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Allianz: Gute Konjunktur bei steigenden Risiken

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Verliert das Wirtschaftswachstum in Deutschland schon wieder an Schwung? Der schwache Start ins Jahr 2018 sorgte hie und da für besorgte Mienen. Denn mit 0,3 Prozent hatte sich das Wachstum im ersten Quartal gegenüber dem letzten Quartal 2017 glatt halbiert. Diese Sorge mochte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise allerdings nicht teilen.
Anlässlich der Vorstellung des Konjunkturausblicks 2018/2019 führt er das Schwächeln der Konjunktur zu Jahresbeginn vor allem auf Sonderfaktoren wie höhere Krankenstände durch die Grippewelle, Streiks und die frühen Osterferien zurück. Die bisherigen Zahlen des zweiten Quartals könnten ihm recht geben. Dort kündigt sich speziell im laufenden Monat Mai bereits eine Konsolidierung an, wie Rolf Schneider, Leiter des Bereiches Makro Research, betonte.
Er glaubt allerdings nicht, dass sich der Rückgang der ersten drei Monate damit vollständig wettmachen lässt. Alles in allem rechnet das Unternehmen hierzulande mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent in 2018 und 1,9 Prozent im kommenden Jahr. 2017 lag der Wert mit 2,2 Prozent noch geringfügig höher. Deutschland liegt damit in etwa gleichauf mit dem Euroraum. Für 2019 erwarten die Experten hier allerdings ein um 0,1 Prozentpunkte höheres Wachstum.
Die Analysen der Allianz SE zeigen, dass die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen unverändert gut sind: Positive Ertragslage der Unternehmen, günstige Finanzierungsbedingungen, geringe Verschuldung, hohe Kapazitätsauslastung und Investitionsbereitschaft, z. B. im Bausektor, sowie positive Entwicklungen am Arbeitsmarkt würden dafür sorgen, dass der Aufschwung in Deutschland robust bliebe, so Heise: "Nach wie vor ist dabei der private Konsum die treibende Kraft des Wachstums."
Es scheint, dass daran auch gestiegene Lebenshaltungskosten, z. B. höhere Mieten oder steigende Ölpreise, wenig ändern. Immerhin liegt der Preis pro Barrel derzeit wieder bei 75 Dollar, während er vor Jahresfrist nur 48 Dollar betrug, wie Gregor Eder, Senior Economist Deutschland, berichtete. Gründe dafür sieht er u. a. in einem Wiedererstarken der OPEC, rückläufigen Investitionen in Förderanlagen sowie politische Faktoren - Stichwort: Iran. Er rechnet aber nicht mit einem dramatischen Anstieg. Der Ölpreis werde sich 2018 im Durchschnitt bei 70 - 75 Dollar bewegen.
Dass die Risiken für die Konjunktur zuletzt gestiegen sind, führt Chefvolkswirt Heise zu einem großen Teil auf äußere Faktoren zurück, die vor allem die positiven Exportdaten beeinträchtigen. Für den weltweiten Handel ergäben sich Unsicherheiten vor allem aus der protektionistischen Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung. Hoffnung mache aber, dass der Wirtschaftskonflikt mit dem wichtigen Handelspartner China einstweilen abgewendet sei.
Ein weiteres politisches Risiko sieht er in der aktuellen Entwicklung in Italien. Die negative Reaktion der Finanzmärkte auf den Vormarsch der Populisten hält der Experte freilich für überzogen: Immerhin habe Staatspräsident Sergio Matarella die Umsetzung einer radikalen Anti-Euro-Agenda verhindert. Ferner sei es in seinen Augen noch nicht ausgemacht, dass die antieuropäischen Kräfte aus der nun wahrscheinlichen Neuwahl gestärkt hervorgingen.
Unter Einbeziehung der neuen belastenden Faktoren erwarten die Allianz-Experten nur noch einen Zuwachs der realen Ausfuhr um 3,4 Prozent. "Unsere Prognose aus 2017 in Höhe von 5,6 Prozent mussten wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen erheblich nach unten korrigieren", so Schneider. Für 2019 werden nun 3,3 Prozent erwartet. (mvb)
Bild: Rolf Schneider (links) und Michael Heise (rechts). (Quelle: mvb)
Konjunktur · Allianz Global Investors · Michael Heise
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