Schlaglicht

Allianz bietet Shitstormschutz

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sich als deutscher Nationalspieler kurz vor der WM mit Recep Erdoğan fotografieren lassen, heutzutage eine Backmischung mit "Back deinen Mann glücklich" betiteln oder die Nachricht, dass der eigene CEO wegen des Vorwurfes der Abgasmanipulation ins Gefängnis muss; alle diese Ereignisse sorgen für ein lawinenartiges Auftreten negativer Kritik, den Shitstorm. Die Allianz bietet dagegen jetzt Schutz.
Früher berichteten Zeitungen, Radio und später das Fernsehen über Unternehmen und deren Fehler. Das ist seit dem Siegeszug des Internets und des Smartphones passé. Heute ist praktische jeder ein Redakteur und kann Fakten, oder was er dafür hält, verbreiten und damit viele Menschen erreichen. Das Tempo, in dem sich Meldungen verbreiten, ist atemberaubend: 69 Prozent aller Krisen verbreiten sich innerhalb von 24 Stunden international und erreichen durchschnittlich elf Länder, ergab eine Studie der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Das hat auch finanzielle Konsequenzen, denn Reputation macht zwischen 20 und 60 Prozent des Unternehmenswertes aus, wie Studien belegen.
Image und Gewinn hängen zusammen, das kann jedes Unternehmen bestätigen, das einmal einen Sturm negativer Berichterstattung über sich ergehen lassen musste. Sinkt das Ansehen, dann meist auch der Gewinn und in der Folge der Börsenkurs. Ein gutes Krisenmanagement kann das Schlimmste verhindern, aber eben nicht ungeschehen machen, hier setzt der Schutz "Allianz Reputation Protect" von AGCS an.
Krisenmanagement statt Paralyse
Nach einer Erhebung von Oxford Metrica stieg der Aktienkurs nach einem Mediengau bei gutem Krisenmanagement im Folgejahr auf rund zehn Prozent über den Vorkrisenwert. Bei schlechter Handhabung fiel der Aktienkurs dauerhaft um mehr als 15 Prozent.
Kein gutes Krisenmanagement ist es beispielsweise, wenn Dr. Oetker den oben zitierten Backmischung-Fauxpas mit Ironie zu entschuldigen sucht. Besser ist eine persönliche Entschuldigung, wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor dem US-Senat, nachdem sein Unternehmen wegen Datenschutzrechtverstößen am medialen Pranger stand. Er kam relativ unbeschadet aus der Angelegenheit heraus, gutes Krisenmanagement zahlt sich eben aus.
AGCS weiß das und bietet bei ihrem Schutz nicht nur Ersatz für den durch den Reputationsverlust erlittenen Schaden, sondern erstellt im Vorhinein einen Krisenplan, an den sich das Unternehmen im Fall der Fälle halten kann, denn oft zählt jede Sekunde. Ist eine gewisse Anzahl von Rezipienten und Multiplikatoren überschritten, lässt sich ein Schaden allenfalls noch begrenzen.
Das Vorgehen orientiert sich an der Cyberversicherung, bei der auch vorab Maßnahmen für verschiedene Szenarien vorbereitet werden, die bei Schadeneintritt nur noch abgespult werden müssen. Ein finanzieller Verlust ist allerdings selten ganz abzuwenden.
Diesen zu beziffern ist nicht leicht, allerdings notwendig. Ein AGCS-Sprecher erklärt auf Anfrage, das nur der Schaden beglichen wird, der "nachweislich durch den Imageverlust" verursacht wurde, die maximale Deckungssumme betrage zehn Mio. Euro und das Angebot richte sich an mittlere Unternehmen.
Mehr als eine Ursache
Was erst einmal einfach klingt, dürfte in der Realität schwer umzusetzen sein, denn was geschieht beispielsweise, wenn ein Shitstorm mit einer Unterbrechung der Produktion aufgrund von Lieferproblemen einhergeht, die mit dem Imagefauxpas nicht in Verbindung steht. Der finanzielle Schaden ist messbar, aber welchen Anteil hat daran der Ansehensverlust – keine einfache Frage. Experten sind sich einig, dass es fast unmöglich sei, eine Schwankung des Aktienkurses auf ein singuläres Ereignis zurückzuführen, das selbe dürfte auch für einen Rückgang beim Absatz gelten.
Im Fall der Fälle droht nach einem negativen Medienecho ein gerichtlicher Streit um die Schadenhöhe, der von den Medien als Anlass genommen werden dürfte, den Schaden erneut medial aufzugreifen. Eine für Unternehmen nicht einfache und sicher nicht gewünschte Situation.
Bei Vorsatz keine Haftung!
Einfacher ist da schon die Frage, was genau versichert ist und wer festlegt, wann ein Reputationsschaden vorliegt. Das geschädigte Unternehmen selbst bestimmt das, ausgeschlossen sind lediglich vorsätzlich herbeigeführte Schäden, wie der AGCS-Sprecher bestätigt.
Im Fall von Audi-Chef Rupert Stadler wäre es also von entscheidender Bedeutung, ob der Schaden vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführt wurde. Nur in zweitem Fall bestünde Deckung – allerdings wären zehn Mio. Euro in diesem Fall nicht einmal Krümel von Peanuts.
Den Audi-Fall einmal außen vor gelassen, beim Schutz gegen negatives Medien- und Social-Media-Echo ist es unerheblich, ob die dem Mediensturm zugrunde liegende Nachricht tatsächlich oder nur gefühlt ein Fehlverhalten darstellt. Oft genügt bereits eine zweideutige Formulierung in einem Twitter-Post, damit "Anti-Diskriminierungs-Aktivisten den Alarmknopf" drücken, wie es Spon-Redakteur Jan Fleischhauer einmal böse aber zutreffend auf den Punkt brachte.
Die Möglichkeiten für schlechtes Image zu sorgen sind vielfältig, gerade für Unternehmen, die viel in den sozialen Netzwerken arbeiten und sehr häufig Kundenkontakt haben. Daher passt der Schutz gut in die Zeit.
Die Idee ist übrigens nicht neu, amerikanische Versicherer bieten ihn bereits seit Jahren und auch die Munich Re ist bereits seit dem Jahr 2012 in diesem Feld unterwegs. Ob die AGCS mit ihrem "Allianz Reputation Protect" Erfolg haben wird, muss sich erst noch zeigen. (vwh/mv)
Bild: Lawine (Quelle: R. B. / www.pixelio.de / PIXELIO)
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