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VGH: Wieder mehr Sprit für Wachstumsmotor

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) will nach dem Beitragsrückgang im vergangenen Jahr 2018 den Wachstumsmotor wieder mit mehr Sprit versorgen. Das kündigte Vorstandschef Hermann Kasten bei der Vorlage der Bilanz 2017 an. Dies gilt vor allem für die Muttergesellschaft, die Landschaftliche Brandkasse, die das Kompositgeschäft betreibt. Für sie strebt Kasten nach den ertragssteigernden Sanierungsmaßnahmen mit Beitragsanpassungen in der Kfz-, Wohngebäude- und Industriefeuerversicherung eine "kontrollierte Offensive" an.
Für die Brandkasse begann das Jahr allerdings mit einem "kleinen Paukenschlag". Am 10. Januar bescherte der Sturm "Friederike" Schäden in Höhe von rund 35 Mio. Euro. Seitdem war jedoch der Schadenverlauf laut Kasten moderat. Vorstand Thomas Vorholt rechnet jedoch damit, dass kleinräumige Naturschadenereignisse wie Wirbelstürme und Hagelunwetter zunehmen werden. Auf die Prämien hat dies bislang keinen Einfluss, zumal die Brandkasse gut kapitalisiert ist und auch über umfangreiche Rückversicherungen für Sturmschäden verfügt.
Für die Provinzial Leben, die 2017 mehr als zehn Prozent ihrer Beiträge einbüßte, gestaltet sich die Lage allerdings komplexer. Die laufenden Beiträge sollen jedoch stabilisiert werden – ein schwieriges Unterfangen wegen der hohen Abläufe von Verträgen, die im Rahmen der vor gut 20 Jahren gestarteten Zusammenarbeit mit den Sparkassen geschlossen worden waren.
Im vergangenen Jahr schrumpften die Beitragseinnahmen der Gruppe mit Komposit-, Lebens- und Krankenversicherung um 2,7 Prozent auf 2,21 Mrd. Euro. Dennoch bezeichnete Kasten das Jahr als erfolgreich und erfreulich. Die Ergebnisstabilisierung durch Kostendämpfung zeige Wirkung, hinzu sei Glück auf der Schadenseite gekommen. Als Sahnehäubchen obenauf hätten sich Sondereffekte der Investmentsteuerreform 2018 (40 Mio. Euro) und Steuerrückzahlungen von in den Jahren 2001 bis 2003 unrechtmäßig vom Fiskus in der Lebensversicherung geforderten Steuern (knapp 29 Mio. Euro) erwiesen.
Die Brandkasse verbuchte 2017 Beitragseinnahmen in Höhe von 1,16 Mrd. Euro (plus 1,0 Prozent). Die Schadenquote verringerte sich auf 66,6 (65,0) Prozent und die Kostenquote auf 24,7 (25,0) Prozent. Die weiter aufgestockten Kapitalanlagen warfen eine Nettorendite von 3,8 (2,9) Prozent ab. Der Bruttoüberschuss wird mit 103 (37) Mio. Euro über Plan ausgewiesen. Er ermöglicht eine Eigenkapitalstärkung von rund 54 Mio. Euro.
Bei der Provinzial Leben waren die Beitragseinnahmen um 11,7 Prozent auf 687 Mio. Euro rückläufig. Wesentlich dafür waren die Einmalbeiträge, die nach einem kräftigen Schub 2016 wieder auf Normalmaß zurückgefahren worden sind. Die laufenden Beiträge gingen weiter um 1,6 Prozent auf 480 Mio. Euro zurück. Ein Run-off kommt für die Provinzial jedoch nicht in Frage, denn die weiter angebotenen Garantien könnten voll befriedigt werden.
Die Nettoverzinsung der weiter gestiegenen Kapitalanlagen belief sich auf 4,6 (5,0) Prozent. Auch durch die Realisierung von Reserven konnte die Zinszusatzreserve mit 142 (Vorjahr: 136) Mio. Euro dotiert werden. Sollten wie erwartet die Anforderungen der Zinszusatzreserve in diesem Jahr gelockert werden, müssen den Angaben zufolge nur noch wenige Millionen für die durch den Niedrigzins bedingte bilanzielle Vorsorge aufgewendet werden. Gestärkt wurde auch bei der Provinzial Leben das Eigenkapital. Mit der Überschussdeklaration für 2018 erzielt die Provinzial eine Gesamtverzinsung von "wieder attraktiven vier Prozent".
Die Beitragseinnahmen der Alten Oldenburger Krankenversicherungsgruppe, die mit der Provinzial Kranken mehrheitlich zur VGH gehört, wuchsen um 3,5 Prozent auf 300 Mio. Euro. Entgegen dem Trend erhöhte sich erneut die Zahl der Vollversicherten. Auch die Pflegezusatzversicherung erweist sich als Wachstumstreiber. (cs)
Bildquelle: VGH
VGH · Versicherungsgruppe Hannover