Politik & Regulierung

GDV befürwortet Rente mit 69

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat konkrete Erwartungen an die heute zum ersten Mal tagende Rentenkommission. Vor allem Riester müsse an heutige Bedingungen angepasst werden, forderte GDV-Geschäftsführungsmitglied Peter Schwark am Dienstag in Berlin. Riester habe 18 Jahre lang im Prinzip keine Veränderungen erfahren, lautet sein Hauptvorwurf.
Vor allem der förderberechtigte Personenkreis müsse auf alle Steuerpflichtigen ausgedehnt werden, die ein Einkommen erzielen. Momentan gebe es eine zweiseitige Liste darüber, wer konkret förderberechtigt ist. Selbstständige sollten unbedingt Zugang bekommen. Auch die Förderhöchstgrenze von 2.100 Euro, die bei Einführung vier Prozent der Bemessungsgrenze umfasste und seitdem nominal eingefroren ist, entspricht in keiner Weise der Realität.
"Die Löhne sind seitdem um rund 30 Prozent gewachsen, so dass die Grenze auf mindestens 3.000 Euro angehoben werden muss", so seine zweite Forderung. Drittens erwartet er, dass das momentane Prüfverfahren bei Zulagen verändert wird. Die Zulagenstellen würden erst zahlen und dann prüfen, was nicht selten dazu führe, dass schon erhaltenes Geld zurückgezahlt werden muss. Das sei psychologisch ganz unklug.
Die Zertifizierung und Klassifizierung neuer Produkte seien für die Versicherer ein Ärgernis, weil es Monate dauern könne, bis man damit in den Markt gehen kann. Und schließlich müsse die Einführung der säulenübergreifenden Renteninformation, wie sie im Koalitionsvertrag angekündigt ist, politisch begleitet werden. Es müsse klare Regeln zum Datenschutz geben, etwa wie man Kunden identifiziert. Schwark schlug vor, die Renten-ID zur korrekten Zuordnung zu verwenden.

Keine Denkverbote für Rentenkommission

Bei der gesetzlichen Rente dürfe es keine Denkverbote geben, so sein dringender Rat an die Rentenkommission. Vor allem die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei eine Stellschraube, die nicht unwesentlich Einfluss auf künftige Renten- und Beitragshöhen nehmen kann. Wie sich diese und andere Stellschrauben auf die Entwicklung des Rentensystems bis zum Jahr 2040 und darüber hinaus mit großer Wahrscheinlichkeit auswirken, können Versicherte künftig selbst ausprobieren. Mit seinem neuen Online-Rechner "Rentenminister", der gemeinsam mit der Prognos AG entwickelt und gestern in Berlin vorgestellt wurde, will der GDV Versicherten die Möglichkeit geben, "Politiker zu spielen".

Auch als Steuerzahler zur Kasse gebeten

Doch aus dem Spiel wird schnell Ernst, wenn der Rechner die Ergebnisse der Ministertätigkeit anzeigt. "Die gesetzliche Rente wird deutlich teurer", unterstrich Oliver Ehrentraut, Vize-Direktor von Prognos. "In den nächsten Jahrzehnten muss das System in jedem Fall mit hohen Milliardenbeträgen aus dem Steueraufkommen finanziert werden." Denn egal welche Stellschraube angesetzt wird – zur Auswahl stehen beim "Rentenminister" Beitragssatz, Rentenniveau, Lebensarbeitszeit und Bundeszuschuss (Steuergelder): Das Nachsehen haben immer die Versicherten.
Und das doppelt, denn ihnen drohen nicht nur höhere Beiträge oder abgespeckte Renten, sondern sie werden auch als Steuerzahler ordentlich zur Kasse gebeten. "Eine Stabilisierung des Beitrags- und Rentenniveaus durch politische Eingriffe muss zu einem großen Teil von Arbeitnehmern und Rentnern bezahlt werden, die damit eigentlich entlastet werden sollen", warnt Ehrentraut daher.

GDV steht bereit

Die geplante "doppelte Haltelinie" bis 2025 – Rentenniveau von 48 Prozent, Beitragssatz von 20 Prozent – greife eindeutig zu kurz, da die eigentlichen Probleme erst danach beginnen. "Einzig die Stellschraube Lebensarbeitszeit wirkt sich positiv auf Beitragssatz und Bundeszuschuss aus, so dass eine Anhebung des Renteneintritts etwa auf 69 Jahre mit Blick auf die demografische Entwicklung in die Überlegungen der Rentenkommission unbedingt einbezogen werden sollten", ergänzte Schwark. Der GDV stehe der Kommission mit seiner Expertise zur Verfügung. Einen Zeitplan, wann der GDV direkt in die Arbeit einbezogen wird, gebe es noch nicht. (epo)
Bild: Peter Schwark (Quelle: GDV)
GDV · Rente · Prognos
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