Märkte & Vertrieb

Deutsche Versicherer innovativer als häufig angenommen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Lange Zeit standen deutsche Versicherer in dem Ruf, beim digitalen Fortschritt der internationalen Konkurrenz hinterherzulaufen. Eine aktuelle Studie von Capgemini scheint nun das Gegenteil zu belegen: Danach haben gerade die deutschen Versicherer bei dem Einsatz von Automatisierungstechnologien international die Nase wohl ganz weit vorn.
Gerade bei Robotic Process Automation, Künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Blockchain liegen sie mit fortgeschrittener Pilotierung und Implementierung über dem weltweiten Durchschnitt, heißt es in der Studie. Das Paradebeispiel: der Einsatz digitaler Technologien zur Automatisierung.
Besonders deutlich werde dies laut Capgemini im Bereich der robotergesteuerten Prozessautomatisierung (RPA) über alle drei Versicherungssegmente (Sach-, Lebens- und Krankversicherung) hinweg. Demnach habt die große Mehrheit der deutschen Versicherer (89 Prozent) bereits RPA-Systeme pilotiert (36 Prozent) oder bereits vollständig im Einsatz (54 Prozent).
Vorreiter seien die deutschen Versicherungskonzerne auch bei den Themen Künstliche Intelligenz, Machine Learning/Deep Learning und Blockchain. Allerdings befindet sich die Branche bei der Spracherkennung und natürlich Sprachverarbeitung noch in der Konzentrationsphase, konstatieren die Studienautoren.
Bei der Erhebung von Echtzeitdaten konzentrieren sich die hiesigen Versichererlaut Studie vor allem auf Telematik- und sensorgestützte Geräte. Damit liegen die Versicheungskonzerne deutlich über und bei Smart-Home-Applikationen und Social-Media-Plattformen genau im weltweiten Durchschnitt.

Versicherer punkten auch bei Kundenzufriedenheit

Außerdem hätten deutsche Versicherer in Sachen Serviceerfahrung einiges an Boden gutmachen können. Dadurch seien sie hierzulande weniger stark von den großen Technologie-Konkurrenten bedroht als im weltweiten Vergleich, stellen die Analysten von Kapgemini weiterhin fest. Mit einem Zufriedenheitswert von 72,6 liegen die deutschen Versicherer laut Studie nun auf dem dritten Platz hinter Handelsunternehmen (76,9) und Banken (74,7). Damit landet die Branche noch vor der Automobilbranche (71,1), dem Gesundheitswesen (69,9), den Versorgern (69,3) und den Telekommunikationsanbietern (67,3).
Eine zunehmende Konkurrenz für die Versicherer stellen hingegen die sogenannten Bigtechs dar. So würde es laut Capgemini bereits knapp jeder Dritte Verbraucher weltweit in Betracht ziehen, ein Versicherungsprodukt von Amazon, Google, Facebook und co. einzukaufen. Das entspricht einem Zuwachs von zwölf Prozentpunkten seit 2015 und auf nun 30 Prozent.
Allerdings wäre derzeit nur jeder fünfte Verbraucher momentan bereit, eine Versicherung bei den großen Technologiefirmen abzuschließen. Dennoch bedeutet dies immerhin einen Anstieg um 14 Prozentpunkte auf 21 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Hier scheinen gerade technikaffine und Gen-Y-Verbraucher besonders geneigt, vom traditionellen zum Technologieanbieter zu wechseln.
Für den World Insurance Report (WIR) 2018 von Capgemini wurden insgesamt über 10.000 Verbraucher und über 150 Leitende Führungskräfte aus 20 Ländern weltweit befragt. Untersucht wurden dabei die Segmente Lebens-, Sach- und Krankenversicherung. In Deutschland wurden 505 Verbraucher und 20 Führungskräfte befragt. (vwh/td)
Bildquelle: Fotolia
Kapgemini · World Insurance Report (WIR) 2018
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