Märkte & Vertrieb

Keine Angst vor Risiken

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"Risk is our business", stellte schon Captain Kirk in Star Trek fest. Mit diesem Einspieler erinnerte Jan Störmann, Chief Underwriting Officer der Allianz SE Reinsurance, auf dem Aon Benfield Marktforum an das, was eigentlich das Kerngeschäft der Versicherungswirtschaft ist: Risiken übernehmen. Das gelte auch für die neuen Herausforderungen, die jetzt mit der Digitalisierung und den damit verbundenen Cyberrisiken auf die Branche zukommen.
"Jedes neue Risiko ist eine neue Herausforderung. Wir müssen flexibel bleiben, um auf Veränderungen der Landschaft reagieren zu können", so Störmann. Sicher geht das bei Risiken, die plötzlich massiv "aus dem Blauen heraus auftauchen", wie dem Terrorismus, schwerer als bei solchen wie den Cyber-Risiken – "die werden uns nicht aus dem Blauen heraus treffen". Hier habe sich im letzten halben Jahr auf der Angebotsseite viel getan, die Nachfrage schwächle dagegen noch. Um dem entgegen zu wirken, müssten die Versicherer auch im eigenen Umfeld mehr Transparenz schaffen und üben, die Risiken zu verstehen und zu managen. Dann seien die Voraussetzungen gegeben, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Cyberversicherungen zu wecken.

Selbstkritische Töne

Die Einschätzung, dass die durch die Digitalisierung entstandenen neuen Herausforderungen durchaus auch eine Chance sind, jahrzehntelang gewachsene Verkrustungen in der Versicherungsbranche aufzubrechen, zog sich durch alle Referate. In seiner Eröffnung wies Jan-Oliver Thofern, Chairman & CEO von Aon Benfield Hamburg, darauf hin, dass die Branche es durch die Start-ups mit neuen Marktteilnehmern und einer veränderten Wettbewerbslage zu tun habe.
"Die Eintrittsbarrieren wurden durch die Technologie reduziert", stellte er fest. Mit neuen Geschäftsmodellen versuchten sie entlang der Wertschöpfungskette einzudringen, brachten dadurch aber auch viel Innovation in die Finanzierung von Versicherungsrisiken. "Da ist viel Dynamik drin", so Thofern.
In erster Linie zwingt die Digitalisierung aber die Versicherer dazu, ihr ganzes Geschäftsmodell umzukrempeln, insbesondere in Bezug auf den Kontakt mit den Kunden, hob Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo, hervor. Hier sei eine nahtlose Kommunikation über alle Kanäle hinweg unverzichtbar. Dabei gebe es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Entweder der Vermittler ist in den Zugang zum Kunden eingebunden und profitiert durch eine bessere Datenbasis davon, wenn der Kunde den Termin beispielsweise über eine App vereinbart. Oder der Kontakt findet rein digital, ohne Telefon und E-Mail, statt, wie das bei der Ergo-Tochter Nexible der Fall ist.
Dann kann die Zahl der Mitarbeiter konstant bleiben, selbst wenn die Kundenzahlen zunehmen. Zwei Geschwindigkeiten muss es vor allem bei der IT geben – gerade bei Unternehmen mit einer langen Geschichte könne man nicht warten, bis die Gesamtorganisation so weit ist, alle Ausbauschritte mitzutragen. Deren Mitarbeiter müssten aber dazu bereit, mit einer intensiven Schulung nachzuziehen. "Mit einer höheren Qualifikation der Mitarbeiter, bei allen, die dazu bereit sind, kann auch den Kunden gegenüber eine bessere Beratung angeboten werden", stellte Rieß fest, „das wird zu einer Verbesserung der Situation bei allen, die mitspielen, führen.“ Das betreffe allerdings nicht unbedingt jeden, der heute da ist.
"Wartet nur, ihr Insurtechs, bis ihr auf die Bafin trefft", habe man gedacht, als die ersten neuen Mitspieler auf den Markt drängten, erinnerte Ulrich Wallin, Vorstandsvorsitzender der Hannover Rück SE. Mittlerweile habe sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass es durchaus Probleme in der Branche gebe, bei deren Beseitigung die Insurtechs helfen könnten. Dabei sei die Kurve wie üblich verlaufen: Nach der anfänglichen Skepsis sei eine starke Begeisterung ausgebrochen, die nach relativ kurzer Zeit einer Ernüchterung gewichen sei. Nun sei die Kurve auf einer realistischeren Basis wieder langsam im Anstieg begriffen.
Auch bei den Start-ups selbst habe es Veränderungen gegeben – der ersten Welle mit dem "Angriff der jungen Wilden" folgte die zweite Runde, in der durchaus Versicherungsexperten das Sagen haben. Allerdings seien die Neugründungen wie Element oder Ottonova eher Nischenanbieter, die von der etablierten Versicherungswirtschaft nicht als Bedrohung, sondern als Partner wahrgenommen würden. "Wenn ich sie schon nicht vertreiben kann", so die vorherrschende Meinung, müsse man eben auf Kooperation statt Disruption setzen. Bedrohlicher könne es allerdings werden, wenn eines Tages wirklich die Internetgiganten mit ihrem Daten-Know-how auf den Versicherungsmarkt drängten, so wie es in China bereits der Fall sei.
Aber noch gelten die alten Gesetze der Versicherungswirtschaft, wie die, dass Versicherungen in der Regel eher verkauft als gekauft werden, betonte Bernd Zens, Mitglied des Vorstands der DEVK Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft. Die Ausschließlichkeits-Organisation werde deshalb vorläufig der wichtigste Kommunikationskanal bleiben – wie es in zehn Jahren aussieht, sei allerdings offen.
Auch neuen Trends, wie die Versicherung-on-demand, sei mit Vorsicht zu begegnen – zum einen, weil sie dem Versicherungsgedanken, dass Risiken auf der Basis einer großen Zahl versichert werden, widerspricht, zum anderen, weil bei einer hohen Risiko-Eintrittswahrscheinlichkeit eine hohe Prämie verlangt werden muss. Weiter wachsen werde dagegen die Cyberversicherung, wenn denn ein vernünftiges Pricing gelingt, ohne zu hohe Prämien oder zu viele Ausschlüsse. Insbesondere die damit verbundenen Kumulrisiken seien ein großes Thema für die Rückversicherer. (sgk)
Bild: Jan Störmann auf dem Aon Benfield Marktforum 2018 in Hamburg. (Quelle: sgk)
Ergo · Hannover Rück · Aon Benfield · Ulrich Wallin · Jan-Oliver Thofern · Markus Rieß. Jan Störmnn
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