Politik & Regulierung

Unwetter: Neue Forderung nach Pflichtversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Unwetter an Fronleichnam haben in weiten Teilen Deutschlands erneut erhebliche Schäden verursacht. Vor allem im Saarland, im Norden Baden-Württembergs und in Rheinland-Pfalz wurden zahlreiche Straßen durch Starkregen überflutet. Auch in Bayern haben die Wassermassen für vollgelaufene Keller und Schlammlawinen gesorgt. Verbraucherschützer fordern nun erneut eine Pflichtversicherung bei Elementarschäden.
"Eine Versicherungspflicht ist der einzig richtige Weg zu einer flächendeckenden Versicherung gegen Naturgefahren. Der Staat kann und wird nämlich Geschädigten nicht immer wieder mit Finanzhilfen unter die Arme greifen", fordert Sachsens Verbraucherschützerin Andrea Heyer gegenüber SZ-online: "Mit Kampagnen erreichen wir das Ziel auf freiwilligem Weg nicht. Das haben die letzten zehn Jahre gezeigt."
Zudem sei es "ein Denkfehler, denn eine Versicherung gegen Naturgefahren schützt ja nicht nur bei Ereignissen wie Hochwasser und Überschwemmung, sondern zum Beispiel auch gegen Erdrutsche und Schneedruck. Einer solchen Gefahr ist man auf einem Berg durchaus ausgesetzt. Außerdem, das zeigen die jüngsten Ereignisse im Vogtland, hat das Starkregenrisiko massiv zugenommen. Da muss man nicht in Flussnähe wohnen, um überschwemmt zu werden", erläutert Heyer weiter.
Als Vorbild nannte die Verbraucherschützerin die Schweiz. So gebe es bei den Eidgenossen "eine solche Versicherungspflicht auf der Grundlage eines Volksentscheids seit vielen Jahren. Dort ist eine Versicherung im niedrigen dreistelligen Bereich möglich".
Das diese durchaus sinnvoll sein kann, zeigen auch die ersten Schadenschätzungen der Schweizer Versicherer nach den Unwettern im Aargau und im Kanton Zürich am vergangenen Mittwoch. So rechnet die Allianz Suisse ersten Schätzungen zufolge mit rund 1.200 Schadenfällen und einem Schadenaufwand von rund vier Mio. Franken.
Teurer dürfte es hingegen für die Zurich kommen, die ersten Schätzungen zufolge von einer Schadenssumme von rund 6,3 Mio. Franken rechnet. So wurden dem Versicherer rund 1.500 Kfz-Schäden sowie etwa 400 Hausratschäden gemeldet. Bei der Mobiliar seien rund 760 Schadenmeldungen eingegangen. Die Axa registrierte bislang rund 1.700 Schäden. Kummuliert verzeichnen die vier Versicherer bislang Schäden von 21,45 Mio. Franken.
Relativ glimpflich kam bislang die Aargauer Gebäudeversicherung (AGV) mit 315 gemeldeten Schäden und rund 3,3 Mio. Franken. Allerdings geht die AGV davon aus, dass dies erst die Spitze des Eisberges ist. "Meistens trudeln auch Tage nach dem Unwetter noch Meldungen ein. Weil das Gewitter diesmal während Fronleichnam kam, waren viele Betroffene vielleicht gar nicht zu Hause und bemerken allfällige Schäden erst später", wird Unternehmenssprecherin Lorna Oliver in der Aargauer Zeitung zitiert.
Die deutsche Politik hingegen scheint jedenfalls noch auf das Prinzip "Freiwilligkeit" zu setzen. So hat die rheinland-pfälzische Landesregierung erneut an die Bürger des Landes appelliert sich gegen sogenannte Elementarschäden zu versichern. Zudem sollten die Bürger nicht darauf setzen, dass das Land für Schäden durch Unwetter zahlt. So gebe finanziellen Hilfen vom Land nur für Hausbesitzer, die sich nicht gegen Elementarschäden versichern könnten, betonte Umweltministerin Ulrike Höfken (B'90/Grüne).

Bislang nur schleppende Nachfrage bei den Versicherern

Bei den Versicherern selbst scheint das Geschäft mit dem Elementarschutz gegen Unwetter und Naturkatastrophen dennoch nur schleppend voranzukommen. So leisten sich derzeit elf Millionen Häuslebesitzer (von insgesamt 17,5 Millionen) den "Luxus", ihr Hab und Gut unversichert zu lassen. Obwohl laut GDV fast 99 Prozent davon "problemlos gegen Überschwemmungen und Starkregen" versicherbar seien. Vertriebe müssen also weiterhin viel Überzeugungsarbeit bei Kunden leisten.
Dabei hält Barbara Schick, Vorstand Schaden- und Unfallversicherung bei der Versicherungskammer Bayern, "das Elementarrisiko immer noch erklärungsbedürftig. Nach wie vor unterschätzen die meisten Hausbesitzer die Gefahr, Opfer von Starkregen oder Hochwasser zu werden. Einer repräsentativen Studie des Marktforschungsunternehmens GfK zufolge halten Eigentümer vor allem Feuer, Leitungswasserschäden, Sturm und Hagel für gefährlich. Nur zwölf Prozent sehen Überschwemmungen als Risiko für ihr Hab und Gut." (vwh/td)
Bildquelle: Falk Bluemel / PIXELIO (www.pixelio.de)
Elementarschäden · Pflichtversicherung
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