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MDK: Weniger Kunstfehler - aber immer die gleichen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ärzte genießen in Deutschland von Natur aus ein hohes Vertrauen. Umso fataler wenn den - vermeintlichen - "Halbgöttern in Weiß" ein sogenannter Kunstfehler unterläuft. Nach Angaben des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) ist die Zahl der Behandlungsfehler im vergangenen Jahr zwar leicht zurückgegangen. Umso schlimmer, dass bestimmte Fehler immer wieder passieren.
Demnach wurden laut MDK im letzten Jahr bundesweit insgesamt 13.519 Sachverständigengutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern erstellt. Dabei bestätigten die MDK-Fachärzte bestätigten jeden vierten Behandlungsfehlerverdacht (24,7 Prozent). In jedem fünften Fall (19,9 Prozent) stellten sie fest, dass die Schädigung des Patienten durch den Fehler verursacht wurde. Damit bestätigten die Fachärzte laut MDK 3.337 Fehler, bei denen Patientinnen und Patienten zu Schaden gekommen sind.
Davon bezogen sich 31 Prozent (4.250 Fälle) aller Vorwürfe auf Orthopädie und Unfallchirurgie, 13 Prozent (1.746 Fälle) auf Innere Medizin und Allgemeinmedizin, " Prozent (1.203 Fälle) auf Allgemeinchirurgie, 8 Prozent (1.150 Fälle) auf Zahnmedizin, ebenfalls 8 Prozent (1.041 Fälle) auf Frauenheilkunde und 5 Prozent (663 Fälle) auf die Pflege.
"Eine hohe Zahl an Vorwürfen lässt aber nicht auf eine hohe Zahl an tatsächlichen Behandlungsfehlern schließen und sagt auch nichts über das Risiko in einem Fachgebiet aus", erklärt Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern. Am häufigsten bestätigten die MDK-Fachärzte demnach Fehlervorwürfe in der Pflege (49,8 Prozent), gefolgt von der Zahnmedizin (35,2 Prozent) und an dritter Stelle Frauenheilkunde (27 Prozent).
"Unsere Bilanz fällt ernüchternd aus: Wir sehen immer wieder die gleichen Fehler und zwar auch solche, die nie passieren dürften, weil sie gut zu vermeiden wären – vom im Körper vergessenen Tupfer bis hin zu Verwechslungen von Patienten und falschen Eingriffen", konstatiert Stefan Gronemeyer, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des MDS. "Viele Vorwürfe beziehen sich auf chirurgische Eingriffe, weil Patienten diese oft leichter an den Folgen erkennen können als zum Beispiel Medikationsfehler", ergänzt Zobel.
Und dennoch: "Die in Deutschland verfügbaren Daten zu Behandlungsfehlern sind nicht repräsentativ für das Fehlergeschehen und erlauben daher kaum Rückschlüsse auf die Patientensicherheit. Man muss von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Deshalb sollten fehlerbedingte Schadensereignisse systematisch erfasst und analysiert werden, um gezielter Fehler vermeiden zu können. Denn jeder Fehler, aus dem heute nicht gelernt wird, kann sich morgen wiederholen und erneut Schaden verursachen", stellt Max Skorning, Leiter Patientensicherheit beim MDS, fest. (vwh/td)
Bildquelle: Allianz Deutschland
Behandlungsfehler · MDK
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