Märkte & Vertrieb

Neues Vermittlergesetz bremst den Bankenvertrieb

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Die spanische Regierung hat gerade den finalen Gesetzentwurf für ein neues Vermittlergesetz verabschiedet. Die beiden großen Stoßrichtungen sind eine Erhöhung des Verbraucherschutzes und eine stärkere Chancengleichheit unter den Vertriebskanälen. Das neue Gesetz stellt dabei vor allem den mächtigen Bankenvertrieb vor neue Herausforderungen.
"Zum Schutz der Versicherungskunden soll die Transparenz erhöht, Interessenkonflikte vermieden und eine adäquatere Produktentwicklung gefordert werden", heißt es in dem Gesetzentwurf. Er geht nun in die parlamentarische Beratung. Betroffen sind mehr als 3.200 Versicherungsmakler und rund 77.000 Versicherungsagenturen, die den Regularien der nationalen Aufsichtsbehörde DGSFP unterstehen. Mit einbezogen werden aber auch Vermittler, bei denen der Versicherungsvertrieb nicht die Hauptgeschäftsaktivität darstellt und Vergleichsportale im Internet.
Die Anforderungen an die persönliche Integrität der Vermittler wurden verschärft. Dazu wurde der Katalog der Vorstrafen deutlich erweitert, der eine Tätigkeit als Versicherungsvermittler verbietet. Bestandteil ist auch ein Informationsaustausch zwischen der DGSFP und den Aufsichtsbehörden anderer EU-Länder. "Insbesondere beim Eintrag in das Vermittlerregister wird die DGSFP regelmäßig Informationen zur persönlichen Integrität und der Ausbildung des Vermittlers austauschen", heißt es. Dazugehören soll aber auch eine automatische Information über eine Sanktion oder andere Verwaltungsmaßnahmen, die zu einem Ausschluss aus dem Vermittlerregister führen.
Bei den Voraussetzungen für den Beginn der Vermittlertätigkeit werden die bereits bestehenden Anforderungen an die Professionalität und Fachkenntnisse der Vermittler erhöht. Neue Anforderungen entstehen insbesondere für jene Assekuranzhäuser, die ihre Produkte direkt vertreiben. Bislang waren deren im Verkauf aktive Mitarbeiter von der Pflicht zum Nachweis der Fachkenntnisse befreit. Betroffen sein werden neue Mitarbeiter und jene, die erstmals Tätigkeiten mit Vertriebscharakter aufnehmen. Sie werden somit neben den für alle geltenden regelmäßigen Ausbildungsmaßnahmen künftig auch eine Erstausbildung durchlaufen müssen.
Der stark expandierende Bankenvertrieb wird durch den Gesetzentwurf in die Schranken gewiesen. In der Lebensversicherung hat er einen Marktanteil von 73 Prozent, in der Nichtlebensversicherung von 13 Prozent. Die Caixabank ist der absolute Spitzenreiter in diesem Vertriebskanal. Die Grundlage des Erfolgs des Bankenvertriebs ist die von der Assekuranz scharf kritisierte obligatorische Einbindung des Versicherungsvertriebs beim Verkauf von Hypothekendarlehen.
Die Banken bieten insbesondere die Haushalts- und die Risikolebensversicherung in einem Paket mit dem Hypothekenkredit an. Nur wenn der Kunde mitmacht, erhält er die attraktivsten Kreditzinsen. Eine Neuerung im neuen Vermittlergesetz wird diese Praxis deutlich erschweren. Es wird der Begriff des verbundenen und kombinierten Verkaufs von Versicherungsprodukten eingeführt. Künftig muss der Bankangestellte den Kunden darüber informieren, dass die verschiedenen Produkte auch separat abgeschlossen werden können und wie hoch die Kosten jeder Komponente sind.
In die Parade gefahren ist der Gesetzentwurf dem Bankenvertrieb auch an anderer Stelle. Er sieht Neuerungen beim Verkauf von Geldanlageprodukten vor, die in Form von Versicherungen angeboten werden. Sie werden zum weit überwiegenden Teil von den Banken vertrieben. Die Bankmitarbeiter müssen die Kunden künftig über alle eingeschlossenen Kosten und Anlagestrategien der Produkte informieren.
Gleichzeitig müssen die Kunden vor den Risiken gewarnt und bei einer Beratung eine regelmäßige Bewertung der Eignung des Produkts für ihr spezifisches Risikoprofil zur Verfügung gestellt werden. Die Verschärfung stellt auf Unit Linked-Lebensversicherungen ab, bei denen der Kunde das Anlagerisiko ganz oder teilweise trägt. (reh)
Bildquelle: reh
Spanien · Bancassurance · Maklergesetz
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