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Leben-Verkauf: Sendet die Generali ein falsches Signal an die Branche?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der mögliche Verkauf der Generali Lebensversicherung erhitzt die Gemüter. So rechnet Verdi-Versicherungsexpertin Martina Grundler mit einem Verkauf an einen externen Bieter. "Es deutet manches darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit wächst, dass es zum externen Run-off, wie eine solche Trennung in der Branche genannt wird, kommt", betont die Gewerkschaftsvertreterin.
Zwar ist bislang noch keine offizielle Entscheidung gefallen. "Die Arbeitnehmervertreter haben aber doch den Eindruck, dass es nur noch die Frage ist, ob ein Verkauf an externe Kandidaten mit Minderheitsbeteiligung der Generali vollzogen wird – oder ob sich die Gesellschaft komplett trennt von den vier Millionen Policen. Ein Verbleib der Policen im Unternehmen wird dagegen weniger diskutiert, was wir sehr bedauerlich finden", erläutert Grundler gegenüber dem Handelsblatt.
Dabei sieht die Verdi-Vertreterin auch die Haltung der Bafin durchaus kritisch: So sei "eine Versicherung kein Waschmittel ist, sondern ein lebenslanges Versprechen an den Kunden – das Generali Deutschland in dem Fall aufkündigen würde. Das Unternehmen hat auch eine sozialpolitische Verantwortung. Mein Blick auf solche Dinge ist deshalb ein etwas anderer. Ich finde, das ist nicht nur eine unternehmerische Entscheidung, sondern auch eine politische und gesellschaftliche. Letztlich geht es um die grundlegende Frage: Wie organisiere ich Altersversorge?" Erst vor wenigen Monaten hatte Bafin-Präsident Felix Hufeld betont: "Ein Verkauf ist kein Verrat am Kunden, sondern eine legitime unternehmerische Entscheidung".
Sollte es tatsächlich zu einem Verkauf kommen, rechnet Grundler mit einem "Dammbruch, der negativ auf die Branche abstrahlen wird. Wenn die Generali die klassischen Policen verkauft, wird das auch zu Nachahmungen führen. Ich glaube nicht, dass die Generali dann ein singuläres Ereignis bleibt. Wenn aber der Eindruck entsteht, dass die Versicherer alle ihre Altverträge loswerden wollen, dann werden sich viele Kunden verschaukelt vorkommen und dies Neukunden abschrecken. Denn dann steht die Branche nicht zu ihrem Wort".
Vielmehr müsse die Politik "endlich aktiver werden und eine höhere Hürde für solche Veräußerungen aufstellen. Ich plädiere für eine Gesetzesänderung, die einen Verkauf alter Policen an Dritte deutlich erschwert. Außerdem würde ich mir wünschen, dass die Politik auch stärker hörbar in die Debatte eingreift. Wir finden, die Politik sollte sich intensiver mit den sozialpolitischen und gesellschaftlichen Fragen bei einem solchen Verkauf beschäftigen".

Generali: "Entscheidung wird in Kürze getroffen"

Die Generali selbst gibt sich auf Anfrage von VWheute hingegen noch zugeknöpft: "Um die Erfüllbarkeit unserer Verpflichtungen gegenüber unseren Versicherten langfristig garantieren zu können, wird die Generali Lebensversicherung AG, einer unserer deutschen Produktgeber für Lebensversicherungen, das Neugeschäft - wie bereits bekannt gegeben - in der ersten Jahreshälfte 2018 schließen und sich darauf konzentrieren, die bestehenden Verträge bis zu ihrem Ablauf zu verwalten", sagte ein Unternehmenssprecher.
"Wir möchten betonen, dass wir derzeit verschiedene Optionen prüfen, um diesen Übergang so effektiv und sicher wie möglich zu managen. Beispielsweise indem wir auf interne Expertise setzen oder durch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Anbietern, die solche Maßnahmen bereits erfolgreich durchgeführt haben. Die Entscheidung wird in Kürze getroffen, unter Berücksichtigung sowohl der finanziellen Aspekte als auch der Interessen unserer Kunden und unseres Vertriebsnetzwerks. Wir werden weiterhin eng mit den zuständigen nationalen Behörden zusammenarbeiten. Die Neugeschäftsproduktion der anderen drei Lebensversicherer der Generali in Deutschland wird wie bisher fortgeführt, mit dem Ziel, unseren Wachstumskurs in Deutschland weiter zu verstärken", betont die Generali weiter. (vwh/td)
Bildquelle: Generali
Generali · Verdi · Martina Grundler
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