Köpfe & Positionen

Worauf kommt es in der Litigation-PR bei der Managerhaftung an?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Von Henning Schaloske und Martin Wohlrabe. OP gelungen, Patient verstorben: So lässt sich manche juristische Auseinandersetzung rund um Top-Manager zusammenfassen, wenn Recht und Kommunikation nicht ganzheitlich gedacht werden. Denn es hilft einem Vorstand nur wenig, wenn er zwar einen Haftungsprozess gewinnt, in der öffentlichen Meinung aber medial verbrannt ist.
Die Meldung machte schnell ihre Runde: "VW prüft Haftung von Winterkorn". Ein weiteres Beispiel für einen stärker werdenden Trend, der mittlerweile Manager von Unternehmen jeder Branche und Größe betrifft: Unternehmen, die ihre ehemaligen Führungskräfte finanziell bluten lassen wollen. Werden solche Infos an Medien durchgestochen, müssen Betroffene aufpassen. Denn: Managerhaftungsprozesse sind spannend für die Öffentlichkeit und bedrohen stärker denn je den Ruf von früheren Vorständen. Ex-Bilfinger-Chef Roland Koch oder eben Winterkorn sind nur prominente Beispiele für eine Diskussion, bei denen es im Hintergrund um D&O-Versicherungen geht. In diesen Fällen wird Öffentlichkeitsarbeit im Rechtsstreit (die sogenannte Litigation-PR) stets dann relevant, wenn der Reputationsverlust wirtschaftlich betrachtet mindestens so gravierend ist, wie jedes denkbare Urteil.
Die Kosten für die PR-Beratung sind meist durch marktübliche D&O-Policen gedeckt. Die Litigation-PR hilft, den guten Ruf zu schützen. Dabei geht es nicht darum, ein PR-Paralleluniversum neben der eigentlichen juristischen Auseinandersetzung aufzubauen. Vielmehr werden z.B. Journalisten Hintergründe zum Fall erläutert und hilfreiche Informationen leichtverständlich aufbereitet. Ziel ist es, eigene Argumente in der öffentlichen Debatte an den Mann zu bringen und so eine faire Berichterstattung zu erreichen – mittels gut orchestrierter Medienarbeit.
Denn nur wer heutzutage alle kommunikativen Entwicklungen einkalkuliert, geht am Ende des Tages aus einem Rechtsstreit erfolgreich hervor. Und dies nicht nur vor Gericht, sondern vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Kommunikation reicht dabei von grundlegenden Erklärungen, wie ein juristisches Verfahren funktioniert bis hin zu komplexen Fragen über rechtliche Einzelheiten.
Was Betroffene schnell aus dem Blick verlieren: Die Öffentlichkeit urteilt besonders in rechtlichen Auseinandersetzungen nach Moral und Gerechtigkeit und nicht wie die Justiz nach Recht und Gesetz. Gerade für Manager ist es daher wichtig, sich rechtzeitig erfahrene Unterstützung zu holen. Denn andernfalls stehen sie den hochgerüsteten PR-Abteilungen ihrer ehemaligen Arbeitgeber allein gegenüber.
Autoren: Martin Wohlrabe ist Geschäftsführer der Litigation-PR-Agentur CONSILIUM Rechtskommunikation GmbH. Henning Schaloske ist Managing Partner von Clyde&Co in Deutschland und Experte im Bereich Managerhaftung und D&O-Versicherung.
Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)
Managerhaftung · Litigation-PR
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