Märkte & Vertrieb

Heise: Völlig irrationale Übertreibungen gibt es immer wieder

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Überbewertungen auf breiter Front gibt es nach Einschätzung von Michael Heise noch keine. "Je nach Marktsegment steht die 'Finanzmarkt-Uhr' eher zwischen sieben und elf Uhr. Wir haben zwar noch viel Zuversicht und Optimismus im Markt, aber nicht die Euphorie und den Überschwang, der normalerweise einem Höhepunkt und dann dem Abbruch vorangeht. Diesen so genannten Minsky-Moment sehe ich noch nicht", sagte der Allianz-Chefvolkswirt.
Gleichwohl gebe es immer wieder "völlig irrationale Übertreibungen" wie etwa zuletzt um Bitcoins oder auch um Blockchain-Technologie. Heise erwartet, dass die US-Notenbank 2018 und 2019 jeweils zwei Zinsschritte vornimmt und sich das Niveau der Federal Funds Rate auf 2,9 Prozent und die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf 3,8 Prozent steigen wird. Dies könne zu Volatilitäten führen, auf die sich die Anleger einstellen müssten.
Während Heise in Europa nicht mit wesentlichen Zinsveränderungen am kurzen Ende rechnet, gibt er sich für die zehnjährigen Staatsanleihen etwas optimistischer als der Marktdurchschnitt und erwartet bis Ende 2019 ein Niveau von 1,5 Prozent. "Für Versicherer und Anleger wird es damit leicht besser, aber das heißt nicht, dass wir aus der Niedrigzinsphase generell aussteigen." Da er für 2018 und 2019 mit jeweils einer Inflationsrate von 1,7 Prozent rechnet, bliebe die Verzinsung real leicht negativ. Und: "Sollte sich die Konjunktur abschwächen, dürften die Zinsen auch wieder nach unten gehen", so Heise auf der 5. Finpro in Bergisch Gladbach. "Wir stellen uns weiterhin strategisch auf niedrige Zinsen ein."
Das "Toprisiko" für die Weltkonjunktur sei der Protektionismus – ein möglicher Handelskrieg mit den USA. Heise ist aber optimistisch, dass der US-Präsident Donald Trump hier noch einlenkt und seine Zollanhebungen rückgängig macht. Schließlich beträfen höhere Zölle auf Aluminium und Stahl die eigenen Produktionsketten und verteuerten auch die eigenen Produkte. Es habe kein besseres Signal geben können, als das des US-Motorradbauers Harley-Davidson. Dieser will als Konsequenz aus dem Handelsstreit Teile seiner US-Produktion ins Ausland verlagern. (lie)
Bild: Michael Heise (Quelle: lie)
Michael Heise · Finpro
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