Schlaglicht

Verbände vereint im Ringen gegen den Provisionsdeckel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Der Provisionsdeckel kommt", titelte VWheute in seiner Ausgabe am vergangenen Donnerstag. Die Reaktionen darauf gleichen einem Tornado. BVK und AfW sind zerknirscht aber kampfeslustig. (Vermeintliche) Unterstützung erhalten sie von den Verbraucherschützern. Es bleibt brisant im Deckelkampf, auch wenn alle Parteien ahnen, dass er kommt.
Der Kampf gegen den Deckel sei noch lange nicht vorbei und schon gar nicht verloren, betont AFW-Vorstand Norman Wirth. Bei aller Zankbereitschaft schwant dem Rechtsanwalt allerdings bereits das drohende Ungemach. Er befürchtet einen "schmutzigen Deal" mit den Versicherern in dem der Gesetzgeber einer Erleichterung bei der ZZR zustimmt und gleichzeitig einen Provisionsdeckel einzieht. Der Deal sei deswegen dreckig, weil die Zeche die beratenden Finanzdienstleister begleichen müssten, obwohl sie für die Situation am wenigsten könnten.
Wirth betont, dass die Vermittlerschaft weder für das Niedrigzinsniveau, noch für eventuelle Fehlkalkulationen von Unternehmen verantwortlich sei. Für "Intransparenz bei der Produktgestaltung und Vertriebskosten" trage sie ebenfalls keine Schuld.
Der AfW-Vorstand ist überzeugt, dass durch den Deckel nicht weniger als die unabhängige Beratung auf dem Spiel steht: "Es scheint leider in der Politik immer noch nicht angekommen zu sein, dass am ehesten die Makler von einem solchen Eingriff in das Vergütungssystem betroffen sind. Also diejenigen, die als treuhänderische Sachwalter rechtlich im Lager des Kunden stehen."
Auftritt des VZBV
Unterstützung im Kampf gegen die Obergrenze erhält der AfW überraschenderweise von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) – allerdings würde der Verband auf diese vermeintliche Hilfe wohl gerne verzichten. "Der in der Diskussion befindliche Provisionsdeckel wird nicht zu einer ergebnisoffenen Beratung im Verkaufsgespräch führen. Deswegen fordern wir weiterhin ein Provisionsverbot für die Lebensversicherung", erklärt Lars Gatschke, Referent Team Finanzmarkt beim VZBV.
Im Rahmen der Provisionsdurchleitung seien weiterführende Informationspflichten erforderlich, damit Verbraucher nachvollziehen könnten, ob alles "mit rechten Dingen" zugegangen sei. Dazu gehört es, Verbraucher über die Höhe der Gutschrift sowie über die Minderung des Bruttobeitrags durch die Provisionsdurchleitung zu informieren. Ferner müssen Versicherer verpflichtet werden, "mit Versicherungsberatern zusammen zu arbeiten".
Der BVK rechnet insgeheim mit dem Deckel
BVK-Präsident Michael H. Heinz ist kein Freund des Provisionsdeckels, so weit, so bekannt. Doch genau wie Wirth hat er dafür gute Argument. Seit der Einführung des LVRG seien die Kosten für Provisionen gesunken und das Gros der Vermittler habe "spürbare Provisionsrückgänge" zu verkraften, und zwar "verbunden mit der Verlängerung der Stornohaftungszeit".
Es darf daher nicht überraschen, wenn er die sehr konkreten Pläne der Regierung als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet. Aus seiner Sicht müssen erst einmal die Unternehmen liefern.
Der BVK wolle daher bei Gesprächen mit Politikern bezüglich der LVRG-Evaluierung darauf hinweisen, dass diese lieber die Verwaltungskosten der Versicherungsunternehmen unter die Lupe nehmen sollten. Zudem sollen die Unternehmen ihre "Verwaltungs- und Marketingkosten senken", ihr "Produktportfolio verschlanken" und den "Tarifdschungel" lichten. Darüber hinaus sei die Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben und Vergleichsportalen zu überprüfen, erklärt Heinz.
Der Klageweg steht offen
Das die Obergrenze mehr als nur eine vage Bedrohung ist, sieht auch der BVK-Präsident: "Wenn trotz dem allem über eine Provisionsbegrenzung diskutiert wird, würden wir für die Bafin-Lösung eines "atmenden" Provisionsdeckels optieren, weil sie zumindest gewisse flexible Limitierungen zulässt." Dieser müsse jedoch "zeitlich begrenzt" sein, beispielsweise solange wie die "Niedrigzinsphase existiert".
Sowohl der AfW wie auch der BVK wollen den Rechtsweges nicht ausschließen, wenn der Deckel schlussendlich finalisiert wird. (vwh/mv)
Link: Politik zieht Reißleine: Der Provisionsdeckel kommt (Tagesreport vom 14.06.2018)
Bild: Deckel (Quelle: Klaus Rupp / www.pixelio.de / PIXELIO)
BVK · Provisionsdeckel · AfW · vzbv
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