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Wann zahlt der Versicherer für den richtigen WM-Tipp?

Von Tobias DanielTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Pünktlich zur Fußball-WM in Russland sind Gewinn- und Tippspiele wieder groß in Mode. Ein Beispiel: Ein Supermarkt bietet ein Haus im Wert von 150.000 Euro, wenn der Kunde die korrekte Paarung und das richtige Ergebnis des Endspiels tippt. VWheute sprach mit Alexander Strehl, Geschäftsführer des Special Risk Consortium (SRC) über die Prize-Indemnity-Versicherung.
VWheute: Tippspiele im Fußball sind derzeit sehr beliebt – "Tipico" lässt grüßen. Zu Ihrem Portfolio gehören unter anderem Gewinnspielversicherungen. Was kann damit genau abgesichert werden, wie lassen sich die "Risiken" dabei berechnen und welche Rolle spielen dabei die Wettquoten? Kurzum: Wer braucht entsprechende Police und warum?
Alexander Strehl: Zur WM werden wieder vermehrt Gewinnspiele und Verkaufsförderungsmaßnahmen durchgeführt. Ein Supermarkt bietet beispielsweise seinen Kunden an, das Finale zu tippen. Unter allen Einsendern wird einer gezogen. Wenn er die richtige Paarung und das korrekte Ergebnis getippt hatte, gewinnt er ein Haus im Wert von 150.000 Euro. Bei der Gestaltung derartiger Tippspiele arbeiten wir eng mit den Veranstaltern zusammen. Abhängig von deren Budget (für die Versicherungsprämie) muss viel oder wenig getippt werden und die Gewinnchance ist geringer oder höher.
International gibt es mittlerweile Tippspiele, bei denen es eine Milliarde zu gewinnen gibt, wenn beispielsweise die komplette Basketball Saison mit allen Spielen richtig vorhergesagt wurde. Sicherlich ist die Eintrittswahrscheinlichkeit unglaublich gering, aber der große Preis ist der Magnet, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Neben den Gewinnspielen werden auch viele Verkaufsförderungsmaßnahmen durchgeführt: Käufer von Möbeln bekommen ihren Kaufpreis zurück, wenn Deutschland Weltmeister wird und dabei in Summe mehr als 21 Tore schießt. Elfmetertreffer und Tore in der Verlängerung werden dabei dazu gezählt. Im Gegensatz zum Gewinnspiel, bei dem meist nur eine Person gewinnt, haben bei einer Geld zurück Promotion alle Käufer die Möglichkeit Ihren Kaufpreis zurück zu bekommen.
Das Risiko des Eintritts des Gewinnfalls übernehmen wir in Vollmacht unserer Erst- und Rückversicherer. Sicherlich schauen wir uns bei der Kalkulation auch die Wettquoten der Buchmacher an; diese sind aber nur ein Aspekt von vielen bei der Kalkulation einer Versicherungsprämie. Unsere Policen sind interessant für sämtliche Branchen, die ihre Verkaufszahlen zur WM ankurbeln wollen: Autohändler, Baumärkte, Brauerei, Reisebüros und vor allem Elektronikhändler.
VWheute: Bei Gewinn- und Tippspielen spielt ja der Faktor "Glück" eine gewichtige Rolle. Provokant gefragt: Wieviel davon brauchen Sie davon bei Ihren Policen?
Alexander Strehl: Der Faktor Glück spielt hierbei natürlich eine große Rolle. Deswegen werden derartige Spiele ja veranstaltet. Der Teilnehmer hofft mit einem geringen Arbeitsaufwand einen großen Preis zu gewinnen. Wir als Versicherer wiederum, müssen derart kalkulieren, dass über das Jahr verteilt mehr Prämie generiert wird, als Schäden ausbezahlt werden.
Bei der WM versuchen wir dies zum Beispiel durch internationalen Ausgleich. Wenn wir ähnliche Promotions z.B. auch in Kroatien und Spanien machen, kann am Ende ja nur eine Nation Weltmeister werden. Nichtsdestotrotz ist Deutschland unser Kernmarkt und wir zittern daher zusammen mit allen anderen. Nur hoffen wir dass wir dann mit 20 Toren Weltmeister zu werden.
VWheute: Wie hat sich die Nachfrage nach entsprechenden Policen seit der WM 2014 entwickelt und mit welchen Prämien muss der geneigte Tippspieler rechnen?
Alexander Strehl: Die Nachfrage ist dieses Jahr geringer als 2014. Wir vermuten, dass dies daran liegt, dass Brasilien damals, als "das Land des Fußballs" bereits im Vorfeld der WM einen wesentlich größeren Hype ausgelöst hat.
Eine Vergleichbarkeit der WMs hinsichtlich der Prämien ist schwer möglich, da wir unsere Promotions meist ändern. 2014 wurden extrem viele Promotions veranstaltet, bei denen Deutschland Weltmeister werden musste und die Käufer z.B. von Möbeln den Endspielgegner der Deutschen tippen mussten. Diese Promotion wurde dieses Jahr kaum nachgefragt, dafür eben die Promotion mit der Toranzahl. Die reine Wahrscheinlichkeit von Deutschland zu gewinnen ist um ca. fünf Prozent höher als 2014.
VWheute: Blicken wir einmal auf das bevorstehende Turnier und das Kuriositätenkabinett: Können Sie uns einige Beispiele für die kuriosesten und ungewöhnlichsten Wetten nennen?
Alexander Strehl: Von Kuriositäten können wir leider nicht berichten; bislang sind alle Versicherungen, die abgeschlossen wurden in ganz normalen Rahmen.
VWheute: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier: Ist das Endspiel "geschlagen" beginnt nach der Sommerpause wieder der Alltag Bundesliga und Champions League. In beiden Wettbewerben sind der FC Bayern München und Real Madrid ja derzeit das A&O. Macht es eigentlich überhaupt noch Sinn auf andere Teams zu wetten?
Alexander Strehl: Veranstalter finden immer Wege, aus den Gegebenheiten spannende Promotions zu machen. Wir hatten letzte Saison ein Möbelhaus versichert, welches "Geld zurück" angeboten hatte, wenn die Bayern mit mehr als 94 Toren Meister werden. (am Ende waren es 92 Tore) So ist dann auch die Idee entstanden dies zur WM zu machen. Wenn es solche "Übermannschaften" gibt, kann man auch immer gute "Triple"-Promotions anbieten. Der Gewinn der Meisterschaft, des Pokals und der Champions League ist auch für Real Madrid extrem schwierig.
VWheute: Kurze Frage zum Schluss: Auf welchen Weltmeister 2018 "wetten Sie"?
Alexander Strehl: Für mich sind tatsächlich die Kroaten diesmal Kandidaten für eine Überraschung. Ich tippe daher, dass Frankreich die Kroaten im Finale schlägt. Deutschland schafft es ins Halbfinale. Aber wenn ich mich an unser letztes Interview erinnere, habe ich keine besonderen hellseherischen Fähigkeiten. Damals hatte ich Belgien den Titel zugetraut.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Alexander Strehl ist Autor der VVW GmbH sowie Geschäftsführer und Mitgesellschafter der SRC Special Risk Consortium GmbH (Quelle: SRC)
Alexander Strehl · Prize-Indemnity-Versicherung · Special Risk Consortium (SRC)
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