Politik & Regulierung

Unklare Messmethode schützt betrunkenen Fahrer nicht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Trunken bleibt trunken, auch bei unterschiedlichen Messmethoden. In der Schweiz hatte ein Autofahrer betrunken einen Unfall gebaut und wollte, dass seine Kaskoversicherung den Eigenschaden übernimmt. Das wollte die Versicherung allerdings nicht, woraufhin der Mann klagte, die entsprechende Klausel sei unklar und die Alkoholmessung(en) angreifbar.
Dass der Mann betrunken fuhr, ist unstrittig, der Wert ist es nicht. Eine nach dem 20.000 Franken teuren Unfall im Krankenhaus vorgenommene Blutprobe ergab einen Wert zwischen 1,11 und 1,23 Gewichtspromille. Eine folgende Berechnung besagte, dass der Fahrer beim Unfall zwischen 1,23 bis 1,89 Promille gehabt haben muss Das ist deshalb wichtig, weil die Bedingungen der Kfz-Versicherung eine Leistungsfreiheit vorsehen, wenn der Fahrer "in alkoholisiertem Zustand (mit einem Blutalkoholgehalt von 1,5 Promille oder mehr, mittlerer Wert)" fuhr.
Der Mann argumentierte, dass es für ihn unklar sein ob nun auf die Messung oder die Berechnung maßgeblich sei und der genaue Alkoholwert rückwirkend nicht bestimmt werden könne. Die erste gerichtliche Instanz folgte der Klage, es sei nicht zu beweisen, dass der Mann beim Unfall tatsächlich über 1,5 Promille aufgewiesen habe. Der Versicherer müsse leisten. Einen Widerspruch später fand man sich vor dem Obergericht wieder, das den Fall anders bewertet.
Alles eine Frage der Bedingungen
Für das Gericht ist der Fall klar, die Bedingungen enthalten einen Bezug auf den "mittlerer Wert", das sei entscheidend. Unter mittlerem Wert sein nach allgemeinem Sprachgebrauch das arithmetische Mittel aus einem Minimal- und einem Maximalwert zu verstehen. In diesem Fall liege der zwischen den errechneten 1,23 und 1,89 Promille, also bei 1,56 Promille und damit über dem Grenzwert, der in den Bedingungen genannt ist. Der Versicherer bleibt leistungsfrei.
Keine Rolle spiele es beim Prozess, dass dem Mann die Methode zu Errechnung des Promillewert unklar war und ob es "aus medizinischer Sicht überhaupt möglich wäre, rückwirkend die exakte Blutalkoholkonzentration festzustellen", wie die Limmattaler Zeitung schreibt. (vwh/mv)
Vollkasko-Versicherung · Kfz-Versicherer · Alkohol
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