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Bedrohung durch Cyber-Angriffe und Terror wächst

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Bewusstsein für die Gefahren von Cyber-Angriffen ist nach Einschätzung der Chubb Versicherungsgruppe in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Nahezu jedes Unternehmen könne davon betroffen sein, betonte Andreas Wania, Hauptbevollmächtigter in Deutschland. Allerdings sei hierzulande bei den Versicherungssummen im Bereich Cyber im Vergleich zu den USA noch viel Luft nach oben.
"In Amerika ist man uns insgesamt drei bis vier Jahre voraus", so Wania beim ersten Chubb Media Round Table "Cyber & Terrorismus". Dort betrage die Versicherungssumme heute bereits etwa zwei Mrd. Dollar, wohingegen in Deutschland nur etwa 70 Mio. Euro an Cyber-Schäden versichert seien.
Trotz der von der von Wania beobachteten "steilen Lernkurve" haben besonders mittelständische Betriebe den Schuss anscheinend noch nicht deutlich genug vernommen. Nach einer GDV-Studie schätzt nur ein gutes Drittel der Geschäftsleitungen das Cyber-Risiko für ihr eigenes Unternehmen als relevant ein. Der Rest zeigt eher geringeres Gefahrenbewusstsein oder fühlt sich aufgrund der Unternehmensgröße weniger betroffen.
Dass dies ein Trugschluss sein kann, darauf verwies Michael Winte, Cyber Risk Experte beim Versicherungsmakler Funk in Hamburg. Das Problem seien vor allem die hohen Kosten, die mit einer Betriebsunterbrechung einhergehen könnten. Er stellte klar: "Die IT und ihre ständige Verfügbarkeit ist zur zentralen Ressource in den Unternehmen geworden." Allerdings entstünden nur etwa 50 Prozent der Schadensfälle durch Cyber-Angriffe von außen. Für die andere Hälfte seien interne technische oder menschliche Fehler verantwortlich.
Besonders gefährdet sind nach Erfahrungen von Natalie Kress-Happel, Cyber Expertin bei Chubb, Unternehmen, die mit vertraulichen Daten ihrer Kunden arbeiten. Die Schulung der Mitarbeiter müsse einen höheren Stellenwert erhalten. Untersuchungen hätten ergeben, dass etwa 57 Prozent von Cyber-Attacken über E-Mails erfolgten und dass die Angreifer immer noch auf Gutgläubigkeit oder mangelnde Erfahrung der Empfänger setzten.
Dies ist allerdings nur ein Teilbereich der Gefährdung. Um alle Betriebsbereiche auszuleuchten, so Kress-Happel, müsste zunächst ein "Risiko-Dialog" mit den Kunden geführt werden, um mit Hilfe fachlicher Expertise das Gefahrenpotenzial erfassen und Handlungsempfehlungen formulieren zu können. Das Konzept beinhaltet auch die Unterstützung des Kunden im Krisenfall. "Dort kann es mitunter um sehr viel Geld gehen", erklärte Yvonne Zavelberg, Technik-Expertin bei Crawford & Company, Kooperationspartner von Chubb im Bereich Schadenmanagement. Und dann zähle eine schnelle Reaktion, umgehende Beratung des geschädigten Kunden und die unmittelbare Ergreifung erforderlicher Gegenmaßnahmen.
Ein Thema, das zur Zeit in Deutschland noch wenig im Fokus der Unternehmen steht, ist die Absicherung von Terror-Risiken. Im Gegensatz zur Cyber-Versicherung sei eine Anti-Terror-Police primär auf Sachschäden und in zweiter Linie auf Personenschäden ausgerichtet, erläuterte der für diesen Sektor zuständige Chubb-Experte Peter Brink. Der "Maschinenhersteller auf der Schwäbischen Alb“ fühle sich freilich bis jetzt kaum betroffen.
Aber Unternehmen in den Zentren der Metropolen oder in der Nähe von gefährdeten Objekten wie Flughäfen, Bahnhöfen oder anderen typischen Terrorzielen würden das Problem zunehmend erkennen und für diesen Bereich etwaige Betriebsunterbrechungen absichern. Dem stimmte auch Julia Günther, Spezialistin für Terror beim Versicherungsmakler Aon, zu. 15 Anschläge habe es bisher in Deutschland gegeben. Mit einem weiteren Anstieg müsse gerechnet werden. (mvb)
Bild: Andreas Wania (Quelle: mvb)
Cyber · Aon · Terror · Chubb
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