Schlaglicht

Gab es Mauscheleien und Mobbing bei der Allianz?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Allianz gehört bekanntlich zu den Versicherungskonzernen, welche recht häufig einen medialen Widerhall erfahren. Jüngst geht es dabei vor allem um neue Kooperationen und Übernahmen. Was allerdings nun die FAZ berichtet, dürfte dem Konzern wohl nicht gefallen - geht es dabei doch um den Vorwurf von Mauscheleien und Mobbing bis in die Vorstandsebene.
Die Vorwürfe haben es jedenfalls in sich: Laut Medienbericht wirft ein Außendienstangestellter der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG vor, "Missstände" zu vertuschen. Außerdem geht es um schwere Mobbingvorwürfe gegen einen vorgesetzten Geschäftsstellenleiter in Süddeutschland. Der Vorwurf laut Klageschrift, welche der FAZ vorliegt: Seit Anfang 2016 soll die Führungskraft den Mitarbeiter auf höchster Ebene benachteiligt, sabotiert, ausgegrenzt und beleidigt haben. Zudem soll er diesem Zwischenzeugnisse und Entwicklungsgespräche verweigert haben.
Doch dies ist bei weitem nicht alles. Demnach soll der betroffene Angestellte durch falsche Abrechnungen, intransparente Nachforderungen sowie konstruierte Verfehlungen in seinen Reisekostenabrechnungen schikaniert worden sein. Komplettiert wurde dies durch übermäßig viele Arbeitsaufträge nach einer Krankmeldung. Weiterhin moniert der betroffene Mitarbeiter, dass ihm Provisionen aus Alt- und Neuverträge entgangen worden seien. Und dies trotz des angeblichen Umstandes, in den Jahren 2014 und 2015 gute Ergebnisse erzielt zu haben. Kurzum: Der zuständige Geschäftsstellenleiter soll die Karriere des Außendienstmitarbeiters "zerstört" haben, so der drastische Vorwurf.
Jedenfalls will der Außendienstmitarbeiter, welcher seit Oktober 2017 krank geschrieben ist, über die vermeintlichen Missstände berichtet haben. Die Antwort des zuständigen Vertriebsvorstandes Jürgen Heinle: Man wolle den betroffenen Geschäftsstellenleiter wegen der "schwerwiegenden Vorwürfe" um Auskunft bitten. Passiert ist seitdem laut Bericht wohl aber nichts mehr. Sicher scheint nur: Im Juli wird die Angelegenheit vor dem Arbeitsgericht Würzburg verhandelt.
Auf Anfrage von VWheute bestätigte eine Unternehmenssprecherin, dass ein Mitarbeiter "unserer Gesellschaft im Außendienst hat zu verschiedenen Themen Klage gegen die Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV) eingereicht" hat. "Die darin erhobenen Vorwürfe gegen die ABV, die Klagepunkte und die geltend gemachten Ansprüche sind unbegründet. Wir nehmen es sehr ernst, wenn wir auf Unstimmigkeiten oder eventuelle Fehler in unseren Abläufen aufmerksam gemacht werden. Dafür haben wir bewährte Mechanismen und interne Prüfprozesse. Die Vorwürfe unseres Angestellten zu angeblichen Unregelmäßigkeiten wurden geprüft und aufgeklärt. Die Darstellung unseres Angestellten hatte sich dabei nicht bestätigt", heißt es in einer Stellungnahme. "Zu den Klagepunkten, die das Arbeitsverhältnis betreffen, können wir uns wegen des laufenden Klageverfahrens und aus Datenschutzgründen leider nicht im Detail äußern", betonte die Sprecherin.
Es sind jedenfalls nicht die ersten Vorwürfe, die Allianz-intern für Unruhe sorgen. Bereits im Juli 2017 hatte eine Allianz-Vertreterin den eigenen Konzern verklagt. Der Vorwurf: Der Versicherer soll viele seiner mehr als 8.000 Vertreter über Jahre hinweg um Teile ihrer Rente gebracht haben. Die Allianz sprach damals auf Anfrage von VWheute von einem Einzelfall.
Einen Zusammenhang mit der Klage der Allianz-Vertreterin sieht der Versicherungskonzern hingegen nicht. "Die von Ihnen angesprochene Klage einer ehemaligen Vertreterin wegen ihrer Abrechnungen im Vertreterversorgungwerk hat inhaltlich nichts mit dem in der FAZ dargestellten Fall zu tun", betont die Allianz-Sprecherin.
Ob es sich im aktuellen Fall ebenfalls um einen "Einzelfall" handelt, wird nun wohl das zuständige Arbeitsgericht klären. (vwh/td)
Bildquelle: Allianz
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