04.06.2018Märkte & Vertrieb

Voss: "Langfristige Absicherung steht im Vordergrund"

Von Maximilian VolzVW heute
Versicherungs-Start-ups rocken derzeit bekanntlich die Branche. Allerdings benötigen auch diese einen soliden Rückversicherungsschutz. Stephen Voss, Vorstand der Neodigital AG, spricht im Exklusiv-Interview mit VWheute darüber, welche Rolle der Rückversicherer für das Insurtech spielt und welche Kriterien das Start-up bei der Wahl des richtigen Partners anlegt.
VWheute: Was muss ein Rückversicherer (RV) heute können, was erwarten Sie?
Stephen Voss: Natürlich muss der RV zunächst einmal alle Anforderungen an ein solides und top geratetes Unternehmen erfüllen, sei dies aus ökonomischer Sicht, aber auch aus regulatorischer Sicht. Ebenso wichtig sind aber auch die Fähigkeiten des RV, Dinge weiterzudenken, visionär nach vorne zu schauen und die Fähigkeit, gemeinsam neue Ideen weiterzuentwickeln. Das klingt nach einer sehr hohen Erwartungshaltung - und dem ist auch so.
VWheute: Welche Rolle spielt der RV in der Unternehmenspraxis von Neodigital?
Stephen Voss: Eines vorweg: Die Neodigital Versicherung AG ist ein durch die Bafin reguliertes Unternehmen. Wir wollen den Versicherungsmarkt nach vorne bringen: Das, was wir aus anderen Branchen an Digitalisierung und Prozessvereinfachung kennen und schon heute von Verbrauchern genutzt wird gilt es auch in der Assekuranz umzusetzen. Dazu leisten wir unseren Beitrag und dafür brauchen wir ein agiles und hoch performantes Netzwerk an Partnern. Das ist hier ganz klar Teamsport zwischen uns und dem entsprechenden Rückversicherer!
Ohne einen soliden und langfristigen Rückversicherungsvertrag, wie wir ihn mit der E+S Rück haben, wäre unser Modell einer digitalen, in Deutschland lizensierten Versicherungsfabrik gar nicht möglich. Die Bafin legt hier zu Recht besonders hohe Maßstäbe an und fordert eine absolut wasserdichte Rückversicherungsstruktur. Da wir von Anfang an ein in Deutschland reguliertes Unternehmen werden wollten und nun auch sind, war der RV Vertrag ein Meilenstein im Projekt Neodigital und ein maßgeblicher Schritt im Aufbau des Unternehmens als Risikoträger.
VWheute: Wie geht man als neues Unternehmen bei der Suche nach einem Rückversicherer vor?
Stephen Voss: Es klingt einfacher als es dann tatsächlich ist, aber bei der Suche bedient man sich entweder des eignen oder durch die Investoren vorhandenen Netzwerkes. Wir hatten das große Glück, dass wir zu den großen und etablierten Rückversicherern im deutschen Markt, damit sind nicht nur deutsche Rückversicherer gemeint, bereits sehr gute Verbindungen hatten.
Aber das gute Netzwerk ist das eine, eine schlüssige Story mit solide aufgebautem und realistischem Business Plan etwas ganz anderes. Man muss hier durch Kompetenz und Sachverstand punkten. Rückversicherer sind eben auch ökonomisch handelnde Unternehmen. Nur aufgrund einer netten Idee schenkt Ihnen auch dort niemand auch nur eine Minute kostbare Zeit. Den Rückversicherungsvertrag haben wir uns hart erarbeitet, indem wir mit unserem seriösen Konzept, unserem hohen Qualitätsanspruch und unserem digitalen Ansatz überzeugt haben - und darauf sind wir auch besonders stolz.
VWheute: Welche Kriterien haben Sie bei der Suche angelegt?
Stephen Voss: Als erstes steht natürlich eine langfristige Absicherung im Vordergrund und damit einhergehend der gerade für ein im Start befindliches Versicherungsunternehmen so wichtige Bilanzschutz. Gerade in der Anfangsphase mit wachsendem, aber dennoch zu Beginn kleinem eigenen Bestand, ist der Ausgleich im Kollektiv und in der Zeit, so wie wir es alle einmal gelernt haben, natürlich im Grunde nicht darstellbar.
Der Kollektivausgleich findet daher auf einer höheren Aggregationsebene, bei dem Rückversicherer statt. Das waren die harten Kriterien, es gibt aber auch noch die weichen. Besonders für ein Unternehmen wie die Neodigital Versicherung AG ist es trotz der langjährigen Expertise, die das gesamte Team im Versicherungsmarkt hat wichtig, einen direkten und kollegialen Zugriff auf die Ressourcen des Rückversicherers zu haben.
Das ergibt sich zwingend aus der besonders hohen Dynamik, die mit der Digitalisierung einhergeht. Da spielen Vertrauen und der Dialog auf Augenhöhe eine ganz wichtige Rolle. All das haben wir bei der Auswahl des Rückversicherers berücksichtigt und mit der E+S den absolut passenden Partner gefunden.
VWheute: Der Rückversicherungsmarkt klagt, dass keine adäquaten Preise am Markt durchgesetzt werden können, profitieren Sie als Erstversicherer davon (Sie als Kunde)? Was müssen die RV verbessern?
Stephen Voss: Wir haben das für uns optimale, auf die Neodigital zugeschnittene, Rückversicherungspaket gemeinsam mit der E+S zusammengestellt. Wir profitieren damit von dem Know-How und der finanziellen Stärke eines großen Partners. Dass dies zu Lasten des Rückversicherers geht, können wir nicht sehen und unsere Verhandlungen waren von einem tiefen gegenseitigen Verständnis geprägt.
Auch wenn ich hier nur für die Neodigital spreche, wir sehen auf Grundlage unserer bisherigen Erfahrungen keinen Anlass, dass unser Rückversicherer an irgendeinem Punkt nachbessern müsste. Alle unsere Themen wurden immer professionell und zügig mit einem klaren Fokus auf das Ergebnis hin gelöst. Für uns also ein idealer Zustand.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Stephen Voss, Vorstand der Neodigital AG, spricht heute beim "Brennpunkt Rückversicherung 2018" über den "Rückversicherungsbedarf eines Start-ups". (Quelle: Neodigital)
Rückversicherer · Neodigital Versicherung AG
Maximilian Volz
Maximilian Volz
Redakteur