14.06.2018Unternehmen & Management

"Problematisch können (verletzungsbedingte) Marktwertverluste sein"

Von Tobias DanielVW heute
Laut einer aktuellen Liste des US-Magazins Forbes gehört Fußball zu den gefährlichsten Sportarten der Welt. Kaum ein Profispieler kommt dabei ohne Verletzungen durch die Saison. Bestes Beispiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer. VWheute hat mit Arne Linke, Abteilungsleiter Ergo Specialty, über die aktuelle Entwicklung bei den Marktwert- und Sportinvaliditätsversicherungen gesprochen.
VWheute: Mitte Juni bestimmt König Fußball wieder die Schlagzeilen. Dabei gilt die WM für die Spieler auch als "Schaufenster" für potenzielle Klubs. Dabei kann der Marktwert eines Spielers bei einem guten Turnier schnell einmal in Höhe schnellen. Wie kann man dies als Versicherer abfedern?
Arne Linke: Ein Anstieg der Marktwerte ist unproblematisch: alle Beteiligten inklusive der WM-Fans und Zuschauer dürften sich freuen, wenn der "Wert" eines Spielers während des Turniers steigt – zumal dies ja auch eine Indikation für guten/spannenden Fußball ist. Einzige Ausnahme könnte der Ex-Verein sein, der den Spieler für eine Summe unter dem aktuellen/neuen Marktwert verkauft hat.
Problematisch können hingegen (verletzungsbedingte) Marktwertverluste sein. Dies gilt für betroffene Spieler aufgrund erschwerter Vertrags-/Gehaltsverhandlungen für die nächste Vertragsperiode ebenso wie für den Verein, der ggf. Abschreibungen auf den bilanzierten Wert des betroffenen Spielers vornehmen muss.
VWheute: Die Ablösesummen erreichen ja mittlerweile astronomische Höhen – Stichwort: 222 Mio. Euro für Neymar. Wie reagieren die Versicherer auf diese Entwicklung und lassen sich solche Summen überhaupt noch versichern?
Arne Linke: Eine Grundidee der Versicherung war und ist die Risikostreuung. Die Lösung ist somit die Beteiligung verschiedener (Rück-)Versicherer an einem Risiko. Solche Summen lassen sich versichern, sind aber definitiv die Ausnahme.
VWheute: Kommen wir zum sportlichen Teil: Sportinvaliditätsversicherung sind ja mittlerweile in den höchsten Spielklassen an der Tagesordnung. Warum ausschließlich in der 1. Und 2. Liga? Ist das Verletzungsrisiko in der 3. Liga oder Regionalliga geringer?
Arne Linke: Das Verletzungsrisiko ist aus unserer Sicht nicht wesentlich geringer und insgesamt sehr hoch. Im Rahmen der Risikobeurteilung kommt für uns zudem die Informationsverfügbarkeit hinzu – die Medienabdeckung ist in der 1. und 2. Liga eine andere als in der dritten Liga. Schließlich gibt es Unterschiede bei den Salären, der Trainingsintensität und ggf. auch bei der medizinischen Betreuung.
VWheute: Sportinvaliditätsversicherungen genießen ja zudem noch eher den Ruf einer Nischenversicherung. Wie bewerten Sie die derzeitige Entwicklung am Markt und wo sehen Sie die Tendenzen für die Zukunft – sowohl national als auch international?
Arne Linke: Grundsätzlich sollte der Stellenwert vergleichbar mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung für "normale" Berufe sein – jeder sollte eine haben. Das gilt umso mehr, als dass eine Invalidität im Beruf "Profifußballer" sehr viel schneller eintreten kann, als in anderen Berufen.
Das primäre Absicherungsziel für die sogenannten Spielereigendeckungen [Schutz für den Spieler / Leistung zu seinen Gunsten] ist daher auch die Ermöglichung des reibungslosen Übergangs in einen anderen Beruf.
Im Bereich der Verbands-/Vereinsdeckungen [Leistungen zu Gunsten des Vereins oder Verbandes] sehen wir derzeit Zuwächse – auch wegen der weiter gestiegenen Marktwerte. Ein Beispiel dafür ist das Club Protection Programme der FIFA (CPP), das die abstellenden Vereine bei Verletzungen der Nationalspieler im Rahmen eines Länderspieleinsatzes entschädigt.
VWheute: Nennen Sie uns doch bitte ein typisches Beispiel für einen Versicherungsschutz eines Bundesliga-Profis? Gibt es auch spezielle "Sonderwünsche", wie zum Beispiel bei Cristiano Ronaldos Beinen?
Arne Linke: Typische Summen liegen im Bereich von 1,5 bis 3,0 Mio. Euro. Die Prämienraten bewegen sich – in Abhängigkeit von der jeweiligen Konstellation – zwischen 0,6 bis zwei Prozent der gewünschten Versicherungssumme. Sämtliche Risiken werden von uns individuell kalkuliert. Sonderwünsche sind selten, da die Sportinvaliditätsversicherung im Normalfall ohnehin alle Körperteile, Verletzungen und Erkrankungen, die zu einer Sportinvalidität führen können, abdeckt.
VWheute: Stichwort WM: Wer das Glück hat, zum endgültigen WM-Aufgebot zu gehören, kann sich bekanntlich glücklich schätzen. Was sieht der Versicherungsschutz allerdings im Falle einer Verletzung bei der Nationalmannschaft vor? Wie lassen sich diese Risiken kalkulieren?
Arne Linke: Hier ist zwischen der Spielereigendeckung und Versicherungen zu Gunsten anderer (abstellende Vereine) zu unterschieden. Im Rahmen der Spielereigendeckung sind Ort und Zeitpunkt eines Unfalls zunächst unerheblich – sie gilt weltweit und rund um die Uhr.
Bei der Abstellung von Spielern zu Maßnahmen der jeweiligen Nationalmannschaften können zusätzliche Versicherungsbausteine – wie z.B. das CPP oder des jeweiligen Landesverbandes hinzukommen. Die Kalkulation der entsprechenden Deckungen ist nicht einfach und beruht in hohem Maße auf Erfahrungswerten aus der Vergangenheit.
VWheute: Kurze sportliche Frage zum Schluss: Ihr Tipp zur WM – wer gewinnt das Finale von Moskau?
Arne Linke: Das ist einfach: die beste Mannschaft! Spaß beiseite - Ich gehe davon aus, dass wir es nochmals packen - 3:2 gegen Spanien.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Arne Linke, Abteilungsleiter Ergo Specialty (Quelle: Ergo)
Fußball-WM 2018 · Arne Linke · Ergo Speciality · Fußballspieler
Tobias Daniel
Tobias Daniel
Redakteur