14.06.2018Politik & Regulierung

"Große Sportereignisse lassen sich ohne Probleme versichern"

Von Tobias DanielVW heute
Keine Großveranstaltung ohne entsprechenden Versicherungsschutz. Dies gilt ebenso für das heute beginnende WM-Turnier in Russland wie für die zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen in diesem Sommer. VWheute hat exklusiv mit Christian Raith vom Versicherungsmakler Erpam über den aktuellen Status quo in diesem Marktsegment gesprochen.
VWheute: Sportturniere wie die WM stehen naturgemäß in besonderem Fokus. Wie lassen sich solche Turniere bzw. Fußballspiele angesichts der aktuellen Risiken (Terror, Wetter & Co.) überhaupt absichern und von welchen Versicherungssummen sprechen wir hier überhaupt?
Christian Raith: Nach wie vor lassen sich Großveranstaltungen wie auch dieses große Sportereignis auf dem deutschen und europäischen Markt ohne Probleme versichern. Natürlich haben derartige Risiken einen langen Vorlauf und auch einige beteiligte Versicherer. Die Kapazitäten der Versicherer sind derzeit hoch wie nie, wobei sich feststellen lässt, dass die Versicherer etwas mehr Auswahl bei den Vertriebspartner vornehmen und meist mit Spezialmaklern zusammen arbeiten.
Das stellt aber auch für andere Vermittler kein Problem dar, denn diese Spezialmakler sind auch fast immer offen für die Kollegen. Die Versicherungssummen sind natürlich sehr unterschiedlich, aber selbstverständlich sprechen wir von einem zwei bzw. dreistelligen Millionenbetrag. Wenn man einfach einmal die Einnahmen hochrechnet, sieht man diese sehr schnell.
VWheute: Werfen wir einen Blick nach Deutschland: Neben den Spielen selbst ist Public Viewing bei großen Turnieren üblich. Wie können solche offenen Veranstaltungen überhaupt abgesichert werden? Und inwieweit lassen sich auch Terroranschläge versichern (Stichwort Extremus)?
Public Viewing ist ein Teil dieser großen Turniere geworden und so ist es auch in diesem Jahr. An vielen Plätzen findet das gemeinsame Fußballschauen seinen Platz. Von öffentlichen Plätzen bis hin zum Hinterhof des Vereinsheims oder des Stammlokals ist alles vertreten. Manchmal kann man sogar sein eigenes Sofa mitbringen und zwischen anderen Zuschauern aufstellen. An sich gibt es kein Problem eine passende Deckung am Markt zu erhalten, die Anbieterzahl ist natürlich beschränkt.
Von der Haftpflicht über die Versicherung der Ausrüstung und der Technik, bis hin zum Ausfall dieser Events stellt das den Profi vor keine großen Aufgaben, manche haben schon fertige Konzepte im Angebot mit pauschalen Summen. Natürlich unterscheiden sich die Produkte der Anbieter, daher ist ein Vergleich sinnvoll. Wetter spielt ebenso eine Rolle wie Terror und sogar die Absage aufgrund Pietät kann hier bei vereinzelten Anbietern abgesichert werden. Der Kunde kann sich seine Bausteine so gestalten, wie er das möchte. Denn nicht jede Location ist gleich und auch die Anforderungen der Behörden oder Geldgeber sind unterschiedlich.
VWheute: Kommen wir einmal weg vom Fußball: Sommerzeit ist natürlich auch Open-Air-Zeit, wie zum Beispiel auf der Freilichtbühne der Loreley. Dabei sind Absagen von Veranstaltungen durchaus an der Tagesordnung. Erläutern Sie uns doch bitte, wo hier die Ausfallversicherung greift und von welchen Summen wir hier in der Regel sprechen?
Christian Raith: Mittlerweile sind die Summen wirklich komplett unterschiedlich, wir haben täglich mit Anfragen im Ausfallbereich zu tun und diese bewegen sich von kleinen Events mit 10.000 Euro (z.B. auch Hochzeiten) über die mittleren Veranstaltungen mit 250.000 Euro bis hin zu Großveranstaltungen mit mehreren Millionen. Das Risiko der Absage verändert sich durch die Größe eigentlich nicht. Denn der Wettergott unterscheidet nicht.
Es ist natürlich für den kleineren Veranstalter ebenso existenzbedrohend, wenn seine Veranstaltung ausfällt, wie für die ganz großen Player der Branche, wenn dort einmal ein Festival mit mehreren Tagen komplett ausfällt. Daher gibt es die Ausfallversicherung auch schon ab 300 Euro um jedem die Chance zu geben, sein Risiko zu minimieren. Versichert wird natürlich genau das Interesse des einzelnen Kunden. Er kann wählen zwischen verschiedensten Bausteinen: So kann man den Künstler versichern, wenn man einen Headliner hat (meist Einzelkonzerte) oder es weglassen, wenn man ein Festival mit zahlreichen Bands hat und beim Ausfall einer Band die nächste einfach etwas länger spielt.
Im Bereich Wetter kann man die Nichtnutzbarkeit des Geländes versichern, das bedeutet, dass man bereits im Vorfeld mit derartigen Wetterkapriolen kämpfen muss, dass man gar nicht fertig werden kann mit dem Aufbau und somit die Veranstaltung nicht einmal beginnen kann. Natürlich kann man das separat von der Wetterausfall für den oder die Veranstaltungstage entscheiden. Auch dort gibt es von Wetterdeckungen mit einer fest definierten Niederschlagsmenge in einem gewissen Zeitraum bis hin zum Wetter das eine Gefahr für Leib und Leben darstellt.
Weiter geht es mit dem Ausfall durch Terror, eine Terror- oder Attentatsdrohung und darüber hinaus kann man mittlerweile auch den Pietätsfall versichern. Denn wer möchte eine Veranstaltung dann stattfinden lassen, wenn ein paar Tage vor der Veranstaltung ein schlimmes Ereignis in der Nähe stattgefunden hat, wie vor ein paar Jahren z.B. in München der Fall war.Selbst hierfür haben wir Klauseln entwickelt, die die Kunden dann auswählen können.
Genau deshalb ist es wichtig, dass sich die Kunden an die entsprechenden Spezialisten wenden und natürlich stehen diese Versicherungslösungen auch unseren Kollegen gerne zur Verfügung. Wir selbst sind es gewohnt, seit über 30 Jahren mit anderen Makler zusammen zu arbeiten, denn am Ende muss der Kunde den richtigen Versicherungsschutz haben, da helfen Eitelkeiten der Vermittler nicht weiter. Die Bedingungen sind mittlerweile so umfangreich, dass dort auch die eine oder andere Stolperfalle liegt.
VWheute: Kleine Frage am Rande: Gerade Künstler sind hin und wieder für bestimmte "Extravaganzen" bekannt. Inwieweit lassen sich diese über eine Veranstaltungs- oder Ausfallversicherung abdecken?
Christian Raith: Da wird es dann schon ein wenig schwieriger, denn das ist im Einflussbereich der versicherten Person und das subjektive Risiko ist eigentlich nicht zu greifen. Denn wie soll das kalkuliert werden, wenn der Hund der Künstlerin unbedingt mit auf Tournee gehen soll, aber dieser ein wenig schnupfen hat und die Künstlerin ihm lieber Wadenwickeln machen möchte, anstatt zu spielen. (zwinkert) Noch kann man nicht alles versichern, ab fast alles ist möglich. Versuchen würden wir es auf jeden Fall.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.
Bild: Christian Raith ist Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Erpam (Quelle: Felix Holzer)
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