Politik & Regulierung

Re-Kalibrierung der ZZR noch für das 2018 geboten

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die deutsche Versicherungswirtschaft steht derzeit vor einigen Herausforderungen. Im Fokus stehen dabei unter anderem auch die Debatte um einen Run-off oder die Zinszusatzreserve (ZZR). Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund hält dabei eine Re-Kalibrierung der ZZR noch für das Bilanzjahr 2018 für geboten und will bei einem Run-off die Belange der Versicherten gewahrt sehen.

Zur Versicherungswissenschaft

Die Dynamik der ökonomischen, technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stellt alle Beteiligten vor die Herausforderung, sich abzeichnende Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und für sich die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es gibt einige Fragen, die es wert sind, vertieft zu werden – aus aufsichtlicher und wissenschaftlicher Sicht.
Hierzu zählen beispielsweise die Weiterentwicklung von Solvency II, insbesondere die Überprüfung der sogenannten LTG-Maßnahmen, die Frage nach den von der Versicherungsbranche ausgehenden systemischen Risiken und nicht zuletzt die Digitalisierung.
Ich würde es begrüßen, wenn sich die Versicherungswissenschaft in diesen Bereichen stärker einbrächte und wir diese Themen mit der deutschen und europäischen Versicherungswissenschaft noch intensiver diskutieren könnten.

Zur Run-Off-Debatte

Der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen – sei es durch die Veräußerung der Beteiligung an einem Lebensversicherungsunternehmen (Unternehmensverkauf) oder durch Bestandsübertragung – ist natürlich in erster Linie eine unternehmerische Entscheidung.
Allerdings hat der Gesetzgeber sowohl an einen Unternehmensverkauf als auch an eine Bestandsübertragung sehr strenge Anforderungen geknüpft, die jeweils die Wahrung der Belange der Versicherungsnehmer zum Ziel haben. Es ist unsere wichtigste Aufgabe, dies sicherzustellen. Die Bafin genehmigt einen Verkauf bzw. eine Übertragung nur, wenn die Belange der Versicherten gewahrt sind.
Um dies sicherzustellen, prüft die Bafin etwaige Anträge sehr sorgfältig und fordert im Zuge ihrer Prüfungen umfangreiche Prognoserechnungen an. Prüfungsgegenstand sind u.a. das Geschäftsmodell sowie die Zuverlässigkeit und die Strukturen des Erwerbs sowie dessen Fähigkeit, den Versicherer ausreichend zu kapitalisieren. Soweit erforderlich, stellt die Bafin durch geeignete Auflagen sicher, dass die Anforderungen dauerhaft eingehalten werden.

Zur Zinszusatzreserve

Der massive Zinsrückgang seit 2011 hat dazu geführt, dass die ursprüngliche Kalibrierung der ZZR nicht mehr angemessen ist. Durch die gegenwärtige Kalibrierung ist auch in den kommenden Jahren mit erheblichen Aufwendungen zur Finanzierung der ZZR zu rechnen. Aus Bafin-Sicht ist es weder erforderlich noch ratsam, diese – grundsätzlich sehr sinnvolle – Reserve weiterhin im bisherigen Tempo aufzubauen.
Darunter würde die Ertragskraft der Unternehmen leiden, da die Realisierung stiller Reserven oft nur zum Preis hoher Transaktionskosten und zulasten künftiger Erträge möglich ist. Da die Erträge der Unternehmen weit überwiegend den Versicherungsnehmern zufließen, würde dies wiederum deren Belange beeinträchtigen – und die Wahrung der Belange der Versicherungsnehmer ist die wichtigste Aufgabe der Versicherungsaufsicht.
Vor diesem Hintergrund hält die Bafin es für geboten, eine Re-Kalibrierung der ZZR noch für das Bilanzjahr 2018 vorzunehmen. Letztendlich handelt es sich hierbei jedoch um eine politische Entscheidung.
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.
Autor: Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund (Quelle: Bernd Roselieb / Bafin)
BaFin · Frank Grund
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