Schlaglicht

Die Pflege treibt die PKV-Beiträge

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Aufgrund des demografischen Wandels ist das Methusalemalter hierzulande wohl bald alltäglich. Das die Menschen immer älter werden, ist natürlich zu begrüßen, doch es hat auch seinen Preis – besonders in der Pflege. Davon sind auch die privaten Krankenversicherer (PKV) betroffen, welche die Beiträge wohl entsprechend anheben werden müssen.
Die Verantwortlichen in Krankenhäusern und Pflegeheimen klagen seit Jahren, das die Situation in der Pflege unhaltbar ist. Die Politik hat reagiert und die Pflege verbessert. Die letzte Stufe dieser Anpassung trat zu Beginn dieses Jahres in Kraft, seitdem werden die Pflegebedürftigen nach neuen Kriterien eingestuft, nun ist nicht mehr die Zeit der ausschlaggebende Punkt für die Bewertung der Pflegebedürftigkeit, sondern der Grad der Selbstständigkeit. Die neuen Regeln sorgten für über 100.000 mehr Leistungsempfänger im vergangenen Jahr.
Mehr Leistungen für mehr Menschen bedeuten einen finanziellen Mehraufwand, den die Beitragszahler aufbringen müssen. Das führte in der GKV in jüngster Vergangenheit zu mehreren Anpassungen des Pflegebeitrags, zuletzt auf 2,55 bzw. 2,8 Prozent für Versicherte ohne Kinder. Das Ende der Fahnenstange ist allerdings noch nicht erreicht.
Es wird mehr benötigt
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) deutete zuletzt eine weitere Erhöhung um 0,2 Prozent an, um die steigenden Kosten decken zu können. Das scheint auch nötig, denn bei der aktuellen Ausgabe der Fernsehsendung Hart aber fair wurde deutlich, dass in der Pflege noch immer ein Mehrbedarf an Fachkräften besteht. Spahn will weitere 13.000 Kräfte anwerben, vor allem aus dem Ausland, doch Experten wie auch Teilnehmer der Diskussionsrunde sind sich sicher, dass das nicht ausreichen wird.
Da auch ausländische Pflegexperten nicht kostenlos arbeiten, werden die entstehenden Kosten auf die Versicherten umgelegt, das gilt für die PKV ebenso wie die GKV. Da der Leistungskatalog in der Pflege in beiden Systemen identisch ist und die GKV bereits anpasste, und eine weitere Erhöhung wahrscheinlich ist, wird PKV auf kurz oder lang nachziehen müssen.
PKV-Verband stützt sich auf Reserven
Der Verband der privaten Krankenversicherung macht daraus auch keinen Hehl, doch der Mehrbeitrag ausfallen wird, ist derzeit allerdings noch nicht absehbar: "Gesetzliche Leistungsausweitungen wirken sich immer auf beide Systeme aus, wobei höhere Leistungen dann entsprechend höhere Beiträge nach sich ziehen. Noch liegt kein Gesetzentwurf zu den geplanten Pflegereformen vor. Welche zusätzlichen Leistungen und Kosten sich daraus ergeben, kann daher heute noch nicht prognostiziert werden."
Der Verband sieht sich aber gut gerüstet, denn "die private Pflegepflichtversicherung bildet im Unterschied zur gesetzlichen Pflegeversicherung kapitalgedeckte Alterungsrückstellungen für ihre Versicherten und sorgt damit nachhaltig für die demografische Entwicklung vor." Die Rückstellungen betragen derzeit nach aktuellen Zahlen des Verbandes 34,5 Mrd. Euro alleine für die Pflegeversicherung. Im Vorjahr waren es 32,55 Mrd. Euro gewesen – die aktuellen Zahlen zu den Rückstellungen in der PKV veröffentlicht der Verband nächste Woche in Berlin.
Wie lange die aufgestockte Reserve reichen wird, um die Beiträge einigermaßen stabil zu halten, kann aktuell auch der Verband nicht sagen, denn niemand weiß, welche Kosten das neue Gesetzt mit sich bringen wird. Doch wenn das Polster durch die Leistungsaufstockungen in der Pflege aufgezehrt werden wird, muss ein neues gebildet werden. Dieses neue Ruhekissen müssen natürlich auch in der PKV die Versicherten füllen. Eine Alternative gibt es bei der steigenden Lebenserwartung und höheren Pflegekosten außerhalb von Zuwendungen aus dem Steuertopf nicht. (vwh/mv)
PKV · GKV · Pflege · Gesundheitssystem · Jens Spahn
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