Politik & Regulierung

BVK: Kostenprobleme nicht weiter zu Lasten des stationären Vertriebs lösen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gewohnt kämpferisch gab sich der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) vor allem in Person seines Präsidenten Michael H. Heinz auf seiner Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag in Berlin. Bei der Regulierung sei das Ende der Fahnenstange erreicht. So habe er es satt, dass der stationäre Vertrieb "Tag und Nacht nur geprügelt" werde.
BVK-Präsident Michael H. Heinz sieht sich "von Feinden umzingelt" und man wisse nicht, ob überhaupt noch jemand – mit Ausnahme des BVK – für den traditionellen Versicherungsvertrieb kämpfe. Es dürfe keinen zweigeteilten Verbraucherschutz geben: Harte Auflagen für den stationären Vertrieb, die nicht in gleichem Maße für den Online-Vertrieb gelten.
Dem GDV wirft er vor, sich bei der Umsetzung der IDD deutlich gegenüber dem BVK distanziert zu haben. Es könne nicht sein, dass es bei der Regulierung immer nur in eine Richtung gehe – auf Kosten des Vertriebs. "Dabei wäre der Ombudsmann, wenn er nur Vermittlerbeschwerden zu bearbeiten hätte, arbeitslos", bemängelt er den Widerspruch.

Vermittler haben Hausaufgaben gemacht

Um die Regulierung weiter "konstruktiv zu begleiten", verabschiedete am Donnerstag vergangener Woche die Mitgliederversammlung des BVK einstimmig einen Leitantrag zur weiteren IDD-Umsetzung. Zwar seien wichtige Forderungen wie Provision und Courtage als Leitvergütung, der Grundsatz "Kein Vertrieb ohne Beratung" und die Verankerung des Provisionsabgabeverbotes verwirklicht. Bei der noch ausstehenden Versicherungsvermittler-Verordnung sei aber Augenmaß nötig, da schon jetzt zu viele unternehmerische Kapazitäten durch bürokratischen Aufwand gebunden seien.
Was die bevorstehende Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) und einen möglichen Provisionsdeckel betrifft, sieht Heinz sich und seine Vermittlerkollegen am Ende der Fahnenstange angekommen. "Die Vermittler haben ihre Hausaufgaben gemacht und erhebliche Einschnitte bei ihren Provisionen hingenommen", so Heinz.
Jetzt müsse geschaut werden, dass auch die Versicherer Kosten einsparen. Wenn die Daumenschrauben weiter angezogen würden, sei der sozialpolitische Auftrag der Vermittler in Gefahr, weil es sich irgendwann nicht mehr lohne Kunden zu beraten.
Zudem habe der Provisionsdeckel in der privaten Krankenversicherung gezeigt, dass die Abschlusskosten nicht gesunken seien, dafür aber der Neuzugang an Vollversicherten, merkt Matthias Beenken an, Versicherungsexperte und Dozent der FH Dortmund.
"Das ist nicht der richtige Weg", so seine Schlussfolgerung. Er sieht die von Bafin-Chef Frank Grund vorgeschlagenen 2,5 Prozent der Beiträge für Courtagen bzw. Provisionen, die der Kunde während der Vertragslaufzeit zahlt, nicht direkt als Deckel an, sondern eher als Aufruf an die Versicherer vernünftige Provisionen zu zahlen. "Wenn es mehr geben soll, muss es gute Argumente dafür geben."

Keine Verstaatlichungen

Mit viel Beifall wird die neue Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, Bettina Stark-Watzinger (FDP), bedacht. Sie betont, dass der Staat keinesfalls die Aufgaben übernehmen sollte, die der Markt besser selbst lösen kann – wie die Krankenversicherung.
Sie plädiert für ein Nebeneinander verschiedener Vergütungsmodelle im Versicherungsvertrieb und spricht sich gegen einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung aus. Eine endgültige politische Entscheidung, was die Vergütung betrifft, erwartet sie erst nach der Sommerpause. Dass die Koalitionäre sich in der Frage uneins sind, erleichtere die Sache nicht.
Michael Fauser, Vorstand der Ergo Versicherung, spricht sich vehement gegen einen Provisionsdeckel aus. Er kritisiert, dass die Regulierung aufgrund der zahlreichen Auflagen Geld kosten würde statt welches einzusparen. Hochwertige Beratung habe ihren Preis und müsse bezahlt werden.
"Es ist nicht Sache des Staates über Vergütungen zu entscheiden. Das wäre ein Eingriff in den Wettbewerb", gibt er zu bedenken. Und Peter Bochnia, Vorstand der LVM, ergänzt: "Wie wir unsere Vertreter vergüten ist unser Problem und nicht das der Politik." (epo)
Bild: Michael H. Heinz (Quelle: epo)
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