Schlaglicht

34 Lebensversicherern drohen finanzielle Probleme, GDV wiegelt ab

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Niedrige Zinsen gefährden das Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundesfinanzministeriums an den Finanzausschuss des Bundestags, der VWheute vorliegt. 34 von 84 Lebensversicherern drohen"mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten", sie stehen unter "intensivierter Aufsicht" der Finanzaufsicht. Laut GDV indes bestehe keinerlei Anlass, um an der Stabilität der Branche zu zweifeln.
Die Namen der betroffenen Unternehmen will die Bundesregierung jedoch weiterhin geheim halten. Ein Problem sind dabei laut Bericht die hohen Verwaltungskosten der betroffenen Versicherer. So schlagen wohl allein im letzten Jahr die Vergütungen für Versicherungsvermittler mit rund 4,7 Mrd. Euro zu Buche - einem Rückgang von fünf Prozent seit 2013. "Trotz erster Erfolge bei der Senkung der Abschluss- und Vertriebskosten sind weitere Anstrengungen der Lebensversicherer erforderlich, die Kosten zu senken", heißt es im Bericht. Wenig verwunderlich, dass Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick entsprechend deutlich in seiner Kritik ist. "Die Überschüsse für die Versicherten schrumpfen merklich. Die Kosten und Gewinne der Versicherungsbranche dagegen sinken kaum. Da passt etwas nicht!", wird er in der Bild-Zeitung zitiert.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) sieht dennoch keinen Anlass zur Besorgnis. "Aus Sicht des GDV besteht keinerlei Anlass, an der Stabilität der Branche zu zweifeln. Die niedrigen Zinsen sind und bleiben eine große Herausforderung für die Versicherer. Alle Lebensversicherer können die gesetzlichen Vorgaben von Solvency II erfüllen. Die Unternehmen konnten ihre Bedeckungsquoten im Vergleich im letzten Jahr sogar noch mal verbessern. Die durchschnittliche Bedeckungsquote in der Branche lag 2016 bei 207 Prozent und 2017 bei 267 Prozent. In der aktuellen Niedrigzinsphase ist es Aufgabe der Bafin genau hinzuschauen. Wir haben jedoch keine Kenntnis, nach welchen Kriterien die Bafin eine intensivierte Aufsicht durchführt", betont ein Sprecher.

Handlungsbedarf beim Provisionsdeckel

Handlungsbedarf sieht der Finanzausschuss im Deutschen Bundestag allerdings bei einem Provisionsdeckel beim Vertrieb von Lebensversicherungen, wobei über eine Obergrenze nichts gesagt wird. Die Zinszusatzreserve soll langsamer aufgebaut werden. Das Bundesfinanzministerium hat dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestags seine Bewertung der Wirkungsweise des im August 2014 verabschiedeten Gesetzes zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte (Lebensversicherungsreformgesetz – LVRG) zukommen lassen, mit der sich der Ausschuss gestern erstmals befassen konnte. Insgesamt bescheinigt das Ministerium dem in die Niedrigzinsphase zum Schutz der Versicherten verabschiedeten LVRG die gewünschte Wirkungsweise weitgehend erreicht zu haben.
"Die Maßnahmen des LVRG haben sich überwiegend bewährt, um das System der Lebensversicherung langfristig auf eine stabile Grundlage zu stellen und für die Versicherten die Transparenz zu erhöhen", heißt es in der Vorlage, die VWheute vorliegt. Dabei wird auch festgehalten, dass die Lebensversicherer die in ihren Produkten einkalkulierten Kosten deutlich gesenkt hätten. "Die tatsächlich entstandenen Abschlusskosten sind allerdings nur um rund fünf Prozent zurückgegangen." Die Evaluierung geht daneben auf die dringend von der Versicherungswirtschaft gewünschte Lockerung bei der Zinszusatzreserve und die Beobachtung des externen Run-offs ein.
Insgesamt äußert sich das Finanzministerium zufrieden mit der Wirkung des LVRG: "Die Evaluierung zeigt, dass die Lebensversicherer für die Risiken, die mit langfristigen Garantien verbunden sind, gut sensibilisiert sind und diese Risiken für ihre Geschäftstätigkeit berücksichtigen." Die Maßnahmen des LVRG hätten die gewünschte Wirkung erzielt.

Abschlusskosten sollen weiter sinken

Kritisch sieht das Ministerium die Entwicklung der Abschlusskosten, die nicht wie 2014 erhofft in ausreichendem Maß gesunken seien. So hätten sich etwa die Verwaltungskosten "geringfügig" erhöht. Allerdings machten die Vergütungen für Vermittler über zwei Drittel der Abschluss- und Vertriebskosten aus.
Im Jahr 2013 hätten die gezahlten Vergütungen (einschließlich anderer Bezüge) rund 5,4 Mrd. Euro betragen. Im Jahr 2017 seien es noch 4,7 Mrd. Euro gewesen. Dabei müsse man aber sehen, dass 2017 weniger Verträge als 2013 abgeschlossen worden seien. Tatsächlich seien die Vergütungen nur um gut fünf Prozent gesunken. Bei den Provisionen rechne sich ein Kostenrückgang um 12,9 Prozent, hält das Ministerium fest.
Die Absenkung der Vertriebskosten sei allerdings recht unterschiedlich ausgefallen. Bei den Ausschließlichkeitsvermittlern seien die Abschlusskosten um 2,89 Prozent gesunken. Bei den Maklern und Mehrfachvermittlern seien die Vergütungen deutlich stärker um 7,21 Prozent gesunken. "Trotz erster Erfolge bei der Senkung der Abschluss- und Vertriebskosten sind weitere Anstrengungen der Lebensversicherer erforderlich, die Kosten zu senken“, hält der Evaluierungsbericht fest.

Zinszusatzreserve soll langsamer steigen

Mit der Einführung der Zinszusatzreserve (ZZR) sollte sichergestellt werden, dass die Lebensversicherer ihre einmal versprochenen Garantieren auch erfüllen können. Ende 2017 hatte sich knapp 60 Milliarden Euro an Rückstellungen aufgetürmt. Das Ministerium plädiert zwar dafür, die Zinszusatzreserve weiter aufzubauen, aber in langsameren Tempo. "Die Zinszusatzreserve muss weiter aufgebaut werden, dies kann aber in kleineren Schritten erfolgen", heißt es in dem Papier.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) habe eine Berechnungsmethode für die ZZR zur Verfügung gestellt, erklärte das Ministerium ohne aber ins Detail zu gehen. Zu den Diskussionen über den eigentlich problemlosen Verkauf von Lebensversicherungsbeständen heißt es in der Evaluierung: "Das Thema Run-off sollte gleichwohl weiter intensiv beobachtet werden." (brs)
Bildquelle: Fotolia
Lebensversicherung · Bundesfinanzministerium
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