Politik & Regulierung

DSGVO: Dynamik um Datenschutz schwer abzuschätzen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach dem Start ist vor dem Start: Die Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland ist am 25. Mai noch nicht fertig mit den Vorbereitungen auf die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Für Versicherer können sich durch das europäische Gesetz sogar mehr Spielräume ergeben. Ein sauberer Umgang mit Daten hilft bei der Anwendung von Big Data Tools.
Der Facebook-Skandal rund um die Firma Cambridge Analytics hat kurz vor dem Ende der Übergangszeit der DSGVO die Unternehmen aufgeschreckt. Mitte März hatten elf Prozent der Unternehmen noch nicht mit der Umsetzung begonnen, stellte der IT-Verband Bitkom Mitte März nüchtern fest. Und ein Großteil wird mit der Umsetzung beim Start der DSGVO fertig sein. Mit dem 2012 geschaffenen Code of Conduct zum Datenschutz des GDV haben die Versicherer bereits so wichtige Dinge wie die Pseudonymisierung als Selbstverpflichtung festgeschrieben. Daten sind der elementare Rohstoff des Versicherungsgeschäfts.
Ohne Daten keine Tarifierung, je detaillierter die Daten, umso genauer die Tarifierung. Kranken- und Lebensversicherer verfügen über besonders sensible Daten und fallen deshalb unter den § 203 des Strafgesetzbuches, der die Verschwiegenheitspflicht von Ärzten, Anwälten, Pflegern und Versicherern regelt. Mit der Pseudonymisierung, wie sie in der Selbstverpflichtung des GDV steht, haben die Personenversicherer einen Weg gefunden, auch in ihrem sehr sensiblen Umfeld Datenportabilität zu ermöglichen.
Schaut man genau hin, wird deutlich, dass durch die DSGVO vor allem die Sanktionen klarer gefasst sind. Die Verordnung selber lässt durch die Formulierung "berechtigtes Interesse" vieles wieder zu, das eigentlich durch die Verordnung eingeschränkt werden sollte. Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) ist deshalb sogar optimistisch und berichtet, dass die Spielräume durch die DSGVO größer geworden sind.
So unklar wie das Gesetz ist auch die politische Konstellation. Während sich die Justizministerin Katarina Barley (SPD) für eine Offenlegung von Algorithmen stark macht, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt, dass Deutschland sich in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz mehr Kompetenz aufbauen muss. Jedem ist klar: Daten sind die Nahrungsgrundlage künstlicher Intelligenz und unreflektierter Datenschutz würde diese Technik in der Entwicklung hemmen.
Welche Dynamik sich letztendlich um den Datenschutz durch die DSGVO entwickelt, ist aufgrund der widerstreitenden Interessen schwer abschätzbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass in der Praxis Regierung und Gerichte so lange ein Auge zudrücken, bis ein Skandal in den Dimensionen von Facebook und Cambridge Analytics Deutschland aufweckt.
Ein sauberer Umgang mit Daten ist darum die beste Präventionsmaßnahme und daraus ergeben sich große Vorteile für die Versicherer. Garbage in – Garbage out: Ohne saubere Daten spuckt selbst die beste künstliche Intelligenz unbrauchbare Ergebnisse aus. Darum wird man in der Versicherungsbranche gut daran tun, den eigenen Datenhaushalt sauber zu halten und die IT so zu modernisieren, dass sie zur Autobahn für Big-Data-Tools taugt.
Autorin: Justyna Mekler, Lead Consultant bei Sollers Consulting (Quelle: Sollers)
Sollers Consulting · DSGVO
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