Schlaglicht

PKV-Verband bestätigt Tariferhöhung im Standardtarif

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die private Krankenversicherung muss die Beiträge erhöhen. Im Standardtarif wird es zum 1. Juli 2018 eine Beitragserhöhung geben, wie der PKV-Verband und die SDK bestätigen. Ursächlich für die Erhöhung sei die Niedrigzinsphase, die die Versicherer belaste. Der Verband erwartet kein negatives Presseecho – und dürfte enttäuscht werden.
Es begann ganz ruhig, die Partei Die Linke hatte eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Die Abgeordneten unter denen sich unter anderem der Linken-Politiker Achim Kessler befand, wollten wissen, ob die momentane Neukalkulierung des Standardtarifs für Männer zu einer Beitragserhöhung führen wird, und wenn ja, in welcher Höhe.
Hätten Sie mal VWheute gefragt, dann hätten Sie es erfahren, aber vermutlich war das den Anfragenden ohnehin bereits klar, denn die berühmten Spatzen pfiffen es bereits von den PKV-Dächern. Der Verband bestätigt: "Neben dem medizinischen Fortschritt erfordert auch das anhaltend niedrige Zinsniveau eine Anpassung der Beiträge, indem der Rechnungszins gesenkt wird."
Die Folge ist eine Beitragserhöhung zum 1. Juli 2018 im Standardtarif für Männer, also dem Tarif, den PKV-Versicherte abschließen können, wenn sie im Alter den Beitrag für ihre PKV nicht mehr bezahlen können. Beitrag und Leistung orientieren sich dabei an der gesetzlichen Krankenversicherung.
Schlechte Nachricht ist ein schlechter Gast
Die Erhöhung ist beschlossen, doch wer überbringt wann die Nachricht? "Die Versicherungsunternehmen werden die Höhe der jeweiligen Beitragsanpassung den Versicherten in diesen Tagen individuell mitteilen. Dem können und wollen wir nicht vorgreifen", erklärt der PKV-Verband. Es klingt fast so, als wolle der Verband seinen Schäfchen die Überraschung nicht vermiesen, den rund 30.000 versicherten Männern die frohe Kunde zu überbringen.
Vielleicht wird es gar nicht so schlimm für die Versicherten, denn die Versicherer haben aber noch ein Ass im Ärmel, ihre Reserven.
Die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK) bestätigt auf Anfrage die Erhöhung mit dem Verweis, dass es die erste seit vier Jahren sei. Es werden zudem "Rückstellungen zur Limitierung der Beitragserhöhungen eingesetzt". Zur exakten Erhöhung könne und wolle der Versicherer "keine Angaben machen". Auch nach der Erhöhung bliebe der Standardtarif ein "günstiger Schutz auf dem Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung".
Mit dem Statement zeigte sich die SDK wesentlich auskunftsfreudiger als der Marktführer Debeka, der bis Redaktionsschluss die Anfrage nicht beantwortete.
Der PKV-Verband erwartet kein großes Medienecho auf die Erhöhung und hat gute Argumente, denn "auch nach der jetzt erforderlichen Anpassung bleibt der Standardtarif ein günstiger Schutz auf dem Leistungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Selbstbehalt bleibt unverändert auf 306 Euro begrenzt. Und natürlich gilt auch weiterhin die Deckelung des Beitrags auf den GKV-Höchstbeitrag für Alleinstehende bzw. auf 150 Prozent des GKV-Höchstbeitrags für Verheiratete."
Zudem setzt sich der PKV-Verband gemeinsam mit Verbraucherschützern für eine Änderung der gesetzlichen Regeln zur Beitragsanpassung ein, wodurch sprunghafte Anpassungen der Beiträge vermieden würden. Die Union wäre der Idee gegenüber "aufgeschlossen", die SPD habe sich "bedauerlicherweise dagegen ausgesprochen".
Das sind gute Argumente und auch das Engagement zu Gunsten der Versicherten ist löblich. Das sich die PKV-Kritiker dadurch von einem erneuten Angriff auf das duale System abbringen lassen werden, dürfte ein frommer Wunsch bleiben.
Der Einsatz von Reserven ist ein nachvollziehbarer Schritt, doch auch die gut gefüllten Taschen der Versicherer sind endlich. Besonders dann nicht, wenn der BGH im Winter final entscheiden sollte, dass viele der in den letzten Jahren vorgenommenen Beitragserhöhungen wegen einem nicht unabhängigen Treuhänder nicht zulässig waren und Millionen Euro oder mehr an Nachzahlungen fällig werden.
Immerhin die rund 20.000 im Standardtarif versicherten Frauen können aufatmen, eine Überprüfung des Frauentarifs steht laut PKV-Verband "nicht an". (vwh/mv)
PKV · PKV-Verband · Beitragserhöhung · SDK
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