Märkte & Vertrieb

Digitalisierung: "Keine Strategie, nur Technologie"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der digitale Wandel treibt die Branche bereits seit langem um und rüttelt dabei auch an manch gefestigten Strukturen. Doch was sind die Folgen daraus? Antworten darauf gab es gestern auf der ConnFerenz des Innovationszentrums Connected Living e.V. in Berlin. Eine davon lautet: "Sie ist eben keine Strategie, sondern nur eine Technologie".
Dabei betont David Stachon, Vorstand der Generali Deutschland und Vorstandschef der Tochter Cosmos Direkt, dass man zwar eine langweilige und unbeliebte Branche sei, aber das Geschäftsmodell seit 400 Jahren erfolgreich betreibe. Man mache als Branche also vieles richtig, aus dem man lernen könne. Gleichzeitig müsse natürlich vieles verändert werden. Angst vor vermeintlichen Konkurrenten vor allem aus der Automobil- oder Technologiebranche sei im Prinzip unbegründet, da alle neuen Player eines nicht wollen: Risiken tragen. "Das ist unser Kernmodell, wir verdienen Geld damit, wenn etwas schief geht", so seine Auffassung", konstatierte der Generali-Manager.

Ins Risiko gehen bevor etwas passiert

Im Übrigen warnte er vor einer Glorifizierung der Digitalisierung als neue Strategie. "Sie ist eben keine Strategie, sondern nur eine Technologie", erläuterte er. "Sie verändert nur die Art und Weise, wie wir unser Geschäft machen, nicht das Geschäft selbst." Die Wertschöpfung an sich ändere sich dadurch nicht. Wichtiger Vorteil digitaler Angebote der Generali wie Domocity (Smart Home), Vitality (Gesundheit) und Mobility (Kfz) sei deren präventives Potenzial.
"Wir können ins Risiko gehen, bevor etwas passiert", so Stachons Vision. Generali als digitaler Vorreiter der deutschen Versicherungswirtschaft – er bezeichnete Cosmos Direkt als größten funktionierenden Fintech Europas – habe bereits 1,5 Millionen Kunden mit Smart-Home-Komponenten im Bestand. Insgesamt aber sei Deutschland bei digitalen Anwendungen weit weg von der europäischen und weltweiten Spitze.

Lösungen für die Lebenswelten der Kunden

Für Fred Wagner, Vorstand des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig, ergeben sich aus den technologischen Möglichkeiten wie Sprachsteuerung, Internet der Dinge, Big Data und Künstliche Intelligenz zwingend Aufgaben für die Versicherungswirtschaft. Beispiel Big Data: Viel mehr als die Daten, die die Versicherer auch bisher aus ihrem Geschäftsbetrieb gesammelt haben, seien nicht dazu gekommen.
Dabei sei es nötig – schon getrieben durch die Erfahrungen der Kunden, die sie mit anderen Branchen machen – ihre Bedürfnisse proaktiv zu erkennen und zu befriedigen, als Lebensberater aufzutreten und dafür massiv den Kundenkontakt zu erhöhen. Kunden, erinnert er, würden nicht in Produkten denken, sondern in Lebenswelten wie Gesundheit, Mobilität, Wohnen und Reisen. Lösungen der Versicherer müssten vor allem sicher und komfortabel sein.
Wichtigster Blocker bei der digitalen Transformation seien konservative Strukturen und traditionelle Unternehmenskulturen bei Versicherern. Aber auch eine fehlende Konzentration auf ihre Kernkompetenzen, geringer Automatisierungsgrad, teure Vertriebe, fehlende Einbeziehung der Kunden in digitale Erlebnisse und kaum Mehrwertleistungen seien Beispiele für Hemmschuhe.

Versicherungsbranche wird schrumpfen

Einher mit der digitalen Entwicklung gehe eine Konsolidierung der Versicherungsbranche, ist Stachon überzeugt. Man werde internationaler, schlanker und wahrscheinlich werde man mit zehn bis 30 Versicherer auskommen statt den jetzt 300. "Aber solange das menschliche Leben risikobehaftet ist, wird es uns als Versicherer geben", ist er überzeugt. Ein Veto für regionale Versicherer legte Martin Fleischer ein, im Konzern Versicherungskammer Geschäftsführer des Startups Da Home Venture.
"Regionales Verständnis bleibt entscheidend", ist er überzeugt. "Nicht alles kann über Amazon abgedeckt werden." Die Bedürfnisse der Kunden seien regional unterschiedlich, Nähe sei wichtig. Nicht ohne Grund sei man als Versicherungskammer 2017 stärker als der Markt gewachsen. (epo)
Bildquelle: epo
Digitalisierung · David Strachon
Auch interessant
ZurückWeiter