Märkte & Vertrieb

Nur Insellösungen mit Big Data in der Branche

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Justyna Mekler. Die Pläne von Amazon im Kfz-Versicherungsgeschäft nehmen Gestalt an. Das setzt Versicherer unter Druck, Kompetenz im datengetriebenen Versicherungsgeschäft aufzubauen. Das Internet der Dinge wird das traditionelle Versicherungsgeschäft radikal verändern. Die Versicherungsbranche ist eine datengetriebene Industrie.
Darum wird das Internet der Dinge mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit das Versicherungsgeschäft in eine neue Dimension katapultieren, weg von angestaubten Statistiken aus historischen Daten hin zu Echtzeitdaten mit dem Potenzial prospektiver Betrachtungen. Doch bis die Versicherer reif für das neue Zeitalter sind, müssen sie ihre schwerfälligen Geschäftsprozesse verschlanken und die IT entrümpeln.
Dem Druck durch das Internet der Dinge werden sich die Versicherer langfristig nicht entziehen können. Wenn wir über Digitalisierung reden, haben wir in der Regel neue Formen der Kundenansprache und besseren Service im Auge. Doch viel weitreichender als die Veränderung durch die Smartphones in den Händen der Kunden ist das Internet der Dinge insgesamt.
Nach Schätzungen von IHS Markit hat sich die Zahl der Internet-fähigen Geräte in den vergangenen zweieinhalb Jahren verdoppelt. Das intelligente Auto biegt gerade auf den Datenhighway ein, doch das Smart Home steckt noch in den Kinderschuhen und vor allem die Industrie steht an der Schwelle einer gigantischen Revolution. Wir sprechen heute nicht nur über smarte Gebäude und smarte Fabriken, sondern über smarte Städte, smarte Stromtrassen, smarte Schiffe und smarte Messgeräte. Die Vermessbarkeit der Welt bekommt eine neue Dimension.
Im Jahr 2015 prognostizierten die Marktforscher von IHS Markit, dass es bis 2020 31 Milliarden vebundene Geräte weltweit geben wird. Diese Zahl haben wir bereits jetzt schon erreicht. Mehr als die Hälfte der internetfähigen Dinge sind in der Telekommunikation (16,8 Milliarden) vorhanden, weitere 5,9 Milliarden Geräte sind bei Endverbrauchern anzutreffen und 5,4 Milliarden in der Industrie. Angesichts dieser Zahlen scheint die Prognose von Intel, dass es nach zwei Jahren 200 Milliarden internetfähige Dinge geben wird, gar nicht so unrealistisch.
Das Internet der Dinge stellt das Versicherungsgeschäft auf den Kopf. Versicherer werden mit Echtzeitdaten arbeiten können. Die Statistiken und Tafeln werden nur noch historischen Wert haben. Spätestens mit dem neuen Mobilfunk-Standard 5G wird das Internet der Dinge seinen ganz großen Durchbruch erleben. Vorreiter wird immer mehr China, wo mit Daten komplett anders umgegangen wird als in Europa.
Zhong An bereitet dem großen Durchbruch der Telematik mit seiner Big Data Plattform Data Cube den Weg. Die Datenplattform soll weit mehr Informationen sammeln als das Fahrverhalten her gibt. Die aufstrebende chinesische Autoindustrie soll durch den Data Cube auch Informationen zur Verbesserung ihres Kundenservices bekommen und über die Kreditwürdigkeit von Autokäufern.
Die europäischen Versicherer tasten sich in die neue Welt des Versicherns vor. Kfz-Versicherer beginnen damit, Daten aus ihren Telematik-Tarifen zu analysieren, andere bauen erst noch neue Data Warehouses für den Einsatz von Echtzeit-Daten auf, in der Transportversicherung erkundet man den Einsatz von Sensoren zur Schadenprävention, Insurtechs analysieren Schadendaten mit künstlicher Intelligenz, um Betrugsmuster aufzuspüren, KI-Unternehmen unterstützen Versicherer bei der Analyse von Marktdaten von Aggregatoren.
Die Versicherungsbranche hat Data Analytics und KI vornehmlich als Instrumente zur Verbesserung der Kundenansprache begriffen. Doch die zunehmende Datenmenge und Datenkompatibilität wird die Versicherer in die Lage versetzen, Tarifierung, Underwriting und Annahme genauso zu verändern wie die Schadenbearbeitung, die Steuerung von Dienstleistern, das Fallmanagement bis hin zur Reservierung.
Was das Thema Big Data und Data Analytics anbetrifft, scheint die Anfangseuphorie vorbei. Versicherer haben erkannt, dass mehr als ein Tageswerk nötig ist, um vorhandene Datenbestände zu homogenisieren und Big-Data-fähig zu machen. Doch das ist erst der Anfang einer Entwicklung, die mittelfristig sehr produktive Ergebnisse zeigen wird. Die Versicherer räumen alte Bestandssysteme auf oder bauen neue. Diejenigen, die es noch nicht tun, denken darüber nach. Es ist an der Zeit, aktiv zu werden.
Bild: Justyna Mekler, Senior Consultant bei Sollers Consulting (Quelle: Sollers)
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