Politik & Regulierung

EZB will umstrittene Anleihverkäufe beenden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre umstrittenen Anleiheverkäufe zum Jahresende beenden. Demnach will die Notenbank ihr monatliches Kaufvolumen ab Oktober auf zunächst 15 Mrd. Euro reduzieren. Zum Jahreswechsel sollen das Programm wohl ganz auslaufen. Dies hatte der EZB-Rat am Donnerstag auf seiner Sitzung in der lettischen Hauptstadt Riga beschlossen.
Am Leitzins selbst wird sich zunächst allerdings nichts ändern. So gehen die Währungshüter davon aus, dass der aktuelle Leitzins noch bis Sommer 2019 bei 0,0 Prozent bleiben wird. Der Einlagezins soll weiterhin bei minus 0,4 Prozent bleiben. "Wir haben bedeutende Fortschritte gemacht", begründete EZB-Präsident Mario Draghi die EZB-Entscheidung. So beobachte man vor allem bei der Inflationsrate, aber auch beim weiteren ökonomischen Ausblick und bei der Beschäftigung eine ermutigende Entwicklung. Die Reaktionen aus der Wirtschaft fielen hingegen unterschiedlich aus.
So zeigte sich der Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) eher enttäuscht: "Leider konnte sich die EZB nicht dazu entscheiden, das Anleihekaufprogramm im September zu beenden. Dabei rechtfertigen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Preisdruck eine so extreme geldpolitische Positionierung schon lange nicht mehr. Die EZB darf sich bei ihren Entscheidungen nicht von kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen leiten lassen, zumal derzeit wenig für den Beginn einer stärkeren Wachstumsabschwächung spricht. Auch geopolitische Risiken, die neuerdings ja fast immer gegeben sind, sollten bei der jetzt erforderlichen geldpolitischen Normalisierung keine Rolle spielen. Das Mandat der EZB ist Preisstabilität. Und die ist derzeit nicht in Gefahr", erläutert Klaus Wiener.
"Die Aussagen zum Ende der Nettokäufe des QE-Programms und zum weiteren Verlauf der Zinsen waren viel expliziter als von uns erwartet. Im Rahmen der gestiegen Unsicherheit auch von der Handelsseite hatten wir erwartet, dass die EZB sich mehr Freiheitsgrade für die Ausgestaltung der künftigen Politik behalten würde", entgegnete hingegen Jürgen Michels, der Chefvolkswirt der Bayern LB. "Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB derart weit aus dem Fenster lehnt", ergänzt Holger Schmiedinh, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Otmar Lang von der Targobank kommentierte zudem: "Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. In Deutschland liegt die Inflation aktuell bei 2,2 Prozent, im Euro-Raum bei 1,9 Prozent."
Für von UBP-Volkswirt Olivier Arpin hat die EZB "heute zwei wichtige Ankündigungen gemacht. Erstens wird die EZB bis Ende September 2018 weiterhin Anleihenkäufe im derzeitigen monatlichen Tempo von 30 Mrd. EUR tätigen. Zweitens wird der EZB-Rat das monatliche Tempo der Anleihenkäufe bis Ende Dezember 2018 auf 15 Mrd. EUR reduzieren, was das Ende des Ankaufsprogramms markieren wird. Noch wichtiger ist vielleicht die Tatsache, dass am aktuellen Zinsniveau festgehalten werden soll, zumindest bis zum Sommer 2019 und auf jeden Fall so lange wie nötig, um sicherzustellen, dass die Inflationsentwicklung mit den derzeitigen Erwartungen an einem nachhaltigen Anpassungspfad in Einklang bleibt." (vwh/td)
Bildquelle: Sandro-Almir-Immanuel / PIXELIO (www.pixelio.de)
EZB · Europäische Zentralbank
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