Köpfe & Positionen

Trotz juristischer Schlappe: Minerva gibt sich kämpferisch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Vor dem Landgericht München hat die Minerva Kunden Rechte GmbH jüngst eine herbe juristische Schlappe gegen die Verbraucherschützer des BdV erlitten. Dennoch gibt das Unternehmen weiterhin kämpferisch: "Die Haltung des BdV, unabhängig von einem Beratungserfolg den Kunden aufwandsbezogen oder pauschal zur Kasse zu bitten, schwächt die KundenRechte in einem nicht hinnehmbaren Maße und ist falsch", so Geschäftsführer Nicola Ferrarese.
"Minerva KundenRechte ist nach wie vor fest davon überzeugt, dass das ersparnisbezogene Vergütungsmodell bei der Tarifwechsel-Beratung in der PKV das für die Versicherten bzw. die Kunden (ich mag das unschöne Wort "Verbraucher" nicht) das kundenfreundlichste bzw. das zielführende Vergütungsmodell ist zur Wahrnehmung der Kunden-Rechte nach dem Versicherungsvertragsgesetz", konstatiert Ferrarese gegenüber VWheute.
Die Haltung des Bundes der Versicherten (BdV) kann das Unternehmen zudem nicht teilen. "Die Kunden bezahlen Minerva hingegen nur, wenn Minerva das Leistungsversprechen einlöst (Ermittlung vergleichbare Tarife, die beitragsgünstiger sind, so dass der Kunde von seinem Recht Gebrauch macht und den Tarif wechselt). Andernfalls verzichtet Minerva auf eine Vergütung"
Für den BdV liege "offenbar ein Ärgernis", so Ferrase weiter: "Er möchte, dass auch diese Kunden zahlen müssten, auch wenn Sie nach Prüfung im Ergebnis den Tarifwechsel nicht vollziehen bzw. Minerva ihnen von einem Tarifwechsel abrät. Das ist aber inhaltlich falsch, denn im Ergebnis führt das dazu, dass die Kunden tendenziell aufgrund des Kostenrisikos von einer Prüfung bzw. Beauftragung Abstand nehmen und somit das Versicherungsunternehmen weiterhin die überteuerten Beiträge erheben kann."
"Die Position des Kunden wird dadurch geschwächt, dass es keine sachverständige Berater im Lager des Kunden gibt oder diese Berater ihm zu teuer erscheinen (aufwandbezogene bzw. Pauschale Vergütung) - nicht dadurch dass diese Berater ersparnisbezogen abrechnen. Ersparnisbezogene Vergütung heißt: Ich kann als Kunde ohne Kostenrisiko prüfen lassen, ob mein Tarif überteuert ist und bezahle nur, wenn ich einen Nutzen vom Tarifwechsel habe - und zwar nach dem Tragfähigkeitsprinzip: Wer wenige spart zahlt wenig, wer viel spart, zählt viel", ergänzt der Minerva-Chef.
Zudem bemühe der BdV "zum Erreichen seiner Ziele (Kunde zahlt in jedem Fall, Beraungserfolg ist nicht wichtig) eine formal-juristische Detailfrage und interspretiert Sie falsch. Kern des gerichtlichen Verfahrens ist die Frage, ob die Tarifwechselberaung durch einen Versicherungsberater eine Rechtsdienstleistung ist und diese dann unter Rechtsanwaltsvergütungsgesetz fällt; dann müsste der Kunde, wie bei einem Rechtsanwalt nicht nur bei Erfolg bezahlen (im übrigen ist hier die Sachlage gerade anders herum: der Kunde trägt bei einem Rechtsstreit die Kosten bei einer Niederlage, da verhindert werden soll, dass bei nicht geben Kostenrisiko zum Klagen geradezu animiert werden würde).
Der BdV hatte vor dem Landgericht München gegen das Unternehmen geklagt. Nach dessen Auffassung verstößt die Versicherungsberaterin Minerva zudem mit ihrem Vergütungsmodell gegen ein gesetzliches Verbot: "Bei der Tarifwechselberatung handelt es sich um die Erbringung einer Rechtsdienstleistung. Daher unterliegt die Zulässigkeit der erfolgsabhängigen Vergütung den gleichen Voraussetzungen, die auch ein Rechtsanwalt zu beachten hat", erläutert BdV-Chef Axel Kleinlein.
Die Richter am LG München folgten nun der Auffassung des BdV. "In seinem Urteil vom 18. Mai 2018 stützt das Gericht die Rechtsauffassung des BdV, dass Minerva mit ihrem Geschäftsmodell gegen ein gesetzliches Verbot verstößt", erklärt BdV-Pressesprecherin Bianca Boss. (vwh/td)
Bildquelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
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