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Rechtsschutzversicherer müssen sich bei Jüngeren besser verkaufen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Legal Tech setzen nicht nur den rechtsberatenden Berufen zu, sondern können sich auch für die Rechtsschutzversicherer zur Gefahr entwickeln. Denn: Wer seine Rechtsansprüche über Internetangebote wie www.flightright.de oder www.Unfallhelden.de durchsetzen kann, sieht vielleicht bald keinen Sinn mehr im Abschluss einer Rechtsschutzversicherung.
"Die Rechtsschutzversicherer sind gefordert, ihr Produkt zu rechtfertigen und entsprechend zu bewerben, dass sie bei Durchsetzung des Rechts keine 30 oder 35 Prozent des Anspruchs abziehen", sagte Versicherungsfachanwalt Joachim Cornelius-Winkler auf der MCC-Fachkonferenz "Rechtsschutzversicherung 2018". Viele der Legal Tech-Unternehmen agieren als Inkassounternehmen und verlangen daher beim Eintreiben ausstehender Ansprüche ihr Erfolgshonorar.
Die Justizminister der Länder haben inzwischen eine Arbeitsgruppe konstituiert, die das Erfordernis einer Regulierung der digitalen Rechtsdienstleister prüft. "Die Legal Techs bewegen sich oft genau an der Grenze zu juristischen Dienstleistungen, die nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz reguliert sind", sagt Eva-Maria Goergen, Partner der Kanzlei Ince & Co Germany LLP.
Sei eine juristische Prüfung im Sinne eines spezifisichen juristischen Subsumptionsvorgangs nötig, handelt es sich ihrer Einschätzung nach in der Regel um eine regulierte Tätigkeit. Dies gelte insbesondere dann, wenn es nicht um eine Ausfüllhilfe für Standardformulare gehe, sondern Bezug nehme auf den Einzelfall. "Dass Erfolgshonorar und Werbung verboten sind, ist wichtig für den Berufsstand der Rechtsanwälte. Es hilft der Rechtspflege nicht, wenn Rechtsanwälte dies dürften. Denn andernfalls würden Versicherungsnehmer unnötig in Prozesse hineingeführt", meint sie.
Claims-fishing werde beispielsweise erst durch digitale Werbung möglich. Ziel der Regulierung müsse die Sicherstellung von Transparenz, der Schutz vor versteckten Kosten und der unverminderte Zugang zur Justiz sein. "Gleiches Geschäft, gleiches Risiko und gleiche Regeln", fordert sie. Es könne nicht sein, dass nur die Rechtsanwälte beispielsweise eine teuere Berufshaftpflicht abschließen müssten.
Pläne wie sie beispielsweise die Arag unlängst geäußert hat, stoßen bei den Rechtsanwälten auf Vorbehalte. In den Niederlanden betreiben die Düsseldorfer über ihre Plattform-Technologie Justix unter der Marke HelloLaw Rechtsdienstleistungen.
Diese Aktivitäten sollen nun auf den deutschen Markt angepasst werden. Konkret will man Nicht-Rechtsschutz-Versicherte bei Rechtsproblemen über Services mit Anwälten zusammenzubringen. "Betriebswirtschaftlich wird sich das wohl nicht rechnen", zweifelt Cornelius-Winkler. Goergen sieht durch die Legal Techs den Rechtsfrieden in Gefahr und meint: "Jetzt ist die Zeit, um Lobbyismus zu betreiben." (lie)
Bildquelle: lie
Rechtsschutzversicherung
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