Schlaglicht

Signal Iduna: Zwischen Vision und Wirklichkeit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Signal Iduna gehört derzeit nicht gerade zu den Versicherern, die im medialen Blätterwald für große Schlagzeilen sorgen. Geschuldet ist dies vor allem Konzernlenker Ulrich Leitermann: Seit rund fünf Jahren hält Nachfolger des jetzigen Aufsichtsratschefs Reinhold Schulte das Unternehmen auf Kurs - unaufgeregt und gelassen. Ob er mit damit auch richtig liegt, werden die Bilanzzahlen für 2017 belegen, die heute veröffentlicht werden.
"Ich bin nicht angetreten, um alles neu zu machen. Signal Iduna hat die richtige Strategie, um auch in Zukunft zu wachsen. Aber wir schauen uns auch gerade an, wo wir noch besser werden können und wie wir uns stärker von unseren Wettbewerbern absetzen können", sagte Ulrich Leitermann kurz nach seinem Amtsantritt 2013 im Interview mit dem Finanzmagazin Cash Online.
"Aber wir schauen uns auch gerade an, wo wir noch besser werden können und wie wir uns stärker von unseren Wettbewerbern absetzen können", konstatierte er damals weiter. Ein Puzzleteil sind dabei die strategischen Investitionen in die digitalen Neulinge. Rund 50 bis 100 Mio. Euro will der Konzern in den kommenden Jahren in strategische Beteiligungen investieren.
"Gesucht werden Investitionen und Kooperationen, es gibt viele spannende Geschäftsmodelle und dies nicht nur im Versicherungsbereich", betonte der Vorstandschef bereits vor einem Jahr: "Wir gucken nach neuen Modellen, die zeigen, dass wir mehr sind als ein reiner Versicherer. Digitalisierung ist vor allem Service". Dabei setzt der Konzernchef nicht zwangsläufig auf die Versicherungs-Start-ups.
"Neue Ideen entstehen nicht zwangsläufig nur in Start-ups, davon bin ich überzeugt. Sehen sie sich unsere Projekte wie den Telematiktarif AppDrive an; oder AppLife, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die eine App nutzt und anhand der gelaufenen Schritte des Kunden Rückerstattungen möglich macht. Diese Innovationen haben wir inhouse erdacht und dann mit externen Partnern schnell umgesetzt. Wichtig ist mir zu betonen, dass es immer Menschen sind, die die Ideen haben", erläuterte er im Exklusiv-Interview mit VWheute.

Politische und wirtschaftliche Großwetterlage

Dass der Konzern jedoch nicht frei von den Auswirkungen der politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage ist, zeigte in den vergangenen zwölf Monaten auch die intensive Debatte um die Zukunft der privaten Krankenversicherung und die Bürgerversicherung. Immerhin trägt die Krankenversicherung mit 2,7 Mrd Euro Beitragseinnahmen derzeit rund 50 Prozent zu den Einnahmen der gesamten Gruppe bei.
So verwundert es natürlich nicht, dass eine einheitliche Krankenversicherung - wie bei vielen Mitbewerbern auch - nicht gerade auf sonderlich viel Gegenliebe stößt. Denn: "Bei der Bürgerversicherung, die ich in diesem Kontext eindeutig als größtes Risiko für die Versicherungsbranche sehe, soll eines der besten Gesundheitssysteme der Welt mutwillig zerstört werden. Hier wird ein seit Jahrzehnten erfolgreiches, nachhaltiges und generationengerechtes System in Frage gestellt, das man eigentlich politisch fördern sollte".
Sorgenfalten bereiten dem Konzernchef allerdings auch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Gut für das Geschäft seines Unternehmens, das einen starken Schwerpunkt auf mittelständische Betriebe legt, ist sicher, dass "das Handwerk boomt", schlecht ist dagegen der daraus resultierende Fachkräftemangel.

Dauerstreit mit Adlon-Anlegern

Beinahe skurrile Züge nimmt hingegen die juristische Dauerfehde an. Anfang Februar zog Adlon-Investor Anno August Jagdfeld vor dem Dortmunder Landgericht gegen den Versicherungskonzern zu Felde. Der Vorwurf: "Absprachen über die Durchführung und Strategie einer Rufmordkampagne". Das Ziel: Schadenersatz über eine Mrd. Euro.
Dabei hatte der 71-Jährige bereits 2016 zunächst rund 500 Mio. Euro wegen angeblicher Rufschädigung gefordert. Allerdings sah das Gericht in erster Instanz keine entsprechenden Indizien dafür vorliegen. Entsprechend unaufgeregt reagierte der Vorstandschef daher auch auf Jagdfelds Vorwürfe.
"Wieso sollte ich dann also eine Kampagne ins Leben rufen? Ich hatte doch persönlich nicht mal Streit mit Herrn Jagdfeld", so Leitermann. Auch die Beteiligung an am Adlon-Fonds sei für die Signal Iduna keine große Sache für den Versicherer gewesen. Ein Ende ist bislang jedenfalls nicht in Sicht.

BVB-Police im Abseits?

Sportlich nimmt es die Signal Iduna derzeit auch bei den eigenen Hausrat-Policen: Mit der "Versicherung09" sollen die Versicherten künftig jedes Tor, welches der BVB künftig erzielt, sollen die Versicherten bares Geld zurückerhalten. Ergänzt wird das Ganze noch um eine sogenannte "Frustpauschale" von 50 Euro, wenn ein Fan das Spiel unverschuldet verpasst.
Ob sich das schwarz-gelbe Rabattsystem allerdings wirklich so meisterlich ist, bleibt hingegen offen. Legt man die Torausbeute der letzten zehn Jahre zugrunde, würde der geneigte Fan pro Jahr lediglich 5,30 Euro einsparen, rechnete jüngst der Stern vor.
Wahrlich visionär ist jedenfalls der Ausblick bis 2023: Bis dahin will der Konzern die Beitragseinnahmen von heute 5,7 Mrd Euro auf sieben Mrd erhöhen. Zudem soll der Ertrag soll 30 Prozent wachsen. So habe man damit unter anderem die Ausbildungsquote bei den Azubis erhöht, um dem mittelfristig drohenden Fachkräftemangel – bei einem Altersdurchschnitt von 47 Jahren und einer gut 21-jährigen Betriebszugehörigkeit ihrer Mitarbeiter – zu begegnen.
"Unsere Visionen beginnen mit unseren Wünschen", heißt es. Ob die "Vision 2023" tatsächlich Realität wird oder Wunschdenken bleibt, werden spätestens die Bilanzzahlen für 2017 zeigen. (vwh/td)
Bild: Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna (Quelle: Signal Iduna)
Signal Iduna · Ulrich Leitermann
Auch interessant
Zurück
29.05.2019VWheute
Signal verknüpft viele Visionen mit ihrem Trans­for­ma­ti­ons­pro­gramm Mit der "Vision2023" will Signal Iduna-Chef Ulrich Leitermann den …
Signal verknüpft viele Visionen mit ihrem Trans­for­ma­ti­ons­pro­gramm
Mit der "Vision2023" will Signal Iduna-Chef Ulrich Leitermann den Gleichordnungskonzern in eine starke Marktstellung bringen. "Das ist kein Sparprogramm, sondern wir investieren signifikant in das Know-how …
22.05.2019VWheute
CEOs im Leis­tungs­check: Wer ist der beste Versi­che­rungs­chef Deutsch­lands? Heute Platz 3 Wie gut performen die Spitzenmanager der …
CEOs im Leis­tungs­check: Wer ist der beste Versi­che­rungs­chef Deutsch­lands? Heute Platz 3
Wie gut performen die Spitzenmanager der Versicherungsbranche? Wie innovativ agieren sie? Was macht ihren Führungsstil aus? Und wie kommen sie außen an? Unter diesen Aspekten prüft die …
18.03.2019VWheute
Signal Iduna-Chef Leiter­mann hadert mit Daten­schutz­re­geln Spätestens seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben auch die …
Signal Iduna-Chef Leiter­mann hadert mit Daten­schutz­re­geln
Spätestens seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben auch die Versicherungskonzerne mit schärferen Datenschutzregeln zu tun. Ulrich Leitermann, Vorstandschef der Signal Iduna kritisiert indes …
15.02.2019VWheute
Signal-Iduna: Leiter­mann animiert Mitar­beiter zu krea­tivem Denken "Mit dem Thema Digitalisierung muss man frühzeitig beginnen - wer heute erst …
Signal-Iduna: Leiter­mann animiert Mitar­beiter zu krea­tivem Denken
"Mit dem Thema Digitalisierung muss man frühzeitig beginnen - wer heute erst damit anfängt, ist zu spät dran", stellte Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna bei einem Pressegespräch in …
Weiter