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GDV: Leistungsversprechen rangiert vor Nachhaltigkeit

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Der GDV begrüßt den neuen Aktionsplan der EU-Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums - allerdings mit Einschränkungen. GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener beschreibt den zehn Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog mit der saloppen Formulierung "The good, the bad and the ugly". Wie der GDV zu den einzelnen Aspekten der EU-Initiative steht, erläuterte Wiener zusammen mit Tim Ockenga, Leiter Kapitalanlagen.
Die Bemühungen um eine stärkere Ausrichtung der globalen Wirtschaft an Aspekten der Nachhaltigkeit finden grundsätzlich die Unterstützung der Branche, betonte Wiener. Für die Versicherungen sei das Thema allein schon aus ökonomischen Gründen von Bedeutung, da es um den langfristigen Erfolg von Kapitalanlagen gehen müsse. Zusätzlich sehe man eine gesellschaftliche Verantwortung, z. B. mit Blick auf den Klimawandel. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit seien darüber hinaus ein wichtiger Teil des Reputationsmanagements. Und da würden die ESG-Faktoren (Environment, Social, Governance) eine zentrale Rolle spielen. Wiener bei einem Presseworkshop in Frankfurt am Main: "Wir befürworten hier einen ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur das 'E' betont."
Positiv beurteilt der GDV vor allem die laut EU-Plan vorgesehene Einführung eines Klassifizierungssystems für nachhaltige Kapitalanlagen (Taxonomie) sowie neuer Standards für Green Bonds. Dies könne bei Investoren und Verbrauchern zu mehr Klarheit und Transparenz führen. Von einer allzu großen staatlichen Regulierung, etwa die Berücksichtigung des Themas in aufsichtsrechtliche Anforderungen, hält man auf Seiten des Verbandes allerdings nichts: Solvency II müsse ein risikobasiertes Aufsichtssystem bleiben, lautet die Forderung.
Der GDV setzt entgegen einiger als "ugly" bezeichneter Vorschläge des EU-Plans auf eine freiwillige Verbreitung von Nachhaltigkeitskonzepten. "Nur wenn nachhaltige Investitionen ein attraktives Rendite-Risiko-Profil aufweisen, wird sich die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Kapitalanlage durchsetzen", so Ockenga. Marktlösungen seien effizienter als starre gesetzliche Vorgaben.
Die Gretchenfrage, wo denn die ethischen Grenzen der Versicherungswirtschaft bei der Kapitalanlage liegen, ist nach Auffassung des GDV nur schwer zu beantworten. Nur selten sei die negative Beurteilung durch die Branche eindeutig, wie z. B. bei Unternehmen, die Streumunition oder Personenminen herstellen. Es gäbe eine sehr große Grauzone, in der persönliche oder politische Einordnungen von Geschäftsfeldern von Mensch zu Mensch oder von Land zu Land sehr unterschiedlich seien. "Eine Empfehlung für oder gegen bestimmte Kapitalanlagen darf der Verband schon aus kartellrechtlichen Gründen gar nicht geben", stellte Ockenga klar. Was nicht heiße, dass sich der GDV nicht zu einzelnen ESG-Fragen positioniere.
Ein generelles Problem aus Sicht des GDV ist allerdings die objektive Bewertung von Kapitalanlagen hinsichtlich ihrer tatsächliche Nachhaltigkeit. So habe es in der Vergangenheit bereits als nachhaltig geltende Kapitalanlagen gegeben, die auf Dauer die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Um dies mit Gewissheit sagen zu können, bedarf es eines längeren Zeitraumes der Beobachtung und Analyse. Einige Jahre dürfte es ebenfalls dauern, bis die Beratungen über den EU-Aktionsplan abgeschlossen sind und dieser in Gesetzesvorhaben gegossen wird. "Das Thema wird uns noch viele Jahre begleiten", prognostizierte Wiener. (mvb)
Bild: Tim Ockenga (links), Klaus Wiener (rechts) (Quelle: mvb)
GDV · Nachhaltigkeit · Klaus Wiener · Tim Ockenga
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