06.06.2018Schlaglicht

Wie gestresst sind Vermittler wirklich?

Von VW-RedaktionVW heute
Überstunden, Dauerregulierung und Automatisierung: Vermittler werden heute weniger körperlich, sondern vor allem physisch auf die Probe gestellt. "Besonders Einzelkämpfer sind gefährdet", sagt Katharina Heder. Die Marketingberaterin und Dozentin, spricht im Interview mit VWheute über die psychischen Belastungen von Vermittlern und wie man Stress abbaut.
VWheute: Sind Vermittler heute mehr als zum Beispiel vor zehn Jahren gestresst?
Katharina Heder: Wir alle sind durch die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung heute durch Arbeit ganz anders als früher – weniger körperlich und mehr psychisch – belastet. Bei Maklern kommt die Dauerregulierung hinzu. Die fortlaufende Veränderung der Arbeit, die Anpassung an neue Anforderungen und der Anstieg von Bürokratie sind nur drei Stressoren, die täglich auf alle Marktteilnehmer einprasseln. Viele Branchen sind derzeit zum Umdenken gezwungen. Bei der Finanzdienstleistungsbranche kommen zusätzlich Regulierungen hinzu. Kaum hat man sich an die IDD gewöhnt, kommt mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die nächste Hürde dazu. Das behindert das Kerngeschäft und führt dazu, dass Überstunden in fehlende Freizeit münden. Hieraus kann sich eine gefährliche Spirale entwickeln, die Burnout zur Folge haben kann. Hier sehe ich besonders die Einzelkämpfer gefährdet.
VWheute: Ist Stress nicht häufig hausgemacht?
Katharina Heder: Auf jeden Fall. Wir treiben uns mit Anforderungen an wie Streng dich an! Beeil dich! Sei perfekt! Sei stark! Sei beliebt! Dadurch verlieren wir uns selbst aus den Augen. Psychische, aber auch körperliche Krankheiten sind nicht selten die Folge davon. Um dem vorzubeugen, sollte man sich und seine Arbeit immer wieder selbst betrachten. Das Tagesziel kann zum Beispiel nicht darin bestehen, n, alle anstehenden Aufgaben abzuarbeiten. Modernes Arbeiten heißt Aufgaben zu organisieren und der Frist entsprechend zu erledigen. Wenn die Energie nachlässt kann es sinnvoll sein, eine Arbeit zu verschieben und dann mit frischer Kraft in Angriff zu nehmen. Für solche Strategien hilft es, sich der eigenen Ressourcen bewusst zu werden. Welche erprobten Strategien passen zu mir? Wo kann ich Hilfe bekommen? Die Deutsche Makler Akademie bietet dazu unterschiedliche Seminare an, bei denen Teilnehmer Strategien und Methoden üben, sodass jeder seinen Weg finden kann. Nicht jede neue Methode und jeder gute Ratschlag hilft jedem. Tatsächlich sind wir Gewohnheitstiere und es erfordert meist mehr Energie sich etwas Neues anzugewöhnen als sich für den Status Quo Handlungsoptionen zu überlegen.
VWheute: Woran merke ich, dass Stress krank macht?
Katharina Heder: Die meisten Menschen merken den Übergang überhaupt nicht. Sie merken aber, dass sie anfälliger für Krankheiten sind und die Leidenschaft für den Job zurückgeht. Erste körperliche Anzeichen sind ein verspannter und schmerzender Schulter-Nackenbereich, Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden sowie Schlafstörungen. Spätestens dann, wenn der Stress auf den Körper übergreift, sollte man zu einem gesunden Lebensstil zurückkehren – auch wenn es schwierig ist. Ohne Hilfe von Ärzten, Therapeuten und Coaches ist dies anspruchsvoll.
Interview: epo
Bild: Katharina Heder
Vermittler · Digitalisierung
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