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Vermittler müssen den LVRG-Deckel begleichen

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Provisionsdeckel kommt – und wird die Vermittler ganz besonders treffen. Sie sind in der Kette von Kritikern der Lebensversicherunf, EU- und Inlandspolitikern sowie Branche das schwächste Glied und werden am Ende die Versäumnisse aller Beteiligten begleichen müssen. Fair ist das nicht. Ein Kommentar von VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Die Sachlage ist klar, der Politik sind die LV-Provisionen zu hoch. Diese sind zwar seit der Einführung des LVRG um rund 800 Mio. gesunken, betragen aber immer noch rund sieben Milliarden Euro. In Zeiten der Niedrigzinsen zu viel.
Im Bereich der Lebensversicherung mussten in den letzten Jahren alle Verluste hinnehmen. Die Versicherten bekommen weniger Leistung, die Versicherer müssen mehr Geld in Rückstellungen stecken, höhere Auflagen erfüllen und einen Imageschaden verkraften. Die Vermittler bezahlen mit Gehaltseinbußen und längeren Stornozeiten.
Wahr aber vergebens
BVK und AfW werden nicht müde, die Folgen des Provisionsdeckels zu betonen. Der Vorschlag führe zu weniger Beratern, schlechterer Beratung und damit zu einem Beratungsdefizit in der Fläche, denn die Honorarberatung nicht auffangen kann. Gerade in Zeiten verheerend, in denen die gesetzliche Rente das Aufrechterhalten des Lebensstandards im Alter nicht mehr garantiert und die Bedeutung der privaten Vorsorge hoch ist.
Die Argumentation der Verbände ist schlüssig, ebenso der Hinweis richtig, dass ein staatlicher Eingriff in den Verdienst des Einzelnen rechtlich äußerst heikel ist. Dass die Versicherer auch an anderer Stelle sparen könnten, ist sicherlich auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen.
Am Ende sind die Einwände aber irrelevant. Die Politik hat nach der Überprüfung der LVRG-Ergebnisse beschlossen, dass die Kosten runter müssen -wohl auch, weil die EU-Richtlinie IDD es verlangt.
Sicher, die Politik könnte die Unternehmen zur Kostenersparnis außerhalb des Provisionsfeldes zwingen, doch die Verwaltungskosten sinken trotz Solvency II- Mehraufwand seit Jahren. Zudem bedeuten Kostensenkungen in aller Regel die Reduktion von Arbeitskräften, woran die Politik kein Interesse hat.
Harte Einschnitte bei den Unternehmen gefährden in Run-Off-Zeiten das System Lebensversicherung und die Stabilität des Systems, rund 88 Millionen Verträgen, fünf Mrd. Euro laufende Beiträge, ist gesellschaftlich bedeutender als das Schicksal einer Berufsgruppe.
Stellen werden durch den Deckel so oder so verloren gehen, aber bei den Vermittlern langsam und lautlos (er) als bei großen, medial präsenten Unternehmen. Da die Vermittler seit Jahren zu den unbeliebtesten Berufsgruppen gehören, dürfte sich das mediale und gesellschaftliche Echo in Grenzen halten. Daher ist der Provisionsdeckel für die Entscheider eine verhältnismäßig gute und einfache Lösung. Aber gerecht ist das nicht.
Bild: Kette (Quelle: Rainer Sturm / www.pixelio.de / PIXELIO)
BVK · Provisionsdeckel · AfW · LVRG · Kommentar
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