiles Bezahlen entwickelt und bietet bei Fehlern direkt die Haftung über eine Versicherung an. Ein Pionier in diesem Feld war die Arag: "Im Bereich alternative Bezahlsysteme in der Versicherungswirtschaft hat die Arag bereits vor gut zwei Jahren maßgebliche Impulse gesetzt. Seit August 2016 können unsere Kunden, die online eine Rechtsschutzversicherung abschließen, ihre monatlich oder jährlich wiederkehrenden Beiträge über PayPal sowie MasterCard oder Visa bezahlen. Als Wegbereiter werden wir dieses Angebot in näherer Zukunft gezielt weiter ausbauen“, erläutert Christian Danner, Pressesprecher des Unternehmens.
Das Vertrauen der Nutzer durch fehlerloses und frühes Bereitstellen der Bezahldienste zu nutzen, ist clever, denn die Deutschen misstrauen der Sicherheit des mobilen Bezahlens:
Das Anbieter wie Google oder Apple etablierten Größen wie Paypal zur Seite springen, könnte dazu führen, dass die Deutschen die Angst vor mangelnder Sicherheit verlieren, auch Punkt zwei und drei der Statistik, keine bekannten Anbieter, kein Markstandard, dürften bald obsolet werden.
Wenn mehr Menschen mobile Dienste nutzen, werden die Händler nachziehen. Die Versicherungsbranche wäre gut beraten, sich der Thematik anzunehmen, um nicht zu den Branchen zu gehören, die wie die sprichwörtliche alte Fasnacht nachziehen müssen. Denn aktuell gleicht das mobile Bezahlen in der Branche noch einem Flickenteppich. (vwh/mv)
Bildquelle: Google Pay
Grafiken: Statista
Google · DFV Deutsche Familienversicherung AG · mobiles Bezahlen · Paypal
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