23.05.2018Unternehmen & Management

Allianz: Versicherungsbetrug durch Betrugsexperten?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherungsbetrug ist in Deutschland bekanntlich zu einer Art "Volkssport" geworden. Laut GDV entsteht den Versicherern allein in der Schaden- und Unfallversicherung ein jährlicher Schaden von rund vier Mrd. Euro. Skurril mutet allerdings nun ein möglicher Betrugsfall bei der Allianz an: Ein Betrugsexperte soll die Allianz um mehrere Millionen Euro betrogen haben.
Nach Informationen des Westdeutschen Rundfunk (WDR) und der Süddeutschen Zeitung soll der Experte für Versicherungsbetrug sein Wissen vor allem dazu genutzt haben, seinem Brötchengeber selbst eine nicht unwesentliche Geldsumme abgeluxxt zu haben.
Dabei soll er sein Wissen über die Betrugsbekämpfungssoftware mittels fingierter Rechnungen zu Geld gemacht haben, heißt es beim WDR. Dabei soll er bei Versicherungsfällen, welche er selbst bearbeitet hatte, juristische Anfragen erfunden haben – und die entsprechenden Anwälte gleich mit.
Um nicht weiter aufzufallen soll es dabei um vergleichsweise kleine Beiträge zwischen 500 und knapp 5.000 Euro gehandelt haben. Da allerdings auch Kleinvieh bekanntlich Mist macht, sollen sich diese "Kleinigkeiten" laut SZ auf einen Betrag von rund zwei bis drei Mio. Euro summiert haben. Offiziell bestätigt wurde dies aber nicht. Die entsprechenden Beträge aus den "vermeintlichen" Rechnungen soll er dann auf mehrere Konten geleitet haben, auf die er Zugriff hatte.
Dabei soll er sich auch zunutze gemacht haben, dass die Allianz laut Bericht derzeit mit zwei IT-Systemen zur Betrugsabwehr arbeitet: dem neueren Allianz Betriebssystem ABS und einem älteren System. Dabei seien noch zahlreiche Altfälle offen, welche auch juristisch durch die Instanzen ausgefochten werden. Sein Wissen um beide Systeme soll es ihm daher ermöglicht habe, seine Betrugsmasche mindestens sieben Jahre lang auf diese Weise unentdeckt durchziehen zu können - bis jetzt.
Die Allianz selbst hatte den Fall gegenüber dem WDR bestätigt: "Unsere internen Kontrollsysteme haben Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für uns aufgedeckt. Wir haben daraufhin umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen und auch die zuständigen Ermittlungsbehörden eingeschaltet, mit denen wir eng kooperieren", wird der Versicherungskonzern zitiert.
Zudem habe ihm die Allianz fristlos gekündigt und eine Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte zudem gegenüber dem Sender, dass ein früherer Allianz-Mitarbeiter in Untersuchungshaft sitze. Weitere Details wollte sie aber nicht nennen. (vwh/td)
Bildquelle: Rike / PIXELIO (www.pixelio.de)
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